Lebensdaten
1838 bis 1915
Geburtsort
Zwickau
Sterbeort
Doberan (Mecklenburg)
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11708042X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Möckel, Gotthilf Ludwig

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Zitierweise

Möckel, Gotthilf Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11708042X.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gotthilf Heinrich ( 1847), Kupferschmiedemeister in Z.;
    M Caroline Blume, Wwe d. August Gottfried Teil in Thoßfell b. Plauen;
    Zwickau 1865 Emilie (1844–1926), T d. Carl Schlegel (1817–90), Seifensiedermeister, Senator in Göttingen, u. d. Caroline Josephine Arnold;
    5 S, 2 T, u. a. Johannes (* 1868), Erich (1871–1926), Reg.baurat, beide Architekten.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Bürgerschule in seiner Heimatstadt und der Gewerbeschule in Chemnitz absolvierte M. 1853-56 eine Maurerlehre. Daneben bildete er sich in der Sonntagsschule und in der Baugewerkenschule in Chemnitz fort. Seit 1858 war er als Zeichner, Konstrukteur und Bauleiter für verschiedene Firmen tätig, seit 1860 für das Architekturbüro Edwin Opplers in Hannover. Am dortigen Polytechnikum nahm er als Gasthörer an Vorlesungen und praktischen Übungen bei Konrad Wilhelm Hase, Ludwig Debo und Wilhelm Lüer teil. Nachhaltig wurde er von der hannoverschen Schule geprägt, die sich zwar an der Gotik orientierte, sich aber um schöpferische Originalität sowie um Werk- und Materialgerechtigkeit bemühte. 1862 wurde M. Mitarbeiter von Julius Rasch beim Bau der Psychiatrischen Klinik in Göttingen. Seit 1866 arbeitete er als selbständiger Bauhandwerker und Architekt in seiner Heimatstadt, die infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs ein rasches Bevölkerungswachstum erlebte. Durch eine Reihe von Wohnhäusern und Villen – neugotische Backsteinbauten in klarer Gliederung – setzte M. in den folgenden Jahren neue Akzente im Stadtbild. Dank wohn- und familiengerechter Grundrisse im sozialen Wohnungsbau leistete er einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Wohnqualität. Die von ihm im Villenbau gelegentlich verwendete zweigeschossige zentrale Wohnhalle erwies sich als besonders zukunftsträchtig. Überregional bekannt wurde M. indes als Kirchenbaumeister. 1872-76 errichtete er in Zwickau-Planitz die Lukaskirche, 1874-78 in Dresden die Johanneskirche (im 2. Weltkrieg zerstört), 1880-84 in Leipzig-Reudnitz die Markuskirche (während des DDR-Regimes abgerissen), 1892-94 in Berlin-Friedrichshain die Samariterkirche und 1895-1900 in Hainichen die Trinitatiskirche. Der Dresdner Auftrag veranlaßte M., 1875 in die sächs. Hauptstadt zu übersiedeln, wo in der Tradition Gottfried Sempers die Neurenaissance blühte. Bei der Johanneskirche handelte es sich nicht nur um den ersten prot. Kirchenneubau des 19. Jh. in Dresden, sondern auch um den ersten im neugotischen Stil. M. errichtete nach dem Vorbild von Chartres und Laon, von Bamberg und Naumburg ein sakrales Bauwerk, das seinerseits mehrfach nachgeahmt wurde. Es gilt innerhalb von M.s Lebenswerk, das immerhin 86 Kirchenentwürfe, -bauten und -umbauten umfaßt, als seine bedeutendste Leistung im sakralen Bereich, wobei die Tendenz zum zentralisierten Predigtraum auffällt. Gerühmt wurde seine Kreuzbogenkonstruktion, ohne Zwischenpfeiler große Räume relativ flach zu überwölben. Die Restaurierung der Klosterkirche in Doberan 1882-1900 – leider im puristischen Sinne durchgeführt – wurde für M. zu einem Herzensanliegen, konnte er doch an die Tradition der meckl. Backsteingotik anknüpfen; 1964 begann man, Fehler der damaligen Restaurierung wieder rückgängig zu machen.

    Mit dem Umzug 1885 nach Doberan verlegte M. den Schwerpunkt seiner Wirksamkeit nach Mecklenburg. Nachdem er bereits 1880 die Schlösser von Wohla, Grätz und Klemzig sowie 1882-84 jenes von Schönfeld umgebaut bzw. erweitert hatte, übernahm er 1885 den Bau des ghzgl. Jagdschlosses Gelbensande bei Rostock und 1888 den der Schlösser Melkow bei Hagenow und Preyl bei Königsberg. Besonders charakteristisch für M.s Baustil sind das Gymnasium in Doberan (1887–89), das Ständehaus in Rostock (1888–93) und das Blindenheim in Königs Wusterhausen (1899–1901). Zu seiner Zeit der bekannteste Architekt in Mecklenburg-Schwerin, vertrat er 1891 das Großherzogtum auf der Berliner Kunstausstellung. 1889 wurde er zum Baurat für Kirchenbausachen und zum technischen Beirat des Oberkirchenrats berufen, 1897 zum Geh. Baurat und 1900 zum Geh. Hofbaurat ernannt. M.s Doberaner Haus ging 1926 in das Eigentum der Stadt über und beherbergt seit 1983 das Stadtmuseum.

    M., dem es stets um die Einheit von Ästhetischem, Technisch-Konstruktivem und Funktionellem ging, war in erster Linie Pragmatiker. In seinem an der norddeutschen Backsteingotik orientierten Stil leugnete er nie seine Herkunft aus der hannoverschen Schule um Konrad Wilhelm Hase (1818–1902), mit dem ihn eine enge Freundschaft verband.|

  • Auszeichnungen

    Ritterkreuz I. Kl. d. sächs. Albrechts-Ordens (1878) u. d. (meckl.) Greifenordens (1887); Roter Adlerorden III. Kl. (1901); Ritterkreuz (1900) u. Komturkreuz d. Wend. Krone (1915); Ehrenmitgl. d. Ak. d. Bildenden Künste Dresden (1881); Ghzgl. meckl. Gr. Goldene Medaille d. Wiss. u. Künste (1893); Ehrenbürger v. Doberan.

  • Schriften

    Schrr. Bade- u. Heil-Anstalt d. Dr. Schlobig in Zwickau, in: Dt. Bauztg. 8, 1874, S. 113 ff.; Das Ghzgl. Gymnasium Friderico Francisceum zu Doberan in Mecklenburg, ebd. 27, 1893, S. 33-37; Kurze Mitt. üb. d. im Bau begriffene neue prot. Kirche in d. Pirnaischen Vorstadt in Dresden, in: Protokolle d. Sächs. Ingenieur- u. Architekten-Ver., 1876, Anhang V, S. 113 ff.; Herrenhaus d. Rittergutsbes. G. Ebert auf Klösterlein im Erzgebirge, in: Zs. d. Architekten- u. Ingenieur-Ver. zu Hannover 24, 1878, S. 21 ff.; Ausgeführte u. projectierte Kirchen, Villen u. Wohnhäuser, 1880; Die Johannes-Kirche zu Dresden, 1882.

  • Literatur

    C. Gurlitt, Jagdhaus Gelbensande, in: Centralbl. d. Bauverw. 12, 1892, S. 253 f.;
    Pries, ebd. 35, 1915, S. 632;
    Das geistige Dtld. am Ende d. 19. Jh., 1898;
    A. Hofmann, in: Dt. Bauztg. 49, 1915, S. 546 f.;
    P. Klopfer, G. L. M. (1838-1915), d. Baumeister d. Zwickauer Neugotik, in: Zwickauer Pulsschlag, 1957, H. 1, S. 11 ff.;
    K.-H. Barth, G. L. M. – Leben u. Werk, Ein Btr. z. Gesch. d. dt. Architektur d. 19. Jh., Diss. Halle 1983 (W, L, P);
    ders. u. D. Dolgner, G. L. M. 1838-1915, in: A. Behr (Hrsg.), Große Baumeister, 1990, S. 190-249 (L, P);
    K. Havemann, Besuch im Möckel-Haus, in: Norddt. Leuchtturm v. 8.4.1988 (P);
    ThB.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Möckel, Gotthilf Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 608-610 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11708042X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA