Lebensdaten
1841 bis 1925
Geburtsort
Würzburg
Beruf/Funktion
Statistiker ; Wirtschafts- und Finanzpolitiker ; Nationalökonom
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116973145 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mayr, Georg (bis 1879)
  • Mayr, Georg von
  • Mayr, Georg (bis 1879)
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Zitierweise

Mayr, Georg von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116973145.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Aloys (1807–90), Prof. d. Mathematik u. Astronomie in W. (s. Pogg. II, III);
    M Susanne Frantz;
    München 1867 Adelheid, T d. Friedrich v. Hermann ( 1868), Nat.ökonom (s. NDB VIII);
    2 S, 4 T.

  • Leben

    Nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an der Univ. München promovierte M. 1865 mit einer Arbeit zur „Statistik der Bettler und Vaganten im Königreich Bayern“. 1866 habilitierte er sich in der|Staatswirtschaftlichen Fakultät, gleichzeitig wurde er Assistent des Vorstands des Bayer. Statistischen Büros, Friedrich v. Hermann, seines akademischen Lehrers. 1868 erfolgte seine Ernennung zum ao. Professor und 1869 als Nachfolger Hermanns zum Vorstand des Statistischen Büros, dessen Leitung er bis 1879 innehatte. Unter Beibehaltung seiner Stellung als Professor und Vorstand des Statistischen Büros wurde er 1872 Ministerialrat im bayer. Ministerium des Innern in der Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, wo er das Referat für Zoll- und Handelsfragen übernahm. 1879 beteiligte er sich als Mitglied der vom Bundesrat einberufenen Kommission an der Beratung der Zolltarifreform und vertrat im Reichstag nachdrücklich die Wende zur Schutzzollpolitik. Im selben Jahr verließ er München, wurde zum Unterstaatssekretär im neu gegründeten Ministerium für Elsaß-Lothringen in Straßburg ernannt und übernahm die Leitung der Finanzabteilung dieses Ministeriums. Nach den Reichstagswahlen von 1887 und den Erfolgen der elsaß-lothr. Oppositionspartei wurde das Ministerium fast völlig ausgewechselt und M., zum Teil auch auf Grund von Spannungen zwischen ihm und dem elsaß-lothr. Statthalter Hohenlohe-Schillingsfürst, in den einstweiligen Ruhestand versetzt. 1891 knüpfte er wieder an seine akademische Lehrtätigkeit an; an der Univ. Straßburg wurde er zunächst Privatdozent, dann – 1895 – Honorarprofessor. 1898 kehrte er als o. Professor der Statistik, Finanzwissenschaft und Nationalökonomie an die Univ. München zurück, deren Rektor er 1913/14 war. Trotz seiner Entpflichtung als Universitätsprofessor 1920 setzte er seine Lehrveranstaltungen bis zum Ende des Sommersemesters 1925 fort.

    Bedeutung erlangte M. vor allem durch seine wissenschaftlichen und organisatorischen Leistungen auf dem Gebiet der Statistik. Neben der Verbesserung des Aufbaus der bayer. amtlichen Statistik durch Zentralisation und Neuregelung der Erhebungs- und Aufbereitungsmethoden wirkte er bei der Vorbereitung der Reichsstatistik und der Einrichtung des Statistischen Reichsamts wesentlich mit. Als Ziel verfolgte er hier eine klare Aufgabenteilung zwischen Reich und Ländern sowie die größtmögliche Vergleichbarkeit der statistischen Ergebnisse. Gleiches strebte er auch auf internationaler Ebene an. Er war Vizepräsident und Ehrenmitglied des Internationalen Statistischen Instituts; als Ehrenmitglied bzw. auswärtiges Mitglied gehörte er u. a. auch der Royal Statistical Society in London und der Société de Statistique de Paris an. 1911 wurde M. Vorsitzender der neu gegründeten Deutschen Statistischen Gesellschaft. Zudem war er Mitglied des Vereins für Socialpolitik und der Deutschen Gesellschaft für Soziologie.

    M.s wissenschaftliches Wirken galt dem Ziel, die Statistik zu einer selbständigen Gesellschaftswissenschaft auszubilden. In seiner Untersuchung „Begriff und Gliederung der Staatswissenschaften“ (1901, 41921) grenzte er die Statistik gegenüber der Soziallehre (Sozialpolitik), der Soziologie, den Staatswissenschaften im engeren Sinn, den Wirtschafts- und den Rechtswissenschaften ab und hob den Wert der statistischen Massenbeobachtung hervor. Obwohl er das Ideal einer „exakten Gesellschaftslehre“ vor Augen hatte, wies er doch immer wieder auf den durch räumliche und zeitliche Gegebenheiten verursachten relativen und hypothesenhaften Charakter der mit Hilfe der Statistik erkannten „Gesetze“ hin. Mit seiner Konzeption der Massenbeobachtung zur Erkenntnis historisch bedingter und wandelbarer statistischer „Gesetze“ unterschied er sich von zeitgenössischen Schulen, die durch die Erforschung einzelner, vermeintlich typischer sozialer Phänomene zu allgemeinen Aussagen zu kommen glaubten. In seinem Hauptwerk „Statistik und Gesellschaftslehre“ versuchte er. den gesamten Bereich der Statistik nach Sachgebieten darzustellen. Es erschienen die ersten drei Teile über Theoretische Statistik, Bevölkerungsstatistik und Moralstatistik. Den soziologischen und nationalökonomischen Tendenzen und erkenntnistheoretischen Ansätzen nach der Jahrhundertwende stand M. skeptisch gegenüber.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Gesetzmäßigkeit im Gesellschaftsleben, 1877 (ital. 1879 u. 1886, ungar. 1881, russ. 1887);
    Statistik u. Gesellschaftslehre I, 1895, 21914, II, 1897, 21922/26, III, 1909/17 (russ. Übers. v. I u. II, 1899–1901, 1921/22);
    zahlr. statist. Unterss., z. T. selbständig, z. T. in d. v. ihm 1869 begr. Zs. d. Kgl. Bayer. Statist. Bureaus;
    ferner zahlr. Artikel zu Gegenstand u. Methode d. Statistik in d. v. ihm 1890 begr. Allg. Statist. Archiv.

  • Literatur

    Gesch. u. Einrichtung d. amtl. Statistik im Kgr. Bayern, 1895, S. 31-41;
    J. R. Mucke, Das hist. Princip d. Statistik gegenüber G. v. M.s Begriff d. Statistik als Wiss. v. d. socialen Massen, 1900;
    R. Wassermann, G. v. M. als Kriminalstatistiker u. Kriminalsoziologe u. d. moderne Methodenlehre, in: Mschr. f. Kriminalpsychol. u. Strafrechtsreform 7, 1911, S. 577-84;
    F. Zahn, in: Allg. Statist. Archiv 15, 1925, S. 1-6;
    E. Würzburger, in: Metron VI, Nr. 2, 1926, S. 218-26 (W-Verz.);
    Hundert J. Bayer. Statist. Landesamt, 1933, S. 24-31 (P);
    W. Henninger, in:|Allg. Statist. Archiv 31, 1942/43, S. 335-42;
    150 J. Amtl. Statistik in Bayern v. 1833 bis 1983, 1983, S. 11, 13 (P);
    Hdwb. d. Staatswiss. VI, 31910, S. 640-43 (W-Verz.);
    Schärl.

  • Autor/in

    Rita Aldenhoff
  • Empfohlene Zitierweise

    Aldenhoff, Rita, "Mayr, Georg von" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 561-563 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116973145.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA