Lebensdaten
1861 bis 1921
Geburtsort
Wolfsberg (Kärnten)
Sterbeort
Klagenfurt
Beruf/Funktion
Historiker ; Professor in Berlin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117199974 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Tangl, Michael

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Zitierweise

Tangl, Michael, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117199974.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Michael Ludwig (1832–1900), Bäcker, Privatier, Gde.rat u. Kirchenkämmerer in W., S d. Jakob, Bäckermeister in W., u. d. Maria Rack;
    M Maria († 1904), T d. Bartholomä Sittar, Bäcker in St. Andrä (Lavanttal);
    Gr-Ov Karlmann (1799–1866), Hist., Philol., 1832 Prof. d. Ästhetik, klass. Lit., lat. u. griech. Philol. an d. Univ. Lemberg, 1850 in Graz, 1852 u. 1858 Rektor ebd. (s. ADB 37; Wurzbach);
    Wien 1892 Georgine Nüchtern, aus Beamten- u. Offz.fam. in Wien;
    S Eberhard (1897–|1979), ao. Prof. f. slav. Philol. an d. Univ. Hamburg, zeitweise mit E. E. S. Fraenkel, E. Hofmann u. A. Słupski Mithg. d. „Litau. Etymolog. Wb.“, 1955–65 (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1950–1980; Slawistik in Dtld.; W. Lehfeldt, Zum Lebensweg u. zu d. lituanist. Arbb. v. E. T., in: Res Balticae 5, 1999, S. 237–46), T Georgine (1893–1972), Hist., Gymn.lehrerin in Berlin, Mitarb. d. MGH (s. DA 29, 1973, S. 667 f.; L).

  • Leben

    Nach der Volksschule in Wolfsberg besuchte T. Gymnasien im Stift St. Paul/Lavant, in Marburg/Drau (Maribor, Slowenien) sowie im Schottenkloster in Wien. 1881 begann er Geschichte zu studieren, wobei er sich auf die am Institut für Österr. Geschichtsforschung gelehrten historischen Hilfswissenschaften konzentrierte. Bis 1887 absolvierte er den Ausbildungslehrgang des Instituts. Besonders prägten ihn hier die Diplomatiker Theodor v. Sickel (1826–1908), der damals das Institut leitete, und Engelbert Mühlbacher (1843–1903). Es folgten Aufenthalte am Österr. Historischen Institut in Rom, wo T. sich mit der Geschichte der päpstl. Kanzlei beschäftigte, deren Taxwesen im Spätmittelalter Gegenstand seiner Dissertation wurde (1889). Nach erster beruflicher Tätigkeit in Wien in den Archiven des Innen- und des Finanzministeriums und an der Universität habilitierte er sich 1892 in den Fächern Historische Hilfswissenschaften und Mittelalterliche Geschichte. 1895 trat er die Nachfolge Paul Kehrs (1860–1944) als Extraordinarius an der Univ. Marburg/Lahn an, wo er auch an der von Kehr und Heinrich v. Sybel (1817–95) neu eingerichteten Archivschule lehrte. T.s Arbeitsbereich bildeten damals die Edition der Karolingerdiplome für die Monumenta Germaniae Historica (MGH), zu der ihn bereits Mühlbacher in Wien herangezogen hatte, sowie Leben und Briefe des heiligen Bonifatius. 1897 wurde T. als ao. Professor an die Univ. Berlin berufen. Für die MGH übernahm er die Bearbeitung der älteren fränk. und ital. Gerichtsurkunden (Placita) und beschäftigte sich daneben intensiv mit der Entzifferung der Tironischen Noten, einer in der röm. Antike entwickelten Kurzschrift, die in merowingischen und karolingischen Urkunden noch für Kanzleivermerke verwendet wurde. Er wurde auf diesem Gebiet zur führenden Autorität.

    1902 in die Zentraldirektion der MGH gewählt, wurde T. zum Leiter der Epistolae-Abteilung, 1904 auch zum Leiter der Diplomata Karolinorum bestellt. Gemeinsam mit Harry Bresslau (1848–1926) und Karl Brandi (1868–1946) begründete er 1908 die Zeitschrift „Archiv für Urkundenforschung“. T. übernahm auch die Bearbeitung einzelner Bände für die Reihe der „Geschichtsschreiber der dt. Vorzeit“, in der lat. Quellen mit dt. Übersetzung herausgegeben wurden. Innerhalb der Epistolae-Abteilung begründete er die Reihe „Epistolae selectae“, die Schulausgaben von Briefsammlungen herausbrachte. Während des 1. Weltkriegs und bis 1919 leitete T. die MGH als stellv. Vorsitzender und plante danach die Edition des „Registrum super negotio imperii“ Innocenz’ III. Er starb jedoch im Sommer 1921 unerwartet während eines Urlaubs in Kärnten an einer Ruhrinfektion.

    T. war zu seiner Zeit einer der Hauptvertreter der sog. Wiener Hilfswissenschaftlichen Schule, deren Methode er in Marburg und besonders in Berlin etablieren konnte, so daß schon unmittelbar nach seinem Tod von einer von ihm begründeten „Schule“ gesprochen wurde. Zu seinen wichtigsten Mitarbeitern und Schülern zählen etwa Ernst Perels (1882–1945), Erich Caspar (1879–1935), Hermann Krabbo (1875–1928), Mario Krammer (1880–1953), Edmund Stengel (1879–1968) und Rudolf v. Heckel (1880–1947). Noch heute sind T.s Arbeiten auf dem Gebiet der Tironischen Noten, der päpstl. Kanzleigeschichte, seine paläographisch-diplomatischen Tafelwerke und die Edition der Bonifatiusbriefe von Bedeutung. Obwohl er nie mit einer zusammenfassenden monographischen Darstellung an die Öffentlichkeit trat, zeugen zahlreiche Aufsätze und etliche Editionen von streng methodisch-fundierter Forschung und der Gabe, komplexe Detailstudien präzise und sprachlich gewandt zu vermitteln. Als Mitbegründer des „Archivs für Urkundenforschung“ und Verfechter interdisziplinärer Forschung trug er maßgeblich zur Weiterentwicklung der von ihm vertretenen hilfswissenschaftlichen Richtung bei.

  • Auszeichnungen

    A korr. Mitgl. d. Böhm. Ges. d. Wiss., Prag (1909) u. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1913); o. Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1918).

  • Werke

    Das Taxwesen d. päpstl. Kanzlei v. 13. bis z. Mitte d. 15. Jh., in: MIÖG 13, 1892, S. 1–106;
    Die Fuldaer Privilegienfrage, ebd. 20, 1899, S. 193–252;
    Die päpstl. Kanzleiordnungen v. 1200–1500, 1894, Neudr. 1959;
    Schrifttafeln z. Erlernung d. lat. Paläographie, hg. v. W. Arndt, 1. u. 2. H., 31897–98 besorgt v. T., 3. H., hg. v. T., 1903;
    Die Urkk. Pippins, Karlmanns u. Karls d. Gr., hg. v. E. Mühlbacher unter Mitwirkung v. A. Dopsch, J. Lechner u. T. (MGH DD Karol. I), 1906, Nachdr. 1979;
    Das Testament Fulrads v. Saint-Denis, in: NA 32, 1907, S. 167–217;
    Studien z. Neuausg. d. Bonifatiusbriefe, ebd. 40, 1916, S. 639–790 u. 41, 1917, S. 23–101;
    Die Tiron. Noten in d. Urkk. d. Karolinger, in: AUF 1, 1908, S. 87–166;
    Forsch. zu d. Karolinger-Diplomen, ebd. 2, 1909, S. 167–326;
    Die Briefe des Hl. Bonifatius u.|Lullus (MGH Epistolae selectae 1), 1916 (Hg.);
    Das MA in Qu.kde. u. Diplomatik, Ausgew. Schrr., 2 Bde., 1966 (W-Verz., P);
    W-Verz.: H. Krabbo, Bibliogr. d. Schrr. M. T.s, in: NA 44, 1922, S. 147–50.

  • Literatur

    R. v. Heckel, in: HJb. 41, 1921, S. 399–403;
    P. F. Kehr, in: NA 44, 1922, S. 139–46;
    E. Perels, in: HV 21, 1922/23, S. 123–27;
    K. Brandi, in: AUF 8, 1923, S. 1–5;
    O. Redlich, in: MIÖG 39, 1923, S. 321–25;
    Georgine Tangl, in: Das MA in Qu.kde. u. Diplomatik (s. W), S. 9–18;
    A. Schaller, M. T. (1861–1921) u. seine Schule, 2007 (W-Verz., P);
    A. Rzihacek u. Ch. Egger, M. T. (1861–1921), Ein Österreicher in Berlin, in: Österr. Historiker 1900–1945, Lebensläufe u. Karrieren in Österr., Dtld. u. d. Tschechoslowakei, hg. v. K. Hruza, 2012, S. 23–84 (Qu, L, P);
    DBJ III, Tl.;
    Biogr. Lex. Gesch.wiss.;
    Österr. Gesch.wiss. 20. Jh.

  • Autor/in

    Andrea Rzihacek
  • Empfohlene Zitierweise

    Rzihacek, Andrea, "Tangl, Michael" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 777-779 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117199974.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA