Lebensdaten
1855 bis 1940
Geburtsort
Oppeln (Oberschlesien)
Sterbeort
Eisenach
Beruf/Funktion
Schiffbauingenieur ; Maschinenbauingenieur ; Werftdirektor
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116901284 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nawatzki, Viktor

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Zitierweise

Nawatzki, Viktor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116901284.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1798–1886), Grundbes. in O.;
    M Sophie Zimmermann (1829–98);
    Naumburg/Saale 1889 Olga (1860–1943), T d. Bernhard Langkavel (1825–1902) aus Stettin, Dr. phil., klass. Philologe u. Naturforscher, Gymnasiallehrer (s. BJ VII, Tl.), u. d. Therese Hermann;
    3 S, 3 T.

  • Leben

    Mit 16 Jahren verließ N. das Gymnasium und arbeitete zunächst ein Jahr in der Maschinenfabrik Gleiwitzer Hütte, danach trat er eine 18monatige Seereise an. Wegen mangelnder Seetauglichkeit holte er auf der Oberrealschule in Gleiwitz das Abitur nach und studierte 1877-80 Schiff- und Maschinenbau an der TH Charlottenburg. 1881-86 arbeitete er auf der Hamburger Werft „Blohm & Voß“, anschließend auf der Werft von Joseph Lambert Meyer (1846–1920) in Papenburg. 1887 übernahm N. nach dem Tod Carl Langes (1819–87), des Sohnes des Werftgründers Johann Lange, die Leitung der „Joh. Lange Werft“ in Bremen-Vegesack, die bisher nur in bescheidenem Rahmen im Eisenschiffbau tätig war. Vergeblich versuchte N. seinen ehemaligen Chef, J. L. Meyer, von Papenburg nach Bremen zu holen, indem er ihm die „Lange Werft“ zum Kauf anbot. Im Oktober 1893 erfolgte unter der Kapitalbeteiligung von Bremer Großkaufleuten die Umwandlung der Werft in die „Bremer Vulkan Schiffbau und Maschinenfabrik AG“. Diese wurde 1895 mit der in Liquidation befindlichen „Bremer|Schiffbaugesellschaft“, vormals Werft von H. F. Ulrichs, vereinigt, wodurch dem „Vulkan“ ein günstiger gelegenes Betriebsgelände am Weserufer zufiel. Unter N.s Leitung entwickelte sich die Werft bis etwa 1910 im Bereich des Handelsschiffbaus zum führenden Betrieb in Deutschland. Zu den Auftraggebern gehörten in erster Linie der „Norddeutsche Lloyd“, aber auch die „Hapag“ und andere Bremer und Hamburger Reedereien. Während des 1. Weltkrieges wurden auf staatlichen Druck hin auch U-Boote gebaut. 1916 wurde August Thyssen neuer Mehrheitsaktionär, der nach 1918 entscheidenden Einfluß auf die Geschäftspolitik erhielt und engeren Kontakt zu einer weiteren Thyssenerwerbung, der „Flensburger Schiffbau-Gesellschaft“, schuf, deren Aufsichtsratsmitglied N. 1922-36 war. 1922 schied N. als Werftdirektor des „Vulkan“ aus, nachdem er die Anfangsschwierigkeiten der ersten Nachkriegsjahre in der Ankurbelung des Schiffbaus überwunden, den Dieselmotorenbau aufgrund eines Lizenzabkommens mit der „Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg“ (MAN) aufgenommen und die Ausführungsrechte für die Schiffsturbinen, Bauart Thyssen-Röder, erworben hatte. Er hinterließ seinen Nachfolgern ein Unternehmen, das auch Fusionsangebote der „Deschimag“ ausschlagen, Dividenden erwirtschaften und die Weltwirtschaftskrise leidlich überstehen konnte. N. übernahm bis zu seinem Tode den Vorsitz im Aufsichtsrat. Seinen Ruhestand verbrachte er in Eisenach.

    In den rund vierzig Jahren der Ära Nawatzki war der „Vulkan“ von einem kleinen, unbedeutenden Schiffbaubetrieb mit ca. 60 Mitarbeitern zu einer Großwerft aufgestiegen, die zeitweise bis zu 4500 Arbeitnehmer beschäftigte. 1920 gehörte N. der Delegation an, die bei den Verhandlungen über die Auslieferung des deutschen Schiffsmaterials an die Alliierten die Interessen der Reeder und Werften vertrat. 1921-23 war er Vertreter der Werften bei dem „Reichsausschuß für den Wiederaufbau der Handelsflotte“ und Mitglied des Aufsichtsrates der „Schiffbau-Treuhandbank“, der die Finanzierung durch das Reich oblag. Er gehörte den Vorständen verschiedener Industrieunternehmen an und war im „Reichsverband der Deutschen Industrie“, im „Verein Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller“ und im „Verein der deutschen Schiffswerften“ in leitender Funktion tätig. – Ehrenbürger d. TH Charlottenburg (1922), Ehrenmitgl. d. Schiffbautechn. Ges. (1924), Karl-Karmarsch-Gedenkmünze d. TH Hannover (1927).

  • Werke

    Das eiserne Feuerschiff „Weser“, in: VDI-Zs. 34, 1890, S. 950-55.

  • Literatur

    Jb. d. Schiffbautechn. Ges. 42, 1941, S. 60 f. (P);
    150 J. Schiffbau in Vegesack, hg. v. Bremer Vulkan, 1955 (P);
    W. Krawietz, Die wirtsch. Entwicklung d. Schiffbaues an d. Unterweser v. 1800 bis 1960, Diss. Erlangen-Nürnberg 1966, S. 154-79;
    100 J. Flensburger Schiffsbau-Ges., 1972;
    P. Kuckuk u. a. (Hg), Spanten u. Sektionen, Werften u. Schiffbau in Bremen u. d. Unterweserregion im 20. Jh., 1986, S. 49-61 (P);
    H. Roder, Der Bremer Vulkan, 2 T., 1987 (P);
    R. Eilers u. K. P. Kiedel, Meyer Werft, Sechs Generationen Schiffbau in Papenburg 1795-1988, 1988;
    Der Staat Bremen, Hist.-biogr. Bll., hg. v. J. Eckstein, 1906-11 (P);
    Rhdb. (P);
    Brem. Biogr. – Nachlaß: StA Bremen.

  • Autor/in

    Lars U. Scholl
  • Empfohlene Zitierweise

    Scholl, Lars U., "Nawatzki, Viktor" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 3-4 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116901284.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA