Lebensdaten
1806 bis 1848
Geburtsort
Mainz
Sterbeort
Mainz
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117036013 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lindenschmit, Wilhelm
  • Lindenschmit, Ludwig
  • Lindenschmit, Wilhelm, der Ältere
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Zitierweise

Lindenschmit, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117036013.html [12.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Ludwig (s. 1);
    - 1829 Johanna (1809–79), T d. Petrus Rainprechter in München u. d. Katharina Stiglmayer;
    K, u. a. Wilhelm (s. 3), Walburga ( Valentin Barth, Bildhauer in M.).

  • Leben

    Am Mainzer Gymnasium erhielt L. Kunstunterricht bei G. Ch. Braun, dem späteren Kunstvereinspräsidenten; von Bedeutung war auch das Vorbild des Vaters, der in Mainz röm. und mittelalterliche Bauten und Skulpturen aufnahm und nachstach. Nach einem ersten Aufenthalt an der Münchener Akademie 1823/24 ging L. im Frühjahr 1824 mit seinem Bruder Ludwig nach Wien, wo er Moritz v. Schwind kennenlernte, kehrte im Aug. 1825 nach München zurück und studierte bei Cornelius mit einem großhzgl.-hess. Stipendium. Zwischen 1825 und 1829 unternahm er mehrere Studienreisen in die Alpen und war in den folgenden Jahren in München mit größeren Wandbildaufträgen unter der Leitung von Cornelius sowie seit 1835 in Schloß Hohenschwangau beschäftigt. Seit 1841 arbeitete er für Hzg. Bernhard II. von Sachsen-Meiningen auf Schloß Landsberg als Hofmaler und als Zeichenlehrer des Erbprinzen. 1845 kehrte L. nach Mainz zurück.

    Unter den heute noch nachweisbaren wenigen Gemälden L.s zählt der „Tod des Götz“ (1824/25, Mittelrhein. Landesmus. Mainz), in glattlasierender Malweise und leuchtender Lokalfarbigkeit, zu den frühesten. Eine bemerkenswerte Entwicklung erfährt L.s Zeichenstil in diesen Jahren. Zum Teil aquarellierte Landschaftsskizzen stehen noch in der Tradition der mittelrhein. Landschaftsmalerei um 1800 (Caspar u. Georg Schneider). Illustrationen in einem Exemplar des Nibelungenliedes (um 1824, Stadtbibl. Mainz) verraten dann einen entwickelteren Duktus, der in ausgezeichneten Bildnisstudien der Jahre 1825-30 kulminiert. Sein malerisches Hauptwerk war das Fresko an der Nordseite der St. Margarethenkirche zu München-Sendling (1830/31) „Die Schlacht bayer. Bauern gegen die Österreicher Weihnachten 1705“ (sog. Mordweihnacht, 1895 von seinem Sohn Wilhelm abgenommen u. neu gemalt). Das Werk gilt als frühes Beispiel realistischer Historienmalerei; erhalten sind nur noch fünf Skizzen und Studien zu dem Fresko (Privatbes. u. Mittelrhein. Landesmus. Mainz). Um 1832 führte L. zusammen mit Philipp Foltz im Schreibkabinett der Königin in der Münchener Residenz Wandbilder nach Dichtungen Schillers aus (einige zerstört). Zu dem Einfluß von Cornelius tritt hier wie auch in einigen späteren Gemälden derjenige Schnorr v. Carolsfelds. 1835/36 und 1838 ist L. mit der Ausmalung von vier Räumen in Schloß Hohenschwangau beschäftigt, wobei hier wie in den 8 Wandbildern in Schloß Landsberg (1841–46) ein für die Corneliusschule charakteristischer Eklektizismus zu erkennen ist. Im Porträtfach vermag L. hingegen auch mit späteren Gemälden zu überzeugen (Selbstbildnis mit Familie, um 1836, Privatbesitz). – In seinen letzten Lebensjahren widmete sich L. mit seinem Bruder Ludwig verstärkt der Archäologie, die ihm aber nicht Selbstzweck war, sondern durch historische Bewußtseinsbildung der politischen Zukunft Deutschlands dienen sollte.

  • Werke

    Weitere W u. a. Heimkehrender Ritter vor Felsenburg, um 1825 (Mainz, Mittelrhein. Landesmus.);
    Sieg Ludwigs d. Reichen b. Giengen 1462, 1828 (mit B Ludwig, München, Hofgartenarkaden);
    Dem Italikus werden v. s. Jagdgefolge Hügelgräber gezeigt, vor 1839 (Mainz, Mittelrhein. Landesmus.);
    Tod Luitpolds v. Bayern in d. Ungarnschlacht b. Preßburg 907, vor 1846 (ebd.);
    Einzug Ottos d. Gr. in Augsburg nach d. Schlacht auf d. Lechfeld 935, vor 1846 (ebd.);
    Melancholie (ebd.);
    Die Hermannsschlacht im Teutoburger Wald, 1839 (Karlsruhe, Staatl. Kunsthalle);
    Hermann als Sieger (Leipzig, Mus. d. bild. Künste);
    Mittelalterl. Turnierszene (Frankfurt, Privatbes.);
    Porträts d. Töchter Caroline, Walburga u. Josepha, um 1846 (ebd.);
    Hist. Szene aus d. 30j. Krieg (Mannheim, Kunsthalle);
    Aquarelle u. Zeichnungen sowie Mappe mit Mss. (Mainz, Mittelrhein. Landesmus.);
    weitere Zeichnungen in d. Staatl. Graph. Slg., im Stadtmus. u. im Lenbachhaus München sowie im German. Nat.mus. Nürnberg. - Schriften:
    Die Räthsel d. Vorwelt, od.: Sind d. Deutschen eingewandert? 1846 (mit Ill.);
    Das German. Todtenlager b. Selzen in d. Prov. Rheinhessen, 1848 (mit B Ludwig).

  • Literatur

    ADB 18;
    B. Trost, Domenico Quaglio, 1973;
    W. Mittlmeier, Die Neue Pinakothek in München 1843–54, 1977;
    H. Ludwig, Münchener Malerei im 19. Jh., 1978 (P);
    H. Kreisel, Hohenschwangau, 91981;
    ThB (L);
    N. Sohr, in: Mainzer Zs. 79, 1984. -
    Eigene Archivstud.

  • Portraits

    Selbstbildnis (Öl), um 1824 (München, Neue Pinakothek), Abb. b. Ludwig, s. L, Tafel 61;
    Selbstbildnis auf d. Wanderschaft (Aquarell), 1825 (Mainz, Mittelrhein. Landesmus.), Abb. in: Altbayer. Mschr. 6, 1906, S. 54.

  • Autor/in

    Norbert Suhr
  • Empfohlene Zitierweise

    Suhr, Norbert, "Lindenschmit, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 599 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117036013.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lindenschmit: Wilhelm L., Historienmaler, geb. 1806 zu Mainz, erhielt von seinem Vater, dem Münzgraveur Johann L., eine gute, künstlerische Erziehung, kam 1823 zur weiteren Ausbildung nach München und bald darauf nach Wien, wo er an der Akademie und besonders im Belvedere studirte und vielfach sich mit historischen Compositionen versuchte; so entstand eine Zeichnung mit „Berlichingen's Tod“ und „Andreas Baumkircher vertheidigt für Kaiser Friedrich III. Brücke und Thor der Wiener Neustadt.“ Nach kurzem Aufenthalt in Mainz ging er mit Cornelius wieder nach München, wo er zwei Tuschzeichnungen vollendete: „Tod des Mainzer Stadthauptmanns Fust“ (1460) und „Frauenlob's Begräbniß“ (im Museum zu Darmstadt). Dann betheiligte er sich an dem Freskencyclus in den Arkaden mit dem „Sieg Ludwig des Reichen über Albrecht Achill von Brandenburg bei Gingen“ und verewigte darauf an der Außenseite der Kirche zu Sendling die Heldentreue der baierischen Bauern, die hier in der sogenannten Mordweihnacht des J. 1705 im Kampfe gegen die Oesterreicher fielen. Es war ein edelmüthiges patriotisches Opfer, welches L. der Gemeinde von Sendling (er hatte sich in einem hübsch gelegenen Hause, welches lange noch das „Lindenschmit-Schlößchen“ hieß, niedergelassen) brachte, denn er|malte das große Freskobild ohne Entgelt, wobei die Gemeinde nur die Auslagen für Mauer und Schutzdach zu tragen hatte. Auch schrieb L. zur Feier der Enthüllung 1830 eine würdevolle Schilderung des hier dargestellten Ereignisses, welche, mit schlichten, charakteristischen Illustrationen in Lithographie ausgestattet, unter dem Titel „Geschichte der Sendlinger Schlacht“ 1830 im Druck erschien. Das nach Farbe und Composttion gleich ausgezeichnete Werk (in Steindruck von Fr. Hohe, in Stahlstich von L. Daut in Nürnberg, neuestens im photographischen Lichtdruck von Obernetter 1880) genoß bald eine weitverbreitete, volksthümliche Berühmtheit und die nach München kommenden Fremden versäumten es gewiß nie, dem zu einer Art Wahrzeichen gewordenen Bilde ihren Besuch abzustatten. (Die seither etwas schadhaft gewordene Freske wurde durch den Sohn des Künstlers, Professor W. L., restaurirt und aus Anlaß des 700jährigen Bestandes der Wittelsbacher Dynastie in feierlichster Weise inaugurirt.) Danach nahm L. Theil an den Arbeiten im neuen Königsbau, wo er sich mit Philipp Foltz in die Ausgabe theilte, das Schreibzimmer der Königin mit Fresken nach Schiller's Dichtungen zu schmücken. Auch zwei Bilder in den Loggien der Neuen Pinakothek (Scenen aus Lionardo's Leben) sind von L., welcher bald darauf in vier Zimmern zu Hohenschwangau zahlreiche Bilder aus der Geschichte der Schyren, Welfen und Staufer ausführte. Nach Vollendung dieser umfangreichen Arbeiten kehrte L. zur Staffelei zurück, malte ein lebensgroßes Bild seiner Familie, griff dann aber wieder nach historischen Stoffen und schilderte den „Kampf der Cimberischen Weiber gegen die Römer“, die „Heldenthat des Herzogs Erich von Braunschweig, welcher in der Schlacht dem Kaiser Max 1504 das Leben rettet“ (Kunstverein in Hannover), die „Schlacht des Arminius“ (1839) und „Altgermanische Jäger um einen Hügel gelagert“. Nach Meiningen berufen, schuf L. im herzoglichen Schlosse Landsberg einen Freskencyclus aus der Geschichte der Wettiner, kehrte sodann nach seiner Vaterstadt zurück, wo er jedoch schon am 12. März 1848 starb. L. war voll Begeisterung für deutsche Vorzeit und Geschichte; er besaß ein großes dramatisches Gefühl für die Architektonik der Composition, gesunden Sinn für Wahrheit und besondere Vorliebe für ritterliche Kraft. „Jede weichliche, sentimentale oder gar gemachte Empfindung war ihm fremd und zuwider; ihn freute nur die energische That.“ Seine Zeitgenossen rühmten seine Kenntniß des Costüms. Zeitweise griff er auch zur Feder, um seinen patriotischen Ideen Ausdruck zu geben, so mit einem „Offenen Sendschreiben an Alfred de Musset“ (1840) gegen die französischen Kriegsdrohungen. Auch in gebundener Rede versuchte er sich (vgl. Franz Trautmann's Schwanthaler-Reliquien, 1858). Außerdem erschienen die historischen Abhandlungen: „Die Räthsel der Vorwelt“ (Mainz 1846, mit Illustrationen und Karten), worin er die Einwanderungsfrage der Deutschen beleuchtete, und eine gegen H. Schreiber gerichtete Streitschrift „Ueber die sogenannten Streitmeißel“ (Mainz 1846). Gemeinsam mit seinem, nachmals als deutschen Alterthumsforscher so bekannten Bruder Ludwig L. beschrieb er „Das germanische Todtenlager bei Selzen in der Provinz Rheinhessen“ (Mainz 1848). Ein Versuch zur Reorganisirung der damals noch monströsen Uniformirung der Heere und ein zur Zeit Kaiser Heinrich I. spielender Roman blieben ungedruckt. Sein Porträt zeichnete E. Neureuther im Costüm des Andreas v. Sonnenberg (beim Albrecht Dürer-Fest 1840 in München), ferner Heinrich Kohler (Lithographie) und M. v. Schwind, welcher in seinem reizenden Märchen vom „Aschenbrödel“ den treuen L. im Gefolge dieser endlich belohnten Dulderin erscheinen läßt und durch Namensinschrift besonders hervorhob.

    • Literatur

      Vgl. Raczynski I. 63, II. 285 ff. Muffat, Beschr. von Hohenschwangau, 1837. Nagler 1839, VII. 535. E. Förster, Gesch. der deutsch. Kunst, 1860, V. 82 f. Seubert 1878, II. 458.

  • Autor/in

    Hyac. Holland.
  • Empfohlene Zitierweise

    Holland, Hyacinth, "Lindenschmit, Wilhelm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 695-696 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117036013.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA