Lebensdaten
1869 bis 1937
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Geigenbauer
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 117080462 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Möckel, Otto

Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Möckel, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117080462.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Oswald (1843–1912) aus Carlsfeld (Schlesien), Geigenbauer, eröffnete 1869 e. Werkstatt u. später e. Filiale in B.: M Anna Keller;
    B Max (1873–1937), Geigenbauer, machte sich 1899 in St. Petersburg selbständig, seit 1912 Schriftführer d. Verbands Dt. Geigenbauer (s. W, L) – Moskau 1897 Emilie (1869–1929), Pianistin, T d. Theodor Juon (1842–1912), Dir. e. Feuerversicherungs-Ges., u. d. Emilie Gottwalt (1845–1932); Schwager Paul Juon (1872–1940), Komponist (s. NDB X);
    2 T Vally (1898–1973, Fritz Tennigkeit, 1892–1949, Musiker u. Maler, s. P; ThB), Else (1901–76), Porzellanmalerin in B.

  • Leben

    M. wurde nach vier Lehrjahren bei seinem Vater und eineinhalb Jahren bei Richard Brückner in London 1891 Werkführer in der väterlichen Werkstatt. 1906 machte er sich selbständig und zog 1908 nach Dresden. Der Tod des Vaters veranlaßte ihn 1912 zur Rückkehr nach Berlin, wo er sich mit einem Atelier niederließ, zuerst in der Rankestraße, dann in der Ansbacher Straße. Seine letzte Werkstatt befand sich wieder in der Rankestraße und wurde von seinem Mitarbeiter und Nachfolger Curt Jung bis zum Mauerbau 1961 weitergeführt. M.s Arbeit war verbunden mit ständigen Forschungen und insbesondere mit Untersuchungen alter ital. Meisterinstrumente. Der sehr verbreiteten Geheimniskrämerei um die Cremoneser Geigen setzte er ihr gründliches Studium entgegen, um zu gleichwertigen Instrumenten zu kommen. Von besonderer Bedeutung war dabei die von ihm erstmalig angewandte Darstellung der Wölbungen von Decke und Boden durch Isohypsen, also Verbindungslinien gleicher Höhen. Mit diesen Kurven hat M. für die Ausarbeitung der wichtigsten Teile im Streichinstrumentenbau eine Orientierungsgrundlage geschaffen, die weltweit Anerkennung gefunden hat.

    Die Ergebnisse seiner Studien, über 700 Handzeichnungen und umfangreiches photographisches Material, das zu späterer Veröffentlichung bestimmt war, gingen gegen Ende des 2. Weltkriegs in Schlesien verloren. Mit der Anlage dieses Archivs wollte M. seine Erkenntnisse und Erfahrungen im Geigenbau weitergeben, denn er sah auch in der Lehre eine wichtige Aufgabe. Mit der Neubearbeitung des 1892 von P. O. Apian-Bennewitz verfaßten Werkes über Geige und Geigenbau war er 1920 erstmals in dieser Richtung hervorgetreten. Es folgten zwei Jahrgänge (1925/26, 1926/27) und vier Einzelhefte (1928/29) der von ihm selbst verlegten Monatsschrift „Die Geige und verwandte Instrumente“ mit zahlreichen eigenen Beiträgen, darunter auch über „Ein neues Verfahren, die Wölbungen alter und neuer Streichinstrumente graphisch festzuhalten.“ Mit seinem 1930 erschienenen Buch „Die Kunst des Geigenbaues“ hat M. das Standardwerk für den deutschen Geigenbau geschaffen, das seit 1954 zahlreiche, von Fritz Winckel neubearbeitete und durch ein ausführliches Kapitel über „Akustik der Geige“ ergänzte Auflagen erlebt hat.

    Die Zahl der von M. gebauten Streichinstrumente wird auf 500-600 geschätzt. Durch die praktische Anwendung seiner Studien gelangte er zu einem sich an die ital. Meisterinstrumente anlehnenden eigenen Modell, dessen klangliche Qualität hoch geschätzt wurde. Namhafte Künstler spielten seine Instrumente, Georg Kulenkampff zog zum Konzertieren seine Otto-Möckel-Geige oft seiner Stradivari vor. In den 20er Jahren war M. vom preuß. Kultusministerium in eine Sachverständigen-Kommission bei der Sammlung alter Musikinstrumente an der Hochschule für Musik berufen und 1931 mit der Untersuchung und Begutachtung der Streichquartettinstrumente aus dem Besitz Beethovens beauftragt worden. In M.s Atelier verkehrten viele Musiker und Musikfreunde. M. hatte als Freimaurer in seinen letzten Lebensjahren unter den Nationalsozialisten mehrfach Ungelegenheiten.

  • Werke

    Weitere W A. Fuchs, Taxe d. Streich-Instrumente, 1907, Neubearb. 41929. – Zu Max: Das Konstruktionsgeheimnis d. alten ital. Meister, Der goldene Schnitt im Geigenbau, 1925, 21927;
    Die Kunst d. Messung im Geigenbau, 1935.

  • Literatur

    W. L. Frhr. v. Lütgendorff, Die Geigen- u. Lautenmacher v. MA bis z. Gegenwart, 1904, 3/41922, Ergänzungsbd. v. Th. Drescher, 1990;
    R. Vannes, Dictionnaire Universel des Luthiers, 21951, (fehlerhaft, korrekturen in II, 1959);
    M. Elste, Berlin als e. Zentrum d. Großstadtgeigenbaus, in: Handwerk im|Dienste d. Musik, 1987 (P). - Zu Max: Reichsinnungsverband d. Musikinstrumentenmacher-Handwerks, A. Sprinz, M. M., in: Zs. f. Instrumentenbau 57, 1937, Nr. 14, S. 221 f.;
    ders., in: Dt. Instrumentenbau-Ztg. 38, 1937, Nr. 4, S. 114;
    Rhdb.

  • Portraits

    Gem. v. F. Tennigkeit, 1921 (davon auch verkleinerte Lith.), 1930;
    Handzeichnung v. dems., 1936 (alle Berlin, Staatl. Inst. f. Musikforschung Preuß. Kulturbes., Musikinstrumenten-Mus).

  • Autor/in

    Alfred Berner
  • Empfohlene Zitierweise

    Berner, Alfred, "Möckel, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 610 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117080462.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA