Lebensdaten
1881 bis 1957
Geburtsort
Zwickau (Sachsen)
Sterbeort
Ahrensburg (Schleswig-Holstein)
Beruf/Funktion
Seeoffizier ; Schriftsteller ; Politiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117147605 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mücke, Hellmuth von

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Mücke, Hellmuth von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117147605.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Curt (1851–86), sächs. Hauptmann. S d. Alexander (1815–83), sächs. Oberlandesgerichtsdir., u. d. Anna Adele v. Querfurth (1822–87);
    M Luise (1854–1940), T d. Heinrich Friedrich Alberti. Großkaufm. in Baltimore (USA), u. d. Luise Charlotte Wehrkamp;
    Bremen 1915 Carry (Carla) (* 1894), T d. Ing. u. Schiffsbaumeisters Thorbjörn Hammeraas aus Norwegen u. d. Anna Rebecca Berry aus Washington, Adoptiv-T d. Kaufm. Karl Finke u. d. Jenny Geyer aus Bremen;
    3 S, 3 T.

  • Leben

    M. trat 1900 in die Kaiserl. Marine ein. Den Ausbruch des 1. Weltkrieges erlebte der Kapitänleutnant als Erster Offizier auf dem Kleinen Kreuzer „Emden“ in Ostasien. 1916 war er Führer der Flußabteilung auf dem Euphrat, 1917 Chef der deutschen Donau-Halbflottille. Nach Kriegsende wurde er als Korvettenkapitän verabschiedet.

    Berühmt wurde M. als Führer des Landungszuges der „Emden“ (3 Offiziere, 44 Mann) nach der Zerstörung der brit. Funkstation auf Direction Island (Cocos-Inseln im Indischen Ozean). Während der Landungszug seinen Auftrag am 9.11.1914 ausführte, wurde die „Emden“ vom austral. Kreuzer „Sydney“ kampfunfähig geschossen. Dem Landungszug war es nicht mehr gelungen, rechtzeitig an Bord zurückzukehren. M. ließ daraufhin den im Hafen der Insel liegenden, nur wenig seetüchtigen brit. Dreimast-Schoner „Ayesha“ besetzen und als deutsches Hilfskriegsschiff in Dienst stellen. Noch am 9. November abends versuchte er mit dem Landungszug an Bord des viel zu kleinen Schiffes dem Gegner und der drohenden Gefangenschaft zu entgehen. Trotz Fehlens genauer Seekarten erreichte er am 27.11. Padang (Sumatra). Am 14.12. stieg die Besatzung auf den größeren deutschen Küstendampfer „Choising“ über, der durch geschickte Nachrichtenübermittlung geordert wurde. Am 8.1.1915 erreichte der Dampfer, der den franz. Überwachungsstreitkräften ausgewichen war, den türk. Hafen Hodeida an der arab. Küste des Roten Meeres. Nach einer abenteuerlichen Odyssee, mehrmals in schwere Gefechte mit aufständischen Beduinen verwickelt, gelangte die Besatzung auf dem Landwege, teilweise auch auf Segelbooten längs der Ostküste des Roten Meeres, am 6.5. nach El Ula und von dort mit der Hedschas-Bahn am 23.5. nach Konstantinopel. Durch die energische und seemännisch-militärisch überaus sachkundige Führung M.s erreichte der Landungszug als einziger Teil des Kreuzergeschwaders die heimatliche Front.

    Nach dem Kriege widmete sich M. der Schriftstellerei und der Politik. Er setzte sich für eine nationale Sammlungsbewegung aller Bevölkerungsschichten ein und trat der Deutschnationalen Volkspartei bei, von der er sich bereits 1919 wieder trennte. Er gründete den Mücke-Bund, der in der Inflationszeit unterging. Ende 1919 trat er der NSDAP bei und wurde auf deren Liste im November 1926 in den sächs. Landtag gewählt. Bereits nach einem Jahr legte er sein Landtagsmandat nieder. Nach den sächs. Wahlen Anfang 1929 richtete er zur Bildung einer gemeinsamen Regierung ein Bündnisangebot an Sozialdemokraten und Kommunisten. Das Angebot wurde von beiden Seiten abgelehnt. Die NSDAP erklärte, daß M. nicht autorisiert gehandelt und die Partei nichts mit diesem Angebot zu tun habe. Hierauf trat er aus der NSDAP aus. Wegen seiner kompromißlosen Haltung geriet der Kriegsheld M., der mit den Verhältnissen der Nachkriegszeit nicht zurechtkam, immer mehr ins politische Abseits. Er zog sich nach Wyk auf Föhr zurück, um von hier aus als Publizist auf die Politik einzuwirken. Von drei geplanten Bänden eines|Werks mit dem Titel „Linie“ erschien 1931 nur der 1. Band über die Revolution, den Nationalsozialismus und das Bürgertum. Darin versuchte M. einen „Rückblick persönlicher und politischer Art auf das letzte Jahrzwölft der Republik“. Ziel seiner politischen Vorstellungen war eine aufrechte patriotische Linie, die er bei den politischen Kräften damals vermißte, die ihn aber wegen seiner leidenschaftlichen Einseitigkeit immer mehr zwischen alle Fronten geraten ließ. In der Zeit des Nationalsozialismus galten seine Ansichten als nationalbolschewistisch und damit staatsfeindlich. Er wurde zeitweise inhaftiert. Seit 1950 betätigte sich M. im Rahmen der kommunistischen Weltfriedenspropaganda und wandte sich gegen eine „Remilitarisierung“ der Bundesrepublik.|

  • Auszeichnungen

    Eisernes Kreuz I. Kl. (1915), Ritterkreuz d. sächs. Militär-St. Heinrichs-Ordens (1915).

  • Werke

    Weitere W Ayesha, Berlin 1915 (P), 21927 (holländ. 1917);
    Emden, 1915 (engl. 1917, holländ. 1917);
    Die Abenteuer d. „Emden“-Mannschaft, 1921;
    Emden-Ayesha, in: Unsere Marine im Weltkrieg 1914-1918, hrsg. v. E. v. Mantey, 1927, S. 95-112;
    Das Schicksal d. Landungszuges S. M. S. „Emden“, in: E. Raeder, Der Kreuzerkrieg in d. ausländ. Gewässern II, 1923, S. 107-21.

  • Literatur

    E. Ludwig. Die Fahrten d. Emden u. d. Ayesha, 1915;
    E. Raeder, Der Kreuzerkrieg in d. ausländ. Gewässern II, 1923;
    R. K. Lochner, Die Kaperfahrten d. Kl. Kreuzers Emden, 1979;
    H. Hildebrand. Die dt. Kriegsschiffe II, 1980;
    G. Koop, Emden, 1983;
    Wi. 1928;
    Rhdb. (P).

  • Autor/in

    Hans-Heinrich Fleischer
  • Empfohlene Zitierweise

    Fleischer, Hans-Heinrich, "Mücke, Hellmuth von" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 262-263 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117147605.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA