Lebensdaten
1810 bis 1888
Geburtsort
Hannover
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Bioklimatologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117164658 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mühry, Adolf
  • Muehry, Adalbert Adolphus
  • Muehry, Adolf
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Mühry, Adolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117164658.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg Friedrich (1773–1848), Hofmedicus, Stadtphysicus u. Obermed.rat in H. (s. ADB 22), S d. Heinrich Andreas (1738–1816) aus Mehrum, Chirurg in H., u. d. Marie Eleonore Kellermann (1782–88);
    M Anna Eleonore Beckedorf (1782–1819);
    B Karl (1806–40), Dr. med., Hofmedicus, Badearzt (s. ADB 22), Ernst Friedrich (1807–43), Justizrat in Celle; – ledig.

  • Leben

    M. studierte 1829-33 an der Univ. Göttingen Medizin, der er auch die folgenden 18 Jahre widmete, davon sechs als Wundarzt im Militärdienst. 1844 veröffentlichte er eine der Naturforscher-Versammlung in Bremen gewidmete Schrift „Über die historische Unwandelbarkeit der Natur und der Krankheitsformen, welche eigentlich schon die Einleitung zu seinen späteren Forschungen bildete. Eine Berufung an die Univ. Jena lehnte M. ab, ging aber 1854 nach Göttingen, wo er als Privatgelehrter eine Reihe von Arbeiten schrieb, in denen er zu erkennen versuchte, ob in der Verteilung der Krankheitsformen auf der Erde ein ähnliches System besteht wie bei der Verteilung der klimatischen Verhältnisse. Ein erster Ansatz dazu wurde 1856 in „Die geographischen Verhältnisse der Krankheiten, oder Grundlage der Noso-Geographie“ dargestellt. Verbunden damit waren Erkenntnisse für die Lehre von Ursachen, Vermeidung (Hygiene) und Heilung von Krankheiten (klimatische Therapie), die auch praktische Bedeutung gewannen, zumal sich damals Europäer zunehmend in fremden Erdteilen niederließen. So fand M., daß die in den Tropenländern weitverbreitete Malaria mit gewissen Bodenstellen angehörenden Mikroorganismen zusammenhängt und daß die Absenz der Lungenschwindsucht in genügender Höhe zur heilsamen Benutzung von Höhenklimaten im Gebirge dienen könne.

    In Fortsetzung dieser Forschungen entfernte sich M. später mehr und mehr vom medizinischen Gebiet, auf welchem er seine Untersuchungen als abgeschlossen ansah, und wandte sich rein naturwissenschaftlichen Aufgaben und Problemen zu, wie etwa der allgemeinen Klimatologie und der Gebirgsklimatologie, aber auch der Lehre von den Meeresströmungen. Schließlich versuchte er, aus dem Ganzen seiner Lebensstudien, welche von jeher durch die Ausrichtung auf das Übersichtliche und Allgemeine charakterisiert waren, die Summe zu ziehen, und veröffentlichte sein wissenschaftliches Glaubensbekenntnis „Über die exakte Naturphilosophie, Ein Beitrag zu der in der Gegenwart auf naturwissenschaftlichem Grunde sich vollführenden neuen Constituirung der Philosophie“ (5 Teile, 1877–82). Die Lebenseinstellung M.s, der die letzten 34 Lebensjahre in selbstgewählter Isolierung in Göttingen verbrachte, kann man aus einem Brief von 1884 ersehen, worin er von dem Glück spricht, in Zurückgezogenheit und Muße zu leben und zu arbeiten. Diese Lebensweise zog M. einem „fremden Störungen ausgesetzten Leben im Menschengewimmel“ vor – hier fand er die Grundlage einer persönlichen Entwicklung, die ihn, wie er sich ausdrückte, „nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch zum Philosophen“ werden ließ. – Sanitätsrat (1849); Verdienstkreuz d. Ernestin. Hausordens (1865).

  • Werke

    Weitere W Die geogr. Verteilung d. Regens auf d. Erde, in: Petermanns Mitt. 1850;
    Die meteorolog. Verhältnisse d. Hochalpen, ebd. 1863;
    Die geogr. Verbreitung d. atmosphär. Electricität, ebd. 1873;
    Das Klima v. Dtld., in: Krit. Bll. f. Forst- u. Jagdwiss. 24, 1857;
    Btrr. z. Geo-Physik u. Klimatographie 1-3, 1863;
    Über d. Wind- u. Regenverhältnisse in Arabien, in: Zs. f. Meteorol. 1, 1866, S. 17-21;
    Über d. Föhnwind, ebd. 2, 1867, S. 385-97;
    Über d. Meteoration in d. Alpen unterhalb d. Schneelinie im Winter u. im Sommer, ebd. 3, 1868, S. 186-91;
    Die Temperaturdifferenz als Ursache d. latitudinalen ocean. Cirkulation, ebd. 9, 1874, S. 279-83;
    Unterss. üb. d. Theorie u. d. allg. geogr. System d. Winde, Ein Btr. z. Begründung e. rationellen Lehre v. d. Luftströmen f. d. Gebrauch d. Klimatol. u. d. Nautik, 1869;
    Über d. Lehre v. d. Meeresströmungen, 1869.

  • Literatur

    G. Hellmann, in: Rep. d. dt. Meteorol., 1883, S. 340;
    Meteorolog. Zs. 5, 1888, S. 410-12;
    Pogg. III, IV;
    BLÄ.

  • Autor/in

    Gustav Hofmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hofmann, Gustav, "Mühry, Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 295-296 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117164658.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA