Lebensdaten
1862 bis 1943
Geburtsort
Porto Alegre (Brasilien)
Sterbeort
Bad Harzburg
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 117035564 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schuster, A. (Pseudonym)
  • Huch, Rudolf
  • Schuster, A. (Pseudonym)
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Zitierweise

Huch, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117035564.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Schw Ricarda (s. 3);
    Vt Felix (s. 1), Friedrich (s. 2);
    - Braunschweig 1894 Margarete (1871–1963, Cousine), T d. Fabrikdir. Johs. Hähn in Braunschweig u. d. Anna Huch;
    3 S (1 früh †, 1 ⚔), 2 T (1 früh †).

  • Leben

    H. studiert in Heidelberg und Göttingen Jura (1883 1., 1887 2. Staatsexamen). Als Gerichtsassessor lebt er in Braunschweig und danach als Rechtsanwalt und Notar in verschiedenen thüringisch Kleinstädten. Später wohnt er als Justizrat unter anderem in Wolfenbüttel (1888–97), Bad Harzburg (1897–1915), Helmstedt (1915–20) und schließlich wieder in Bad Harzburg.

    H. ist im Grunde Pessimist, Melancholiker, der sich immer etwas im Schatten seiner prominenten Verwandten sieht. Er beginnt als Kritiker. In dem aphoristischen Bändchen „Mehr Goethe“ (1899), einem „temperamentvollen Husarenritt gegen allerlei Unfug modernen Literaturlebens“, versucht er, mit satirischem Witz Widersprüche des Literaturbetriebes aufzudecken, den propagierten Übermenschen zu verspotten, den Nietzschekult zu glossieren sowie die Schwächen des Naturalismus und seiner dramatischen Vertreter aufzuzeigen. Gleichzeitig ruft er nach dem Geist Goethes, Bismarcks und Kellers, nach Natur, Gesundheit, Vernunft, Mäßigung und Ordnung. Aber H.s Kritik bleibt hier noch an Äußerlichkeiten hängen und gefällt sich gelegentlich in gewollten Aphorismen. Die Werke der Folgezeit korrigieren in gewisser Weise diese erste Streitschrift, so bereits die Schrift „Eine Krisis“ (1904); und in seinem Novellenband „Hohe Schule“ (1936) bekennt H. schließlich „Unter uns gesagt, Frau Moderne: Wenn ich Sie auslache, ist mir zu Zeiten nicht recht geheuer. Es gibt Augenblicke, wo es mir so vorkommt, als machte ich mich im Grunde über mich selbst lustig! Ein Kind der Zeit bin ich ja doch, ich mag mich anstellen wie ich will“.

    Auch in einem Teil seines dichterischen Werkes ist H. Kritiker und Satiriker. In den Romanen prangert er – oft anhand ganzer Familienschicksale – das provinzielle Kleinbürgertum an. In „Wilhelm Brinkmeyers Abenteuer“ (1911) zum Beispiel erzählt eine Eulenspiegelgestalt in retuschierten Rückblenden mit der heuchlerischen Gebärde eines Biedermannes ihr Leben. Der Widerspruch zwischen der Realität und der Art der Darstellung machen den Reiz und die Komik dieses Werkes aus. H. zeigt sich hier als glänzender realistischer Erzähler. Auch sein einziger dramatischer Versuch, das Lustspiel „Der Kirchenbau“ (1901), ist eine entlarvende Abrechnung mit dem kleinstädtischen Spießertum. Die beiden bedeutendsten, weil formal glänzendsten, seiner rund 30 Romane sind die Entwicklungs- und Bildungsstudien „Die beiden Ritterhelm“ und „Familie Hellmann“ (beide 1909). Hier geht er von der Situations- zur Handlungsschilderung, von der karikaturistischen Umreißung fester Typen zur genauen Ausmalung einer Charakterentwicklung über. – H.s Kritik ist nicht vernichtend, sondern will stets aufbauen; die sittlichen Gegenmächte, um derentwillen er seinen Kampf führt, sind „Aufrichtigkeit, Mut, Liebe, Geist“, kurz „wahres Menschentum“. Deshalb klingt es wie Hohn, daß gerade die Nationalsozialisten diesen zu Unrecht wenig beachteten Romancier sofort zu einem der ihren machen wollen: „H., dessen Geistesart schon früh die Gegenwart vorausnahm, gehörte folgerichtig zu den Vergessenen oder Beiseitegeschobenen, die seit dem Umbruch von 1933 geradezu eine Renaissance erleben“. Er selbst bekennt jedoch in seinen Erinnerungen (1937), daß er keine „politische Ader“ habe, und daß seine, durch Bismarckverehrung sowie nationale Gesinnung gekennzeichneten politischen Gedanken nicht über „Durchschnittsgedanken“ hinausragen und es nicht der Mühe Wert sei, „etwas davon mitzuteilen“. Auch rechnet er die Jahre seit seinem 70. Geburtstag (1932) zu den dunkelsten seines Lebens. Eine deutlichere Distanziening vom NS-Regime ist in jenen Jahren wohl kaum denkbar.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Dt. Ak. d. Dichtung (1933).

  • Werke

    Weitere W u. a. Romane: Aus d. Tagebuch e. Höhlenmolches, 1895;
    Hans d. Träumer, 1902, 2. Fassung 1925;
    Der Frauen wunderlich Wesen, 1903;
    Komödianten d. Lebens, 1906;
    Die Rübenstädter, 1910;
    Talion, 1913;
    Junker Ottos Romfahrt, 1914;
    Das Lied d. Parzen, 1918;
    Das unbek. Land, 1920;
    Altmännersommer, 1924;
    Der tolle Halberstädter, 1925;
    Herr Neveu u. s. Mondprinzessin, 1926;
    Spiel am Ufer, 1927;
    Anno 1922, 1930;
    Die Fichtenauer, 1933 - Essayist. Schrr.: Max Gebhard, 1907;
    Dies u. das u. d. andere, 1912;
    Zwiegespräche, 1934;
    Die Tragödie Bismarck, 1938;
    William Shakespeare, 1941. -
    Selbstbiogr.: Aus e. engen Leben, 1923;
    Aus m. Leben, in: Westermanns Monatshh. 81, 1937;
    Mein Weg, 1937 (P). |

  • Nachlaß

    Nachlaß im Stadtarchiv Braunschweig.

  • Literatur

    E. Sander, in: Der Dichter u. s. Werk, 1922;
    R. Hinke, in: Fortunatus 10, 1922;
    A. Bartels, in: Die dt. Dichtung v. Hebbel b. z. Gegenwart II: Die Jüngeren, 10-121922;
    W. Mahrholz, in: Dt. Lit. d. Gegenwart, 1930;
    H. Langenbucher, in: Die neue Lit., 1934 (mit Bibliogr. v. E. Metelmann);
    B. Prilip, in: Die dt. Dichtung 2, 1937;
    R. Brandes, in: Der Harz, April 1942;
    E. Hoppe, in: Mitt. d. Ges. d. Freunde Wilh. Raabes 32, 1942;
    H. Franck, Die Lebensformen d. Künstlers R. H., in: Berliner Börsenztg. 59, 1942;
    E. Lüpke, Gruß an R. H., 1942 (W, L, P);
    W. Stapel, in: Niedersachsen 47, 1942;
    Ch. Janssen, R. H., 1943;
    Lieselotte Huch, Mein Vater R. H., in: Köln. Ztg. Nr. 106, 1944;
    H. Rott, Das Werk R. H.s, Ein Btr. z. Problematik spätbürgerl. Dichtung, Diss. Jena 1967 (ungedr.);
    Soergel I (P);
    Soergel-Hohoff I;
    F. Lennartz, Die Dichter unserer Zeit, 1938;
    Kosch, Lit.-Lex.

  • Autor/in

    Eckhard Schulz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schulz, Eckhard, "Huch, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 708 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117035564.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA