• Genealogie

    V Karl (1846–97), Oberpostsekr., S d. Bauern u. Wirts Gg. Leonhard in Archshofen/Tauber u. d. Anna Maria Gaißendörfer;
    M Mathilde (1853–1908), T d. Lokomotivführers Wilh. Leins in Eßlingen u. d. Frieder. Marie Fallscheer;
    Darmstadt 1911 Johanna (1886-1962), T d. Landger.dir. Wilh. Zimmermann (1850–1912) in Darmstadt u. d. Johanna Meletta;
    1 S, 1 T, u. a. Hans Gg.|(* 1912), Oberstudienrat, Honorarprof. f. Alte Gesch. in G.

  • Leben

    G. studierte in Heidelberg und Gießen klassische Philologie und Germanistik. Unter seinen Lehrern übte der Religionshistoriker A. Dieterich richtungweisenden Einfluß auf ihn aus (1906 Promotion Gießen, Dissertation: „De stellarum appellatione et religione Romana“). Seit 1906 wirkte G. als Lehrer für alte Sprachen und Deutsch am humanistischen Gymnasium in Gießen (Versetzung in den Ruhestand als Oberstudienrat 1934). Zur Beanspruchung durch die Schule trat nach Habilitation (mit der Schrift „Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der Begriffe Ananke und Heimarmene“, 1914) und dem mehr als 4jährigen Kriegsdienst noch die akademische Lehrtätigkeit an der Universität Gießen (1920 außerordentlicher Professor). Erleichterungen brachten seit 1925 allerdings längere Beurlaubungen zu Studienreisen. – Auf seinem Spezialgebiet, der Geschichte der antiken Sternkunde und Astrologie und ihres Nachwirkens in Mittelalter und Neuzeit, nahm G. seit dem Tod Franz Bolls (1924) neben F. Cumont, A. Rehm, V. Stegemann und A. Warburg eine führende Stellung ein. Seine einzigartige Leistung, wenn auch nicht durch eine seinen Verdiensten entsprechende akademische Würde belohnt, fand bei den Fachgenossen ungeteilte Anerkennung. Die reichen Ergebnisse seiner schwierigen Untersuchungen sind bis auf wenige Ausnahmen – etwa die Herleitung des Tierkreises ausschließlich von Ägypten und die Auffassung gewisser Ausdrücke der hermetischen Astrologie als Namen von Sternbildern – unbestritten geblieben. Er bearbeitete eine stattliche Reihe von astronomischen und astrologischen Stichwörtern, besonders Sternbildern, in der Real-Encyclopädie der klassischen Altertumswissenschaft von Pauly-Wissowa-Kroll. Die Überlieferungen über die Dekansternbilder, die bis in die Renaissance eine bedeutende Rolle gespielt haben, behandelte er in „Dekane und Dekansternbilder“ (1936) erschöpfend und abschließend. Sein wissenschaftliches Lebenswerk hat seinen Höhepunkt gefunden in der Entdeckung und Auswertung einer der aufschlußreichsten und im Grundstock ältesten Quellen der antiken Astrologie, des Liber Hermetis Trismegisti, wodurch ganz neue Einsichten in die Abhängigkeitsverhältnisse der astrologischen Schriften des Altertums gewonnen und unsere Kenntnisse von der Geschichte der Sternbilder in wesentlichen Zügen geklärt und bereichert wurden.

  • Werke

    Weitere W u. a. Sterne u. Sternbilder im Glauben d. Altertums u. d. Neuzeit, 1922;
    Sternglaube, Sternrel. u. Sternorakel, 1933;
    Astronomie, Astralrel., Astralmythologie u. Astrologie, Darst. u. Lit.ber. 1907–33, in: Bursian-Jberr. 243, 1934;
    Neue astrolog. Texte d. Hermes Trismegistos, 1936;
    Sternbilder, Sternglaube u. Sternsymbolik b. Griechen u. Römern, in: Roscher’s Lex. d. Mythol. VI, 1937, Sp. 861-1071. - Neubearb. u. Erg.: F. Boll, Sternglaube u. Sterndeutung, 31926, 41931.

  • Literatur

    A. Rehm, W. G.s wiss. Lebenswerk, in: W. G. z. Gedächtnis, 1947;
    H. G. Gundel, Der Lebensweg W. G.s, ebd. (ausführl. W-Verz. [122 Nr.], P);
    ders., in: Festschr. d. Univ. Gießen z. 350j. Bestehen, 1957, S. 203, 208, 213 f.;
    H. Hepding, in: Nachrr. d. Gießener Hochschulges. 19, 1950, S. 105-22;
    Epistula Gymnasii Ludoviciani Gissensis, 1960, Nr. 22, S. 18-20.

  • Autor/in

    Anton Scherer
  • Empfohlene Zitierweise

    Scherer, Anton, "Gundel, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 312 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116925434.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA