Lebensdaten
1881 bis 1958
Geburtsort
Ansbach
Sterbeort
Innsbruck
Beruf/Funktion
Nationalökonom ; Soziologe
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 116911425 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Günther, Gustav Adolf
  • Günther, Adolf
  • Günther, Gustav Adolf

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Zitierweise

Günther, Adolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116911425.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Siegmund (s. 2);
    1912 Anna Mundt;
    2 S, 1 T.

  • Leben

    G. studierte in München, Kiel und Erlangen Philosophie, Rechts- und Staatswissenschaften und schloß seine Studien 1905 mit der Promotion als Schüler Brentanos ab (Dr. iur. et rer. pol.). Danach war er einige Jahre an statistischen Ämtern, in der Leitung des Technikerverbandes und 1918-20 im Arbeitsministerium tätig. 1910 habilitierte er sich an der Universität Berlin (1915 Professor), folgte 1920 einem Ruf an die Handelshochschule Nürnberg (1921/22 Rektor), gleichzeitig lehrte er als Honorarprofessor an der Universität Erlangen. 1923 wurde G. als ordentlicher Professor an die Universität Innsbruck (1927/28 Rektor), 1940 als ordentlicher Professor für Politische Ökonomie und Gesellschaftslehre an die Wiener rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät berufen. 1948 wurde er emeritiert.

    Mit der „Geschichte der älteren bayerischen Statistik“ (1910) habilitierte sich G. an der philosophischen Fakultät der Universität Berlin; die beiden Referenten waren Gustav Schmoller und Adolf Wagner, deren historische und sozialpolitische Anschauungen den persönlichen wissenschaftlichen Neigungen G.s entgegenkamen. So zeichnen sich schon am Beginn seiner wissenschaftlichen Entwicklung die Hauptinteressengebiete ab: Geschichtliche Bevölkerungs-, Wirtschafts- und Sozialstatistik und Sozialpolitik. G.s sozialpolitische Interessen haben ihren bedeutendsten Niederschlag in seiner „Theorie der Sozialpolitik“ (1922) gefunden. Dieser Versuch einer theoretischen Grundlegung der Sozialpolitik war deshalb von besonderer Bedeutung, weil damals die „Sozialpolitik“ als „praktische“ Disziplin behandelt wurde, und zwar meistens ohne befriedigende theoretische Klärung ihres Erkenntnisobjektes. Ein weiteres Charakteristikum des Werkes liegt darin, daß die Sozialpolitik als ein Teil der Gesellschaftslehre aufgefaßt wird und daß die Sozialpolitik als ein Bereich erkannt wird, in dem sich Wirtschaft, politische Macht, Ethik und Kultur verbinden.

    Während der Innsbrucker Zeit entstand jenes Werk, das G. selbst als sein vornehmlichstes Lebenswerk bezeichnet hat: „Die alpenländische Gesellschaft“ (1930). In vier großen Kapiteln wird das Leben der alpenländischen Gesellschaft in sozialer, politischer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht dargestellt, und zwar mit Orientierung an den theoretischen Richtlinien der Soziologie Seine Betrachtungsweise ist universal und zieht die Erkenntnisse und Forschungsmethoden der Historie, Geographie, Volkswirtschaftslehre, Volks- und Siedlungskunde, Ethnographie und der Literatur- und Kunstgeschichte heran. – G. hat nach 1933 mehrere Arbeiten veröffentlicht, die ideologischen Charakter haben und von nationalsozialistischen Gedankengängen bestimmt sind. Nach dem Kriege lebte G. in Innsbruck und beschäftigte sich mit der Entwicklung und den Problemen der gewerblichen Wirtschaft Tirols.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Wien.

  • Werke

    Weitere W Dt. u. franz. Soz.pol., 1919;
    Rückkehr z. Weltwirtsch., 1922, = Hdb. d. Wirtsch.- u. Soz.-wiss. IX;
    Die wirtsch. Beziehungen zw. d. Dt. Reich u. Österreich, 1929;
    Südbayern u. Westösterreich zu Beginn d. 19. Jh., 1933;
    Frankreich u. s. Überseebereich in d. Weltwirtsch., 1936;
    Gemeinschaft u. Kollektivismus, hrsg. v. d. Arbeitswiss. Inst. d. Dt. Arbeitsfront, 1940;
    Der Rassegedanke in d. weltanschaul. Auseinandersetzung unserer Zeit, 1940;
    Der sudetendt. Volkstumskampf im Spiegel d. Grenzlandromans, 1943;
    Die gewerbl. Wirtsch. in Tirol, Tatsachen u. Probleme, 1951, = 3. Bd. d. Festgabe z. 100-J.-Feier d. Tiroler Handelskammer. - Zahlr. Publ. in d. Schrr. d. Ver. f. Soc.pol. u. in d. Fachzss.:
    Schmollers Jb., Jbb. f. Nat.ökonomie u. Statistik, Zs. f. Nat.ökonomie, Statist. Zbl.

  • Literatur

    Th. Pütz, in: Alm. d. Wiener Ak. f. d. J. 1958;
    Internat. Soziologen-Lex., 1959.

  • Autor/in

    Theodor Pütz
  • Empfohlene Zitierweise

    Pütz, Theodor, "Günther, Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 265 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116911425.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA