Lebensdaten
1855 bis 1919
Geburtsort
Weimar
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Indogermanist ; Altertumsforscher
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 117024724 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schrader, Otto

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Zitierweise

Schrader, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117024724.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Bernhard, Min.rat;
    M Amalie Krehan;
    1879 Marie, T d. H. v. Wilm, russ. Kollegienassessor;
    1 S, 3 T.

  • Leben

    Das Philologiestudium in Jena, Leipzig und Berlin schloß S. 1878 in Leipzig mit der Promotion ab (Diss. „De vetere ᾱ Graece in η mutato“), der 1887 in Jena die Habilitation für Vergleichende Sprachwissenschaft folgte. Bis zu seiner Berufung auf das Ordinariat dieses Faches in Breslau 1909 war S. in Jena als Gymnasiallehrer tätig. Seine sprachwissenschaftlichen Forschungen waren seit der Promotion ganz auf die Aufhellung der Kulturgeschichte aus den sprachlichen Fakten heraus gerichtet. Wie vor ihm v. a. Adalbert Kuhn und Jacob Grimm versuchte er die Kultur der Indogermanen umfassend zu erschließen. Neuartig war, daß S. hierfür die Zusammenarbeit aller betroffenen kulturgeschichtlichen Fächer für notwendig erachtete und deren Erkenntnisse mit eigenen Untersuchungen verknüpfte, zuerst in der Monographie „Sprachvergleichung und Urgeschichte, Linguistisch-historische Beiträge zur Erforschung des indogerman. Altertums“ (1883, 21890, 3 Bde. 31906-07), seinem „methodischen Glaubensbekenntnis“ (A. Nehring) und in seiner Probevorlesung „Über den Gedanken einer Kulturgeschichte der Indogermanen auf sprachwissenschaftlicher Grundlage“ (1887). Zur Verwirklichung dieses Programms suchte S. insbes. prähistorisch-archäologische und volkskundliche Methoden und Forschungsergebnisse mit den sprachwissenschaftlichen zu verbinden, v. a. um den Begriffsinhalt rekonstruierter Wörter der indogerman. Grundsprache genauer festlegen zu können. Auf diese Weise wurde er zum Begründer der aus der „linguistischen Paläontologie“ entwickelten Indogerman. Altertumskunde, durch die „das Verständnis der historischen Kulturen der|indogerman. Einzelvölker“ ermöglicht werden sollte. Er war auch stets darum bemüht, die für die Indogermanen angenommenen Lebensverhältnisse durch Parallelen bei den als „primitiver“ eingeschätzten balt. und slav. Völkern Ost- und Südosteuropas zu illustrieren.

    S. beschäftigte sich darüber hinaus mit der Paläobotanik und Paläozoologie (Thier- u. Pflanzengeographie im Lichte d. Sprachforsch., 1884) sowie mit den Anfängen von Handel und Verkehr (Linguist.-hist. Forschungen z. Handelsgesch. u. Warenkunde, I, 1886). In der grundsätzlichen Frage nach der „Urheimat“ der Indogermanen legte sich S. auf den Raum im Norden und Nordwesten des Schwarzen Meeres fest. Als Zusammenfassung des (nicht zuletzt von ihm selbst sehr geförderten) Kenntnisstandes auf diesem Feld schuf S. das „Reallexikon der indogerman. Altertumskunde“ (1901, 2 Bde., 21917-29, hg. v. A. Nehring), das durch Ausschluß von speziell indoiranischen Begriffen die Kulturgeschichte Alteuropas in einer Ordnung nach Sachbegriffen darstellte. S.s hauptsächlicher Schüler war Alfons Nehring (1890–1967). Die von S. vertretene kulturgeschichtliche Indogermanenforschung hat, unter Einbeziehung der Mythologie, in „The Journal of Indo-European Studies“ seit 1973 erstmals ein eigenes Publikationsorgan gefunden.

  • Auszeichnungen

    Dr. iur. h. c; Mitgl. d. rumän. Ges. d. Wiss., d. Ges. f. nord. Altertumskunde, Kopenhagen, u. d. russ. Archäol. Ges., St. Petersburg.

  • Werke

    Weitere W Die älteste Zeittheilung d. indogerman. Volkes, 1878;
    Die Schwiegermutter u. d. Hagestolz, Eine Studie aus d. Gesch. unserer Fam., 1904;
    Begraben u. Verbrennen im Lichte d. Rel.- u. Kulturgesch., 1910;
    Die Indogermanen, 1911, 31919, bearb. v. H. Krahe, 1935.

  • Literatur

    A. Nehring, in: Indogerman. Jb. 7, 1921, S. 152-60;
    Wi. 1912;
    DBJ II, Tl.;
    Reallex. d. German. Altertumskunde2.

  • Autor/in

    Rüdiger Schmitt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmitt, Rüdiger, "Schrader, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 511-512 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117024724.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA