Lebensdaten
1795 bis 1865
Geburtsort
Grevenburg bei Höxter
Sterbeort
Grevenburg bei Höxter
Beruf/Funktion
preußischer Berghauptmann ; Bergtechniker ; Geologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117110213 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Oeynhausen, Karl Freiherr von

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Zitierweise

Oeynhausen, Karl Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117110213.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus westfäl. Adelsfam.;
    V Friedrich (1744–96), auf Grevenburg, Nordborchen u. Polhof, hann. Hptm., S d. Moritz (1695–1751) u. d. Maria Spiegel v. Pickelsheim (1706–55);
    M Wilhelmine (1764–1811), T d. Adolf Herbert v. Mengersen;
    1) 1829 Caroline ( 1830), T d. preuß. Oberberghptm. Johann Karl Ludwig Gerhard, 2) 1833 Dorothea (* 1812), T d. Gottlieb Friedrich Achaz v. Kerssenbrock, hann. Drost zu Radolfshausen, u. d. Luise Elisabeth Sophie v. Stockhausen;
    1 S, 5 T aus 2).

  • Leben

    Nach dem bergmännischen Ausbildungsjahr im Mansfelder Kupferschieferbergbau legte O. 1812 in Eisleben die Bergeleven-Prüfung ab, um seit 1813 in Göttingen Naturwissenschaften und Mathematik zu studieren. 1816 begann seine Laufbahn in der preuß. Bergverwaltung zunächst als Referendar in Schlesien, seit 1820 als Bergassessor in Bochum. Weitere Stationen folgten mit der zentralen Bergverwaltung in Berlin sowie den Oberbergämtern Bonn, Dortmund und Halle (Saale). 1831 wurde O. erneut nach Bonn versetzt, bis er zehn Jahre später als Geheimer Bergrat in der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung beim Finanzministerium in Berlin tätig wurde. Seit 1847 war er als Berghauptmann Direktor des Schlesischen Oberbergamtes in Brieg, das drei Jahre später nach Breslau verlegt wurde, um dann von 1855 bis zu seiner Pensionierung 1864 in gleicher Funktion das Oberbergamt in Dortmund zu leiten.

    O.s Interessen waren, wie seine zahlreichen Publikationen zeigen, bemerkenswert breit angelegt. Er betrieb nicht nur (wie viele höhere Bergbeamte zu seiner Zeit) regionale geologische Forschungen, sondern zeigte sich auch technischen Problemlösungen gegenüber aufgeschlossen, z. B. der Einführung von Gleisen für den Transport auf den Gruben, dem Ausbau des Eisenbahnnetzes im Ruhrgebiet und den Bau eines Kanals vom Rhein zur Weser. Studienreisen, die ihn nach Belgien, Frankreich und Großbritannien führten, hatten seinen Horizont erweitert. Der Besuch der Saline in Wimpfen/Neckar regte O. zu Tiefbohrungen für den Aufschluß von Solequellen und Steinsalzvorkommen in Norddeutschland an, mit denen er 1825 bei Rehme/Weser begann und die ihn zeitlebens beschäftigten. Dabei entwickelte er 1834 die später nach ihm benannte Rutsch-Schere, die das Bohrgestänge teilt und dessen Stauchen verhindert und die zusammen mit den Erfindungen anderer Ingenieure die führende Stellung der deutschen Bohrtechnik begründete In Rehme wurden jedoch nur Heilquellen erschlossen, die 1845 zur Gründung des Solbades Neusalzwerk führten, an dessen Einrichtung sich O. persönlich stark engagierte. 1848 wurde das spätere Weltbad durch kgl. Erlaß nach O. benannt.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Berlin 1860); Stern z. Roten Adlerorden 2. Kl. mit Eichenlaub (1864).

  • Werke

    u. a. Ueber d. Effekt d. Wagen auf Schienenwegen bei d. Grubenförderung, in: Karstens Archiv f. Bergbau u. Hüttenwesen 4, 1821, S. 102-25;
    Über d. geolog. Ähnlichkeit d. steinsalzführenden Gebirges in Lothringen u. im südl. Dtld. mit einigen Gegenden auf beiden Ufern d. Weser, ebd. 8, 1824, S. 52-84;
    Versuch e. geognost. Beschreibung v. Oberschlesien, 1822;
    Über d. Steinkohlenbergbau in England, 2 Teile, 1832/33 (mit H. v. Dechen);
    Bemerkungen über d. Anfertigung u. d. Effekt d. aus Hohleisen zusammengesetzten Bohrgestänge, in: Archiv für Mineral., Geognosie, Bergbau u. Hüttenkde. 21, 1847, S. 135-60.

  • Literatur

    ADB 25;
    O. Liesenhoff, K. v. O., 1895;
    Matschoss, Technik, 1925, S. 194;
    W. Serlo, Männer d. Bergbaus, 1937, S. 109 f.;
    W. Arnold, Die Eroberung d. Tiefe, 1975, S. 132 f. (P).

  • Autor/in

    Werner Kroker
  • Empfohlene Zitierweise

    Kroker, Werner, "Oeynhausen, Karl Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 478 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117110213.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Oeynhausen: Karl v. O., königl. preußischer Berghauptmann, ausgezeichneter Bergmann und berühmter Geologe, war als jüngerer Zwillingsbruder des gleichfalls im Bergfache thätigen und durch eine geologische Arbeit bekannten Friedrich v. O. auf dem väterlichen Gute Grevenburg bei Steinheim im damaligen Bisthum Paderborn am 4. Februar 1795 geboren und erhielt im elterlichen Hause eine sehr sorgfältige Erziehung. Schon frühzeitig erwachte in beiden Brüdern auf Ausflügen zu Verwandten nach Eisleben, an den Harz und ins Mansfeldische, wo sie durch die dortigen Bergwerke mächtig angeregt wurden, die Neigung, sich dem Bergfache zu widmen. Nach einem späteren Besuche des Lyceums in Mannheim, dann des Gymnasiums in Stuttgart, wo ihr früherer Hauslehrer als Professor lehrte, gingen die Brüder 1811 nach Eisleben, um während des sog. praktischen Jahres die bergmännischen Arbeiten kennen zu lernen. Sie bestanden dann 1812 ihr Examen als Bergeleven und bezogen 1813 die Universität Göttingen, wo sie namentlich unter Hausmann, Blumenbach, Stromeier und Gauß sich den naturwissenschaftlich-mathematischen Studien widmeten. Nach kurzer Unterbrechung durch militärische Dienstleistungen vollendeten sie ihre begonnenen Studien in Göttingen. Karl v. O. wurde sodann 1816 dem schlesischen Oberbergamte zu Brieg zur weiteren Ausbildung zugewiesen und 1817 zum Bergreferendarius ernannt. Er machte sich hier in größtem Eifer mit dem Steinkohlenbergbau von Waldenburg und dem Zinkbergbau von Tarnowitz sehr genau bekannt, besuchte die benachbarten polnischen Steinkohlenwerke und das berühmte Salzwerk Wieliczka, beschäftigte sich aber überdies auch sehr fleißig mit geologischen Aufnahmen und Untersuchungen in Oberschlesien. Seine erste Publication war eine technische Abhandlung über den Effect der Wagen auf Schienenwegen (Karsten's Arch. IV, 1. Folge). Nachdem O. 1820 das Bergassessorexamen wohlbestanden hatte, erhielt er eine Verwendung in Bochum, wo er sich ganz besonders eingehend mit dem Bergbau und mit der Administration beschäftigte. Mehrere Aufsätze bergtechnischen Inhalts wie „Ueber das bei dem Märkischen Steinkohlenbergbau gebräuchliche Gezählt", „Ueber die Bestimmung des Capitalwerthes von Steinkohlenzechen“, „Ueber Fürdermethoden auf den Steinkohlengruben im Märkischen“ fanden Aufnahme|in Karsten's Archiv für Berg- und Hüttenwesen (Bd. VII). Auch besorgte O. die Ausarbeitung der früher in Schlesien gemachten geognostischen Beobachtungen, welche er unter dem Titel: „Versuch einer geognostischen Beschreibung von Oberschlesien“ nebst Karte 1822 erscheinen ließ. Die Beschäftigung mit dem Steinkohlenbergbau an der Ruhr hatte in O. den Wunsch erzeugt, des Vergleiches wegen auch die großartigen Veranstaltungen der Steinkohlenbergwerke bei Aachen und in Belgien kennen zu lernen. Dieser Wunsch wurde 1822 durch die dienstliche Ermächtigung zu einer Instructionsreise erfüllt. O. war auf diesen Reisen von dem damaligen Bergeleven H. v. Dechen, dem gegenwärtigen Nestor deutscher Geologen, begleitet und blieb fortan mit diesem durch gemeinschaftliche Arbeiten und Verwandtschaftsverhältnisse in innigster Freundschaft verbunden. Auf dieser Reise wurden zunächst die Eifel, dann die Kohlenbergbaue bei Aachen, in Belgien und in Nordfrankreich und auch Paris besucht, um hier für den zweiten Theil der Reise nach den Salinenbezirken von Lothringen, Württemberg und Baden sich vorzubereiten, wobei der damals in Paris sich aufhaltende A. v. Humboldt die Reisenden durch Empfehlungen förderlichst unterstützte. In Saarbrücken gesellte sich der Referendarius v. Roche als Dritter zu den beiden Forschern, welche nun der Reihe nach die Salinen in Lothringen besuchten und, um sich über die Lagerungsverhältnisse des Steinsalzvorkommens zu orientiren, ausgedehnte geologische Untersuchungen am Fuße der Vogesen bis Basel anstellten. Sodann wurden die Studien auf den rechtsrheinischen Salinen, namentlich in Dürrheim und Wimpfen, fortgesetzt und die geologischen Untersuchungen bis in den Thüringer Wald ausgedehnt. Nach Berlin zurückgekehrt, erstattete O. 1823 einen eingehenden Reisebericht, mit Vorschlägen behufs Vornahme von Tiefbohrungen auf Steinsalz in Norddeutschland. Ein Theil dieses Berichtes gelangte in Karsten's Archiv (VIII, 52) zur Publication. Außerdem erschienen nach und nach mehrfache Mittheilungen über die Ergebnisse dieser Reise, wie: „Barometrisches Nivellement während meiner geognostischen Reise durch Lothringen. Elsaß. Baden und Württemberg im Jahre 1823“ (Hertha I, 1825) und gemeinschaftlich mit v. Dechen und v. Roche „Geognostische Umrisse der Rheinlande zwischen Basel und Mainz mit geognostischer Karte der Rheinlande“ (1825), auf welcher die zuerst von L. v. Buch als Keuper bezeichnete obere Abtheilung der Trias zur Darstellung gebracht wurde. Meist in Karstens Archiv abgedruckt finden sich weiter: „Benützung der Hochofengichtflamme zum Kalkbrennen“, „Der Bleiglanzbergbau von Commern“, „Der Steinkohlenbergbau in Belgien und Nordfrankreich“, „Die Dachschieferbrüche von Fumay und Château Salm“, „Die Gewinnung des Alauns bei Lüttich“. „Die Steinbrüche bei Falkenberg und Mastricht“, „Die Marmorbrüche in Belgien". „Die Feuersteinbrüche zu Nouvelle“. Dazu kommen in Nöggerath's Rheinland-Westphalen: „Allgem. Bemerkungen über Galmei-, Eisenstein- und Bleierzformation in der Gegend von Aachen“ und in Hertha (Bd. II—XIII): „Geognostische Beobachtungen über das Schiefergebirge in den Niederlanden und am Niederrhein“ mit geognostischer Karte. Seit 1824 zum Oberbergamtassessor befördert, wurde O. nunmehr beauftragt, um die für eine Bohrung nach Steinsalz günstigste Stelle zu ermitteln, erst in der Wesergegend Untersuchungen anzustellen, dann Pommern (1826) geognostisch zu untersuchen, worüber eine Beschreibung (Karsten's Archiv XIV) erschienen ist. Zur näheren Belehrung besuchte O. 1826 in Begleitung seines Freundes v. Dechen nunmehr auch England und Schottland und machte hier eingehende bergtechnische und geognostische Studien. Auch über diese Reise erstattete O. mehrfache veröffentlichte Berichte, wie: „Effect der Dampfmaschinen zur Wasserhaltung auf den Kupfer- und Zinngruben Cornwall“, „Vorkommen und|Gewinnung von Stein- und Kochsalz in England“, „Ueber Schienenwege“ (Karsten's Archiv XIX), „Der Tunnel unter der Themse in London" (Verhandl. d. Gewerbevereins VII), „Die Kettenbrücke von Menaistreet“, „Die gußeiserne Drehbrücke von Banarie“ (das. VII—IX). Eine besonders wichtige Abhandlung, „Der Steinkohlenbergbau in England“ (Karsten's Archiv V, VI neue Folge) und „Geognostische Beobachtungen über mehrere englische Gebiete“ (das. I und II), stammen gleichfalls aus dieser Zeit. 1828 zur Dienstleistung erst auf kurze Zeit nach Bonn und dann nach Dortmund berufen, wurde O. 1827 zum Oberbergrath ernannt und 1830 nach Halle beordert. In dieser Zeit beschäftigte ihn insbesondere der unter seiner Leitung 1830 begonnene Bohrversuch auf Steinsalz bei Nehme, auch nachdem er 1831 wieder nach Bonn versetzt worden war. Bei dieser Bohrarbeit führte O. mehrfache wesentliche Verbesserungen der Bohrapparate ein (Karsten's Archiv XXI) und erreichte auf diese Weise eine Bohrlochtiefe von 2220 Fuß, ohne aber, wie gehofft wurde, Steinsalz zu finden. Dafür entschädigte aber eine erbohrte warme Salzquelle, welche zur Errichtung eines Bades benutzt wurde. Dieses Bad erhielt O. zu Ehren den Namen Bad Oeynhausen. Von Bonn aus begann O. eine genaue geognostische Durchforschung der Umgegend des Laacher Sees und lieferte später eine geognostische Karte dieser Gegend in 8 Blättern, nachdem er bereits seit 1841 als geheimer Bergrath zur Dienstleistung ins Ministerium nach Berlin berufen worden war. Hier rückte er 1845 zum geheimen Oberbergrath und 1847 zum Berghauptmann vor und wurde als solcher zur Direction des schlesischen Oberbergamtes in Brieg (seit 1850 nach Breslau verlegt) berufen. In dieser Stellung widmete er seine Thätigkeit besonders der Förderung des schlesischen Steinkohlen- und Galmeibergbaus und nahm vielfach an legislatorischen Arbeiten Theil. Bereits 1855 kehrte O. als Vorstand des Oberbergamts wieder nach Dortmund in die Nähe seiner Heimath zurück, wo er sich namentlich des Steinkohlenbergbaus lebhaft annahm. Schon seit 1852 kränkelnd, ließ er sich 1864 in den Ruhestand versetzen und zog sich auf das Familiengut Grevenburg zurück. Bei seiner Außerdienststellung wurde er in Anerkennung seiner großen Verdienste mit der Verleihung des Sterns zum Rothen Adlerorden II. Cl. mit Eichenlaub geehrt. Nur wenige Monate war jedoch dem allgemein geachteten Manne gegönnt, sich seiner Muße zu erfreuen, indem er am 1. Februar 1865 einem asthmatischen Leiden erlag. O. zeichnete sich als Beamter durch seine tiefe, allseitige Fachkenntniß und ein seltenes Geschick, sie auch praktisch zu verwerthen, durch unermüdliche Thätigkeit und strenge Pflichterfüllung, als Gelehrter durch seine scharfe Beobachtungsgabe und rasche Orientirung auf dem Gebiete der Geologie in gleicher Weise aus. Seine zahlreichen bergtechnischen und geologischen Publicationen liefern nur einen schwachen Beweis von dem umfassenden Wissen und Können dieses Mannes.

    • Literatur

      Zur Erinnerung an C. v. Oeynhausen, Essen.

  • Autor/in

    v. Gümbel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Gümbel, Wilhelm von, "Oeynhausen, Karl Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 25 (1887), S. 31-33 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117110213.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA