Lebensdaten
1828 bis 1903
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Architekt ; Kunsthistoriker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116941685 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mothes, Oscar

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

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Zitierweise

Mothes, Oscar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116941685.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. stammt aus d. Erzgebirge u. ist hier seit d. Mitte d. 16. Jh. nachweisbar. Zu ihr gehören Johann Christian (1704–82), kursächs. Blaufarbenwerkskommunfaktor, Vf. e. Gesch. d. Blaufarbenwerke bis 1711 (Hs. im HStA Dresden), Gottlob Friedrich (1766-n. 1818), Markscheider in span. Dienst in Südamerika (s. L), u. Josef (* 1784), preuß. Geh. Hofrat, Landesbestallter in d. Niederlausitz, Gründer d. niederlausitz. Provinzialsparkasse in Lübben. – V August Ludwig (1794–1856), Dr. iur., Gerichtsdir., Konsulent d. Kramer-Innung in L., S d. Christian Gottlieb (1758–1816), Ratsherr u. Bgm., Geleits- u. Landakziseeinnehmer in Werdau, u. d. Christiane Caroline Klotz aus Werdau;
    M Therese (1805–69), T d. Adolph Samuel Richter (1756–1807), Kauf- u. Handelsherr, Kramermeister in L., u. d. Johanne Caroline Riccius (1772–1842) aus L.;
    Vt Ernst Julius Meier (1828–97), Sup. u. Oberhofprediger in D., Vizepräs. d. Landeskonsistoriums (s. ADB 52);
    Dresden-Neustadt 1854 Juliane Caroline (1825–85), T d. Polizeiwachtmeisters Johann August Wohlgeth in L., u. d. Juliane Knepper;
    1 S, 2 T.

  • Leben

    M. genoß eine sorgfältige Erziehung. 1845 nahm er als „Atelierjüngster“ Gottfried Sempera das Studium der Architektur in Dresden auf. Dieser zog ihn bald zu Entwurfsaufgaben für die Hamburger Nikolaikirche heran. 1847, ein Jahr vor Beendigung seiner Studien bei|Semper, erhielt M. den ersten selbständigen Auftrag für Entwurf und Bau der Dorfkirche (heute Christuskirche) in Rüdigsdorf (Kohren-Sahlis, Reg.-Bez. Leipzig). 1848/49 ausgeführt, gehört sie zu den frühen Zeugnissen der Neugotik in Sachsen. 1849 trat M. in den Dienst der sächs. Armee und nahm an den Straßenkämpfen in Dresden teil. Nach Reisen durch Italien und Spanien 1851/52 ließ er sich 1853 als Architekt in Leipzig nieder. Während der folgenden beiden Jahrzehnte war er vor allem mit Neu- und Umbauten von Schlössern und Villen beschäftigt; seit dem Ende der 70er Jahre wandte er sich verstärkt dem Bau und der Erhaltung von Kirchen zu. Mit Vorliebe errichtete er seine Bauten im gotischen Stil, doch verwendete er gelegentlich auch romanische Formelemente. 1884 nahm M. seinen ständigen Wohnsitz in Zwickau, wo er bis 1891 die Restaurierung des Doms St. Marien und die Neubauten der Kirchen in Reinsdorf (1889–91, neugotisch) und Wilkau-Haßlau (1890/91, neuromanisch) leitete.

    Neben einer Reihe umfassender Werke zur frühchristlichen und mittelalterlichen Architektur veröffentlichte M. mehrere Sachwörterbücher und Handbücher für die Praxis. Intensiv beteiligte er sich an der seit dem Wiederaufbau der Hamburger Nikolaikirche 1844/45 geführten Diskussion um die liturgisch und symbolisch angemessene Gestalt des prot. Kirchenbaus. In dem nach 1891 entstandenen Streit zwischen den Vertretern des Eisenacher Regulativs von 1861 (neuluth.-konservativ) und des Wiesbadener Programms von 1891 (liberal-protestantisch) vertrat M. eine durch die Tradition legitimierte, für Erneuerung offene, eigenständige Position. Sein „Handbuch des evangelischchristlichen Kirchenbaues“ (1898) war zugleich ein Gegenentwurf zu dem von der Vereinigung Berliner Architekten 1893 herausgegebenen Werk „Der Kirchenbau des Protestantismus von der Reformation bis zur Gegenwart“, dem er jedoch die Wertschätzung nicht versagte. – M. hatte u. a. den Vorsitz des von ihm 1867 mitgegründeten Vereins für die Geschichte Leipzigs inne (1869-82) und regte hier die Sammlung „historischer Altertümer“ an, die heute den Grundstock des Leipziger Stadtgeschichtlichen Museums bilden. Er war Ehrenmitglied des Leipziger Kunstvereins (seit 1876) und Vorsitzender des Leipziger Bildungsvereins (1861–62).|

  • Auszeichnungen

    Ehrenmitgl. d. „Sociedad Científica“ v. Murcia.

  • Werke

    Insgesamt mehr als 70 Neu- und Umbauten;
    Profanbauten u. a.: Schloß Püchau, Innenräume, nach 1853;
    Schloß Lützschena (Umbau), n. 1856;
    Schloß Sahlis (Umbau), 1858;
    Schloß Altenhain, 1859;
    Schloß Großzschocher (Umbau), um 1860;
    Leipzig, Villa Keil, 1860/61;
    Schloß Wiesenburg (Umbau), 1864-66;
    Leipzig, Villa zur Julburg, 1873/74. – Kirchenneubauten (z. T. unter Verwendung älteren Mauerwerks): Lützschena b. Leipzig, Schloßkirche, 1855 (vollst. äußerer u. innerer Umbau unter Hinzufügung e. Turms an d. Westseite, neugot.);
    Karlsbad, anglo-amerikan. Kirche, 1876/77 (jetzt ev.-methodist., „Early-english“);
    Leipzig, anglo-amerikan. Kirche, 1884/85 („im Styl des Überganges vom Anglo-normannischen zum Early-english“, 1943 zerstört);
    Herrmannsgrün-Mohlsdorf b. Greiz, 1877-89 (neugot.);
    Greiz-Pohlitz, 1892/94 (neuroman.). – Restaurierungen: Leipzig, Matthäikirche, 1877/80 (umfassende Außen- u. Innenrestaurierung mit freier Rekonstruktion d. Chores, in neugot. Formen, 1943 zerstört);
    Annaberg-Buchholz, St. Annenkirche, 1882-84 (umfassende neugot. Innenerneuerung). – Schrr.: Allg. dt. Bauwörterbuch, 1858/59;
    Gesch. d. Baukunst u. Bildhauerei Venedigs, 2 Bde., 1859/60;
    Die Basilikenform b. d. Christen d. ersten Jhh., ihre Vorbilder u. ihre Entwicklung, 1865 (21869);
    Ill. Bau-Lex., 1874, 4 Bde., 41881-83;
    Hdb. f. Hausbes. u. Baulustige, 1883;
    Die Baukunst d. MA in Italien, 5 T., 1882–83, 1884;
    Ev.-kirchl. Kunst u. ihre Widersacher, 1889;
    Ill. archäolog. Wörterbuch d. Kunst, 2 Bde., 1874–77, 1878 (mit H. A. Müller);
    Restaurierung an u. in Kirchen, in: Christl. Kunstbl. f. Kirche, Schule u. Haus, Nr. 6, Nr. 8, Jg. 1895, S. 83 ff., 117 ff.

  • Literatur

    O. M., Der Gründer d. Ver. f. d. Gesch. Leipzigs, in: Der Leipziger, 1919, S. 140 (P);
    H. Mai, Der Kirchenbau d. 19. u. frühen 20. Jh. in Thüringen, in: Laudate Dominum, Thüringer kirchl. Stud. III, 1976, S. 183-204 (mit Abb.);
    W. Hocquél, O. M., in: Baumeister u. Bauten, 1990, S. 238-39 (P);
    H. Magirius, Gesch. d. Denkmalpflege, Sachsen, 1989;
    ders. u. H. Mai, Dorfkirchen in Sachsen, 21990;
    H. Mai, Kirchen in Sachsen, 1992;
    W. Fellmann, 125 J. Leipziger Gesch.ver.: 1867-1992, 1992;
    Die Bau- u. Kunstdenkmäler v. Sachsen, hrsg. v. Landesamt f. Denkmalpflege Sachsen, Stadt Leipzig, Die Sakralbauten, 1995;
    ThB. – Zur Familie: K. Steinmüller, Ahnentafel Wiede, 1940. – Zu Gottlob Friedrich: R. Gicklhorn, in: Der Anschnitt 17, 1965, S. 28-33.

  • Portraits

    Hochrelief am Schlußstein d. Portals d. Schlosses Wiesenburg, Abb. b. Hocquél, s. L, S. 239.

  • Autor/in

    Katharina Flügel, Hartmut Mai
  • Empfohlene Zitierweise

    Flügel, Katharina; Mai, Hartmut, "Mothes, Oscar" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 224 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116941685.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA