Lebensdaten
1828 bis 1907
Geburtsort
Rippweiler (Useldingen, Luxemburg)
Sterbeort
Innsbruck
Beruf/Funktion
Jesuit ; Kanonist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117020834 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nilles, Nikolaus
  • Nilles, Nicolao
  • Nilles, Nicolas
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Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Nilles, Nikolaus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117020834.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Matthias, Landwirt in R. (Kt. Redingen);
    M Anna Maria Hommel.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Athenäum in Luxemburg studierte N. am Germanicum in Rom Philosophie und Theologie. 1848 wurden die Jesuiten von Papst Pius IX. unter dem Druck der ital. Einigungsbewegung aufgefordert, den Unterricht an der päpstl. Univ. Gregoriana einzustellen und Rom zu verlassen. N. verblieb in Rom mit neun anderen Alumnen. 1852 erhielt er in der Lateranbasilika die Priesterweihe. Seine Studien schloß er 1853 mit dem Doktorat in Theologie und Kirchenrecht ab. In die Heimat zurückgekehrt, wirkte N. bis 1858 in Tüntingen zunächst als Kaplan, dann als Pfarrer. Die während dieser pastoralen Lernzeit lateinisch verfaßten Schriften behandelten vornehmlich liturgierechtliche Fragen, aus denen die Doppelreihe der „Quaestiones selectae in ius liturgicum“ entstanden. Seinem Entschluß, in die Gesellschaft Jesu einzutreten, folgte 1858 nach Übergabe der Pfarrei die Aufnahme ins Noviziat von Baumgartenberg (Oberösterr.). Bereits im folgenden Jahr erhielt N. auf Anregung des Kirchenrechtlers Karl Ernst Moy de Sons die Berufung zum Extraordinarius an die 1857 wiedererrichtete Theol. Fakultät von Innsbruck (o. Prof. 1860–98). 1860-75 stand er hier dem internationalen Nikolai-Konvikt für Theologiestudierende als Regens vor. 1866 gründete er den Innsbrucker Priesterverein und dessen Organ „Correspondenzblatt“.

    N., ein außergewöhnlich fruchtbarer theol. Schriftsteller, veröffentlichte zahlreiche Beiträge in Fachzeitschriften und Sammelwerken. Zu den größeren Werken zählt „De rationibus festorum SS. Cordis Jesu et purissimi Cordis Mariae e fontibus juris canonici erutis“ (4 Bücher, 2 Bde., 1867, 51885), eine anhand rechtstheologischer Quellen erarbeitete Geschichte der Herz-Jesu-Verehrung mit reicher Bibliographie im Anhang. Das liturgiegeschichtliche Handbuch zum kirchlichen Festkalender (Heortologium) der Ost- und Westkirche „Kalendarium manuale utriusque Ecclesiae orientalis et occidentalis“ (2 Bde., 1879–81) gilt als sein bedeutendstes Werk. Ein ergänzender 3. Teil, der rechts- und liturgiegeschichtliche Quellen der Kirchen von Rumänien, Ruthenien, Serbien und Armenien im Kgr. Ungarn sammelt und interpretiert, erschien unter dem Titel „Symbolae ad illustrandam historiam ecclesiae orientalis in terris coronae S. Stephani“ (2 Bde., 1885). Die große Erudition und Sachlichkeit sowie der ökumenische Geist dieses Werks begründen die breite Anerkennung, die es auch in den orthodoxen und prot. Kirchen gefunden hat, u. a. bei Adolf v. Harnack und dem Oberprokurator der „dirigierenden Synode von Ganz-Rußland“ K. P. Podedonoszew von St. Petersburg. Aus Anlaß der 2. Auflage des Werks ließ diese Synode einen Festbilderatlas herstellen, für den N.s Text die Grundlage bildete. Die im Gefolge sich ergebenden persönlichen Kontakte zu ihm sowie zu Propst Dr. A. v. Maltzew gaben der Unionsbewegung kraftvolle Impulse. Kirchenpolitisch nicht weniger bedeutsam sind die „Commentaria in Concilium plenarium Baltimorense tertium“ (pars I: Acta concilii, 1889, pars II: Decreta concilia, 1890). Zusammen mit dem Artikel „Tolerari potest, De juridico valore decreti tolerantiae commentarius“ (Zs. f. kath. Theol. 17, 1873, S. 245-96) erhielten die beiden Schriften ein starkes Echo in der Kirche der Vereinigten Staaten. – Die geistige Weite und die Vielfalt seiner Interessen- und Forschungsbereiche führte N. über die Grenzen der eigenen Konfession hinaus, zunächst nicht im persönlichen Dialog, sondern über die Erforschung der theologisch-liturgischen Positionen. Die synoptische Darstellung sollte eine vertiefende Kenntnis und Bewertung der jeweils anderen kirchlichen Gemeinschaft ermöglichen. Er folgte der sokratischen Methode der Rückführung der Worte auf ihre Urform, um damit den Weg zur Erkenntnis der Sache selbst zu ebnen. – Die rumän. Akademie der Wissenschaften ehrte N.s Werk durch eine hohe Auszeichnung.

  • Werke

    Weitere W Commentarius in proemium Breviarii et Missalis de computu ecclesiastico, usui clericorum accomodatus, 21864;
    De rationibus festorum mobilium utriusque Ecclesiae occidentalis atque orientalis commentarius usui clericorum accomodatus. Accedunt breves quaedam animadversiones in novam kalendarii rationem a. Cl. Maedler propositam, 1868;
    Selectae disputationes academicae juris ecclesiastici, Fasc. I-VI, 1886 ff. – W-Verz.: M. Blum, Bibliogr. Luxembourgeoise 1902–32, neu hg. v. C. Hury, 1981, II, S. 189-99 (167 Titel).

  • Literatur

    M. Blum, Das Collegium Germanicum zu Rom u. dessen Zöglinge aus d. Luxemburger Lande, 1899, S. 76-109;
    Curriculum vitae (lat.) 1907 (Ms. im Prov.archiv d. Österr. Prov. SJ, Wien);
    Vorläufige Materialslg. f. Jesuiten in Österr., 1914, S. 301-10 (Ms. ebd.);
    Nachrr. d. österr.-ungar. Prov. SJ, Nr. 4, 1907, S. 96-109;
    Korr.bl. d. Priesterver. 41, 1907, S. 37-42;
    Zs. f. kath. Theol. 31, 1907, S. 396-400;
    Archiv f. kath. Kirchenrecht 87, 1907, S. 353-58;
    Nomenclator Literarius theologiae catholicae V, Pars II, hg. v. H. Hurter, 1913, S. 2067-69;
    M. Hofmann SJ, Das theol. Konvikt zu Innsbruck einst u. jetzt, 1908, S. 36, 79 f.;
    N. Grass, Die Kirchenrechtslehrer d. Innsbrucker Univ. v. 1672 bis z. Gegenwart, 1951, S. 207;
    Koch;
    ÖBL;
    Dict. de Spiritualité XI, 1982, S. 367 f.;
    L. Polgár, Bibliogr. sur l'hist. de la Compagnie de Jésus III, 1990, Sp. 14728-30.

  • Autor/in

    Johannes Mühlsteiger
  • Empfohlene Zitierweise

    Mühlsteiger, Johannes, "Nilles, Nikolaus" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 277-278 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117020834.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA