Lebensdaten
1737 bis 1817
Geburtsort
Basel
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Kupferstichverleger ; Kunsthändler ; Kunsthistoriker ; Kupferstecher
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 116976659 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mechel, Christian von
  • Mechel, Chr.
  • Mechel, Chretien de
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Zitierweise

Mechel, Christian von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116976659.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus alteingesessenem Handwerkergeschl.;
    V Johannes (1713–96), Küfer in Basel, S d. Küfers Josias in Basel u. d. Elisabeth Mächtig;
    M Salome (1713–87), T d. Christian Münch (1678–1747), Zunftmeister u. Ratsherr zu Fischern, u. d. Salome Bulacher aus Basel;
    1) 1761 Elisabeth (1740–86), T d. Joh. Wilh. Haas (1698–1764), Schriftgießer in Basel, u. d. Margarethe Christ (1706–73), 2) 1795 ( 1796) Friederike (* 1769), T d. Bankiers Ludwig Friedrich v. Wagner in Regensburg; kinderlos; Schwager Wilhelm Haas ( 1800), Schriftgießer in Basel (s. NDB VII);
    N Joh. Jakob v. M. (1764–1816), Kupferstecher (s. ThB).

  • Leben

    M. besuchte die Lateinschule in Basel und erlernte 1753-55 die Kupferstecherei bei G. D. Heumann in Augsburg und 1755-57 bei J. G. Pintz in Nürnberg. 1757-64 vervollkommnete er seine Kenntnisse in Paris, zuerst drei Jahre bei J. G. Wille, seit 1760 selbständig, wobei er bereits eigene und andere Arbeiten verlegte und mit Kunstgegenständen Handel trieb. 1764 kehrte er nach Basel zurück, heiratete die Tochter des angesehenen Schriftgießers Haas und gründete einen Verlag, was mit dem Aufhören eigenen künstlerischen Schaffens verbunden war. 1766-67 weilte er in Italien, besonders in Rom, wo er in Kontakt mit Winckelmann und J. Fr. Reiffenstein trat, der ihn später jahrelang mit Kunstgütern aus Italien belieferte. Intensive Freundschaft pflegte er mit dem Schaffhauser Bildhauer A. Trippel, die allerdings bald in die Brüche ging. 1767 kaufte M. in Basel ein ansehnliches Haus in der St. Johann-Vorstadt und richtete dort eine Kupferstecherakademie und ein Kunsthandelsgeschäft ein, das sich bald eines internationalen Rufs erfreute. Kaum ein durch Basel reisender Fremder unterließ es, ihn zu besuchen. So hatte er zweimal Goethe und auch Kaiser Joseph II. zu Gast, der ihn später nach Wien zur Neuordnung der kaiserlichen Gemäldegalerie im Belvedere berief. M. führte diese Aufgabe 1778-83 unter Betreuung von Fürst Kaunitz auf neuartige Weise durch, indem er das Prinzip der Hängung nach Kunstschulen erstmals konsequent zur Anwendung brachte. 1783 kehrte er nach Basel zurück, wo seither vier seiner wichtigsten Verlagswerke erschienen: das bebilderte Verzeichnis sämtlicher Medaillen J. C. Hedlingers, der Katalog der neuen Düsseldorfer Gemäldegalerie, Holbeins Totentanz nach den angeblichen Vorzeichnungen und der Katalog der kaiserlichen Bildergalerie in Wien. Letzterer behielt in seiner Anordnung und mit seinen Neuzuschreibungen Gültigkeit bis ins späte 19. Jh. Um die alten Beziehungen zu vertiefen und neue anzuknüpfen, begab sich M. 1787 abermals nach Wien. Von dort führte ihn seit 1789 eine Reise durch Süddeutschland und das Rheinland nach den Niederlanden und England, wo er am Hof Georgs III. Zutritt fand. 1794 zurück in Basel, fand er infolge der Auswirkungen der franz. Revolution gänzlich veränderte Verhältnisse vor, seine Geschäfte gingen nur noch schleppend, und er sah sich aus finanziellen und politischen Gründen gezwungen, die Heimat zu verlassen. Auf mehreren Reisen suchte er in Deutschland Fuß zu fassen. Einem Aufenthalt in Frankfurt, wo er die Gemälde des Dominikanerklosters katalogisierte, folgten weitere in Kassel und Weimar, wo er Goethe und Schiller traf, und in Dresden, wo er Graff und Zingg begegnete. 1805 ließ M. sich in Berlin nieder, wo er Zugang zu den Hofkreisen fand und Mitglied der Akademie der bildenden Künste wurde. Sein verschuldetes Basler Geschäft löste er 1806-08 unter Verlust seines Vermögens auf. Kg. Friedrich Wilhelm III. ersuchte ihn 1810, die Gemälde für die in Berlin geplante neue Galerie zusammenzustellen. Es scheint, daß M. diese Aufgabe, bei der er mit W. v. Humboldt in Berührung kam, lediglich begonnen hat. Auch in Berlin versuchte er, als Kupferstichverleger mit einer eigenen Produktion tätig zu werden, was ihm ansatzweise gelang, so mit der luxuriösen Ausgabe des sog. Stammbuchs von L. Cranach mit den Bildnissen der Reformatoren (1814) und einer bebilderten Abhandlung über die eiserne Hand des Götz von Berlichingen (1815).

    M.s Verdienst war es, in Basel von 1764 an den klassizistischen Stil eingeführt zu haben. Er machte erstmals das Werk von Hans Holbeind. J. in größerem Umfang zugänglich und ordnete wichtige Gemäldegalerien nach dem neuen Prinzip der Schulen. Als Präsident der Helvetischen Gesellschaft verfaßte er 1791 den „Entwurf einer Kunstgeschichte Helvetiens“, eine einsame Pionierleistung. Seine Arbeiten auf kulturellem Gebiet und seine durch ungezählte Briefe belegten Beziehungen brachten ihm viele Ehrungen und Mitgliedschaften in Akademien ein. Der politische Umsturz entzog ihm die Grundlage seiner Existenz und machte ihn heimatlos.

  • Werke

    Weitere W Costumes de Paysans et Paysannes de la Suisse, 1785 (mit 24 Taf., 21791 mit 26 Taf.);
    Vorstellungen u. Plane d. merkwürdigsten Begebenheiten d. gegenwärtigen Krieges d. Österreicher u. Russen gegen d. Türken, 1790;
    Recueil de Vues choisies de la Suisse, 1796 (mit 33 Taf.);
    Bildnisse sämmtl. zu d. Throne v. Frankreich zurückberufenen Bourbons, 1814.

  • Literatur

    ADB 21;
    L. H. Wüthrich, C. v. M., Leben u. Werk e. Basler Kupferstechers u. Kunsthändlers, 1956 (L, P);
    ders., Pietist. Briefe d. jungen C. v. M. an d. Pfarrer Hieronymus d'Annone, in: Scripta Manent 4, 1958;
    ders., Das Œuvre d. Kupferstechers C. v. M., 1959 (P);
    ders., Ein schweizer. Kultursöldner, in: Basler Nachrr. Nr. 135 v. 13.6.1975, S. 17;
    SKL;
    HBLS;
    Wurzbach 17;
    ThB.

  • Portraits

    Gem., wohl v. J. N. Grooth, 1764 (Basel, Hist. Mus.);
    Gem. v. A. Graff, um 1785 (ehemals Berlin, Ak. d. bildenden Künste, verschollen, Abb. in: Jb. d. preuß. Kunstslgg. 58, 1937, Beih., S. 16);
    Stich v. J. J. v. Mechel n. A. Hickel, 1787.

  • Autor/in

    Lucas Wüthrich
  • Empfohlene Zitierweise

    Wüthrich, Lucas, "Mechel, Christian von" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 579-580 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116976659.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mechel: Christian von M., Kupferstecher, geb. zu Basel 1737. zu Berlin 1818. Ursprünglich zum geistlichen Stande bestimmt, weihte er sich, seinem Genius folgend, der Kunst. Nachdem er bei der Künstlerfamilie Preisler in Nürnberg den ersten Kunstunterricht genossen hatte, begab er sich 1757 nach Paris, wo er sich unter der Leitung des berühmten Wille zum Kupferstecher herausbildete. Verschiedene ihm ausgetragene Arbeiten hielten ihn bis 1764 in der französischen Metropole zurück. Nach seiner Rückkehr wurde er Mitglied des großen Rathes in seiner Vaterstadt, doch machte er sich schon im nächsten Jahre wieder auf die Reise. Diesmal war Italien das Ziel seiner Sehnsucht. Die großherzogliche Malerakademie zu Florenz ernannte ihn zu ihrem Mitgliede, in Rom wurde Winkelmann sein Freund. Bereichert mit reichlichen Erfahrungen, die ihm das Studium in den italienischen Sammlungen zugeführt hatte, kehrte er in seine Vaterstadt zurück und errichtete daselbst eine Kunsthandlung, die mit einer Zeichen- und Kupferstecherschule in Verbindung stand; da er zugleich Verleger war, so unternahm er die Herausgabe verschiedener illustrirter Werke; so das Galleriewerk von Düsseldorf in zwei Bänden, bei dem es zu bedauern ist, daß immer ganze Wände mit ihren Bildern auf der Kupferplatte dargestellt werden, wobei die kleinen Bilder durch die übermäßige Verkleinerung gar nicht zur Geltung kommen können; dann das Holbeinwerk, in welchem aber der große Meister kaum zu erkennen und zu würdigen ist. Ein Besuch des Kaisers Joseph II. in Basel 1777 war Veranlassung, daß er einen Ruf nach Wien erhielt, wo er die kaiserliche Gemäldegallerie im Belvedere einrichtete und einen Katalog derselben in 4 Bänden herausgab (1783), der indessen für die neue Kunstforschung wenig brauchbar ist. Im J. 1787 kam er wieder nach Basel, besuchte 1789 abermals Rom. Der Ausbruch der französischen Revolution zwang ihn, in seinem Geschäfte auf die veränderten Zeitumstände Rücksicht zu nehmen. In seinem hohen Alter kam er noch nach Berlin, wo ihn die k. Akademie zum wirklichen Mitgliede ernannte, wo ihn auch der Tod ereilte. Außer den Stichen für das erwähnte Holbeinwerk lieferte er noch viele andere, die sich indessen kaum über die Grenze des Mittelmäßigen erheben; sie stellen Bildnisse, schweizer Trachten und allegorische Compositionen dar.

    • Literatur

      S. Füßli, Allg. Künstlerlex.

  • Autor/in

    Wessely.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wessely, Joseph Eduard, "Mechel, Christian von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 153 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116976659.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA