Lebensdaten
1813 bis 1855
Sterbeort
Luxemburg
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; Geistlicher
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117020028 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Odilo (Pseudonym)
  • Michelis, Odilo (Pseudonym)
  • Michelis, Eduard
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Zitierweise

Michelis, Eduard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117020028.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1762–1835) aus Recklinghausen, bis 1802 Offz. im Dienst d. Fürstbischofs von Münster, später Kupferstecher u. Zeichenlehrer (s. ThB), S d. Johann Christoph, Stadtadvokat, seit 1785 Bgm. in Recklinghausen, u. d. Catharina Elisabeth Rothus;
    M Auguste Schaffer ( 1853. luth., seit 1838 kath.) aus Bremen;
    B Alexander (1823–68), Landschaftsmaler (s. ADB 21; ThB), Friedrich (s. 2).

  • Leben

    M. studierte nach Absolvierung des Gymnasiums 1832-35 Theologie an der Philosophisch-Theologischen Akademie seiner Vaterstadt. Unmittelbar nach seiner Priesterweihe am 6.4.1836 bestellte der neu ernannte Kölner Erzbischof Clemens August Frhr. Droste zu Vischering den erst 23jährigen zu seinem Hauskaplan und Geheimsekretär. Als solcher war M. engster Vertrauter des Erzbischofs, mit dessen Grundsätzen er vollkommen übereinstimmte, und spielte in den kirchenpolitischen Auseinandersetzungen (Frage der Behandlung der Mischehen, Haltung des Erzbischofs gegenüber der Theologischen Fakultät in Bonn und dem Priesterseminar in Köln), die unter dem Namen „Kölner Wirren“ bekannt geworden sind, seit 1836 eine bedeutsame Rolle. In ausgedehnten Verbindungen zu ultramontanen Kreisen im Rheinland (namentlich zu dem Bilker Pfarrer A. J. Binterim) und in Belgien stehend und gleich seinem jüngeren Bruder Friedrich von streitbarer Natur, erwies er sich als leidenschaftlicher Gegner des Hermesianismus und als kämpferischer Verteidiger der Freiheit der Kirche gegen die Bevormundung durch den preuß.-prot. Staat. Wie weit er 1837 für die Eskalierung des Konflikts Verantwortung trug, läßt sich aus den bisher im Druck zugänglich gemachten Quellen nicht eindeutig erkennen. Im übrigen fanden der zweifellos begabte, aber ohne diplomatische und seelsorgerliche Erfahrungen in seinem Amte überforderte M. sowie der Grad seiner unmittelbaren Einwirkung auf den Oberhirten schon zu seiner Zeit eine unterschiedliche Beurteilung. Anläßlich des sog. „Kölner Ereignisses“ vom 20.11.1837, der Inhaftierung des Erzbischofs Droste zu Vischering, ließ die preuß. Regierung auch ihn verhaften und für über zwei Jahre zunächst auf der Festung Minden (bis 31.12.1837), danach in Magdeburg inhaftieren. Im Frühjahr 1840 wurde er nach Erfurt gebracht. Dort durfte er sich frei bewegen, stand jedoch unter Polizeiaufsicht. Obgleich gegen ihn keine strafrechtlichen Vorwürfe erhoben werden konnten, wurde er erst im April 1841 entlassen.

    Nach Münster zurückgekehrt, vertiefte M. seine theologischen Studien und betätigte sich als Mitherausgeber des kath. „Münsterischen Sonntagsblatts“. 1842 gründete er die Genossenschaft der „Schwestern von der Göttlichen Vorsehung“ und ein Waisenhaus. 1845 folgte er dem Ruf des Apostolischen Vikars von Luxemburg, Johann Theodor Laurent, als Professor der Dogmatik an das dort neuerrichtete bischöfliche Priesterseminar. Gleichzeitig entfaltete er eine breite publizistische Tätigkeit (u. a. für die „Deutsche Volkshalle“ und das „Mainzer Journal“) und lieferte zahlreiche Beiträge für die von Wilhelm Binder 1846-50 herausgegebene „Allgemeine Realencyclopädie oder Conversationslexicon für das kath. Deutschland“ (Artikel gekennzeichnet mit O, M und EM) und für „Wetzer und Weite's Kirchenlexikon“ (1846 ff.). Darüber hinaus war M. ein eifriger Förderer des Bonifatius-Vereins und nahm in seiner Eigenschaft als ständiges Kommissionsmitglied regen Einfluß auf die Generalversammlungen der kath. Vereine Deutschlands. Auch engagierte er sich für die Gründung einer freien kath. Universität nach belg. Vorbild. 1848 wurde er Mitbegründer der kath. Zeitung „Das Luxemburger Wort für Recht und Wahrheit“, deren Hauptschriftleitung er bis zu seinem Tode innehatte.

  • Werke

    u. a. Das trag. Ende d. Londoner Carthause, gen. z. engl. Gruße, Ein Btr. z. Ref.gesch. Englands, 1837 (Ps. Odilo);
    Ritterus et Balzerus vapulantes, das ist: Beurtheilung d. dogmat. Gutachtens d. Herren Professoren Ritter u. Balzer üb. d. ersten sechzehn Sätze, welche in d. Erzdiözese Cöln d. Clerus z. Unterschrift vorgelegt werden, 1837 (Ps. Odilo);
    Beleuchtung d. Broschüre: „Die Wahrheit in d. Hermes'schen Sache usw.“ (Darmstadt b. C. W. Leske, 1837), v. e. Priester d. Erzdiöcese Cöln, 1837, 41838 (anonym);
    Das hl. Meßopfer u. d. Fronleichnamsfest in ihrer welthist. Bedeutung, Ein Btr. z. friedl. Verständigung üb. d. rel. Frage d. Gegenwart, 1841;
    Clemens August Frhr. v. Droste zu Vischering. EB v. Cöln, Nach d. zuverlässigsten Quellen treu u. wahr geschildert v. M., Pfarrer in L., Nebst Anhange: Interessante Charakterzüge u. einige bisher ungedr. Gedichte d. Verstorbenen, 1845 (anonym);
    Die Völker d. Südsee u. d. Gesch. d. prot. u. kath. Missionen unter denselben, 1847;
    Lieder aus Westphalen v. E. M., Aus d. Nachlasse d. Verstorbenen u. mit e. Biogr. desselben eingel. v. Friedrich Michelis, 1857.

  • Literatur

    ADB 21;
    [G. F. H. Rheinwald], Personen u. Zustände aus d. kirchl. pol. Wirren in Preußen, Michelis, Binterim, v. Droste, 1840;
    K. Möller, Leben u. Briefe v. Johannes Theodor Laurent, Titularbischof v. Chersones, Apostol. Vikar v. Hamburg u. Luxemburg, Als Btr. z. KG d. 19. Jh., I-III, 1887-89;
    H. Schrörs, Rhein. Katholiken u. belg. Parteien z. Z. d. Kölner Wirren, in: Ann. d. Hist. Ver. f. d. Niederrhein 107, 1923, S. 1-91, 108, 1926, S. 1-66, bes. S. 18-23;
    ders., Die Kölner Wirren (1837), Stud. zu ihrer Gesch., 1927, bes. S. 274-95;
    P. Nettelbusch, E. M., e. Lebens- u. Charakterbild 1813–55, 1952 (W-Verz., Qu., L);
    P. Neyer, Neues üb. E. M., in: Auf Roter Erde, Heimatbll. d. Westfäl. Nachrr. 13, 8.6.1955, S. 105-08;
    R. Lill, Die Beilegung d. Kölner Wirren 1840-1842, Vorwiegend nach Akten d. Vatikan. Geheimarchivs, 1962;
    F. Keinemann, Das Kölner Ereignis, sein Widerhall in d. Rheinprov. u. in Westfalen, I-II, 1974, S. 68 f.;
    H.-J. Brandt, Eine kath. Univ. in Dtld.? Das Ringen d. Katholiken in|Dtld. um e. Univ.bildung im 19. Jh., 1981;
    M. Hänsel-Hohenhausen, Clemens August Frhr. Droste zu Vischering, EB v. Köln, 1773–1845, Die moderne Kirchenfreiheit im Konflikt mit d. Nationalstaat, 2 Bde., 1991;
    LThK;
    Kosch, Lit.-Lex.3.

  • Autor/in

    Franz Xaver Bischof
  • Empfohlene Zitierweise

    Bischof, Franz Xaver, "Michelis, Eduard" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 447-449 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117020028.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Michelis: Eduard M., katholischer Geistlicher, geb. zu St. Mauritz, einer Vorstadt von Münster, am 6. Februar 1813, gest. zu Luxemburg am 8. Juni 1855. Er war das fünfte der neun Kinder des Kupferstechers Franz M. ( 1835); seine Mutter war Protestantin, wurde aber später mit ihren Töchtern katholisch. Nachdem er das Gymnasium zu Münster absolvirt hatte, studirte er 1882—1835 an der dortigen Akademie, wo namentlich Katerkamp und Kellermann seine Lehrer waren, Theologie, trat im Herbst 1835 in das Seminar ein, wurde am 6. April 1836 zum Priester geweiht und von dem eben zum Erzbischof von Köln ernannten Clemens August von Droste-Vischering (Bd. V|S. 426) zum Kaplan und Secretär gewählt. Mit diesem wurde er am 20. November 1837 nach Minden abgeführt, von da am 31. December nach Magdeburg; im April 1840 wurde er aus der Festungshaft entlassen, aber ihm Erfurt als Aufenthaltsort angewiesen. Dort brachte ihn ein Blutsturz dem Tode nahe. Von Friedrich Wilhelm IV. frei gegeben, kehrte er am 21. April 1841 nach St. Mauritz zurück. Dort lebte er einige Jahre ohne Anstellung mit Studien und Seelsorge beschäftigt, schrieb auch fleißig Artikel für das von ihm mit begründete Münster'sche Sonntagsblatt. Nachdem er sich im Frühjahr 1844 bei der theologischen Facultät den Licentiatengrad erworben, wurde er von dem apostolischen Vicar von Luxemburg, J. Th. Laurent, zum Professor der Dogmatik in dem dortigen Seminar ernannt. Von 1848 war er dort auch an der Redaction des Luxemburger Wortes für Recht und Wahrheit betheiligt. Er schrieb auch für andere Zeitschriften und lieferte Beiträge für die Manz'sche Real-Encyclopädie und das Freiburger Kirchenlexicon. Das einzige größere Werk, welches er veröffentlicht hat, ist: „Die Völker der Südsee und Geschichte der protestantischen und katholischen Missionen unter denselben", 1847. Außerdem hat er herausgegeben: „Das heilige Meßopfer und das Frohnleichnamsfest in ihrer welthistorischen Bedeutung“, 1841, unter dem Namen Otilo „Das tragische Ende der Londoner Karthause, genannt zum englischen Gruße“, 1837, und anonym einen „Kurzen Lebensabriß des Erzbischofs Clemens August von Köln,“ 1846. 1857 erschienen noch „Lieder aus Westphalen an E. M. Aus dem Nachlasse des Verstorbenen und mit einer Biographie desselben eingeleitet von F(riedrich) Michelis“, 1857. — Die im Sinne der Hermesischen Partei geschriebene Broschüre: „Die Hermesianer in Rom, oder Fugen zu den Acta Romana von Edm. Michelis“, 1839, ist natürlich nicht von M. — Briefe von und an M., die bei seiner Verhaftung beschlagnahmt wurden, sind abgedruckt in der officiellen Schrift (von Bunsen): „Personen und Zustände aus den kirchlich-politischen Wirren in Preußen. Michelis. Binterim. von Droste“, 1840. M. schrieb eine Vertheidigung seines und des Verhaltens des Erzbischofs gegen die in dieser und anderen Schriften enthaltenen Angriffe, — sein noch lebender Bruder Friedrich hat dieselbe gelesen; — dieselbe wurde aber auf den Wunsch des Erzbischofs nicht nur nicht gedruckt, sondern nach seiner Freilassung vernichtet. Daß M. auf den Erzbischof einen großen Einfluß geübt, ist gewiß eine irrige Vorstellung; Herr von Droste ließ sich überhaupt nicht beeinflussen, am wenigsten von einem so jungen Manne.

    • Literatur

      Raßmann, Nachr. von Münster. Schriftst., 1866, S. 211.

  • Autor/in

    Reusch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reusch, Heinrich, "Michelis, Eduard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 693-694 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117020028.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA