Lebensdaten
1882 bis 1949
Geburtsort
Budapest
Sterbeort
Epsom (Surrey/England)
Beruf/Funktion
Komponist ; Chorleiter ; Musikschriftsteller
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 116899530 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Loewenfeld, Erwin (eigentlich)
  • Professor Devinal (Pseudonym in England)
  • Lendvai, Erwin
  • mehr

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Lendvai, Erwin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116899530.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Albert Loewenfeld ( 1925), Rechtsanwalt;
    M Paula Kozma (aus ital. Musikerfam.), Sängerin;
    1) Erna Dircksen, 2) Margit Stapelfeld;
    1 K.

  • Leben

    L. studierte an der Musikakademie Budapest bei H. Koessler, 1905 mit einem Stipendium in Italien, u. a. in Mailand bei Puccini, der ihn 1906 nach Deutschland empfahl. Seit 1909 war L. in Berlin, von wo ihn J. Dalcroce 1913 als Theorielehrer nach Hellerau an die Bildungsanstalt für rhythmische Gymnastik holte. 1914-20 war er Kompositionslehrer am Berliner Klindworth-Scharwenka-Konservatorium und wirkte danach in Weimar. Seit 1922 leitete er den Musikverein in Jena und wurde 1923 Lehrer für Theorie und Chorgesang an der von F. Jöde gegründeten Volksmusikschule in Hamburg sowie Leiter des Altonaer Lehrergesangvereins. 1925 lebte L. in San Remo und beschäftigte sich dort vornehmlich mit seinen Kompositionen. 1926/27 übernahm er die Leitung des Männergesangvereins Rheinland in Koblenz, 1928 die des Volkschors München-West zusammen mit der Volksoper und wirkte nach der Zwischenstation Erfurt (bis 1930) im Saarland. Sängerbund bis zu seiner Vertreibung durch die Nazis, die die Aufführung seiner Kompositionen unterbanden. Die Emigration führte ihn über Paris, die Schweiz (1935), Jugoslawien, Ungarn, Polen, Schweden 1938 nach Kenninghall bei Norwich in England, wo er als Musiklehrer wirkte.

    Der Arbeiterchorbewegung und zeitweise auch der Jugendmusikbewegung nahestehend, galt L.s Tätigkeit vornehmlich der musikalischen Volksbildung. Er war der erste bürgerliche Komponist der Nachkriegszeit, „der eine große Anzahl Kompositionen direkt für die Arbeiterbewegung schrieb“ (Hanns Eisler, 1934). Sein kompositorisches Schaffen umfaßt hauptsächlich Vokalwerke, darunter über 450 Chorkompositionen aller Gattungen und Besetzungen. Anknüpfend an die klassische Chorpolyphonie, prägte L. unter Verwendung von musikalischen Mitteln der 20er Jahre, die anfänglich Befremden auslösten, einen für die erste Jahrhunderthälfte als Neuerung wirkenden freipolyphonen Chorstil, der künstlerischen Anspruch mit Einfachheit und leichter Sangbarkeit (auch in den Mittelstimmen) verbindet. Seine Kompositionen stellten insbesondere die Männerchöre der Arbeiterbewegung vor neue Aufgaben, wiesen aber auch den Frauen-, gemischten und sonstigen Chören neue Wege, so daß sie bald große Verbreitung fanden. 1928 hatten beim Arbeitersängerbundfest in Hannover 32 Chöre L.s Kompositionen im Programm. Sie trugen zur Öffnung von festgefahrenen Liedertafeltraditionen bei und gehören auch heute noch mitunter zum Chorrepertoire. Auch mit großen Musikgattungen setzte sich L. auseinander, so in kantatenartigen Kompositionen wie „Psalm der Befreiung“ (für Männerchor, Sopran und Orchester op. 75, 1931) oder dem Festspiel „Völkerfreiheit“ (1930) im Kontext von Feiern der Arbeiterbewegung. Hinzu kommen zahlreiche Volksliedbearbeitungen sowie Instrumentalkompositionen.

    Als Lehrer beeinflußte L. die jüngere Generation der Chorkomponisten, darunter W. Rein, und war für die Weiterbildung von Chorleitern der Arbeitermusik- und Laienchorbewegung sowie als Herausgeber tätig. Als Musikschriftsteller verfaßte er zahlreiche Kritiken und Artikel für die Musikalische Rundschau der Sozialistischen Monatshefte (1919–25) sowie für verschiedene Sängerzeitschriften und die Presse seiner jeweiligen Wohnorte.

  • Werke

    Weitere W Gemischte Chöre: Minnespiegel op. 22, Stimmen d. Seele op. 25, Chorvariationen op. 28, Monumenta gradualis op. 37;
    Männerchöre: op. 17, 19 (darin Glockenlied, Einklang, 1925), Minnelieder op. 21 (Flamme mit Baritonsolo), op. 24, 26, Des Schäfers Dafnis erster Liederkranz, Texte v. A. Holz, op. 29, 31, 38, 41, 44, 48 a, Greif-Zyklus op. 52, 1928, Zyklus Weltgesang (darin Bußlied) op. 55, 65;
    - Sonstiges: Orchesterscherzo Masken op. 7, Streichquartett e-Moll op. 8. Sinfonie D op. 10 (1910), Bläserquintett As-Dur op. 23, Archaische Tänze f. Kammerorchester op. 30, Suite f. Kammerorchester op. 32, 5 Sonette f. Sopran u. Kammerorchester op. 33, Kosmische Kantate f. Männerchor u. Orchester op. 50, Oper Elga (1916/18), Nocturnus in 7 Szenen (1916/18). |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Dt. Staatsbibl. Berlin (Ost), Mus.abt. - W-Verz. bis 1930 in: Zs. d. Saar-Sängerbunds 11, 1932, S. 205 f. (Sonderh. f. L.).

  • Literatur

    H. Leichtentritt, E. L., 1912;
    ders., in: Simrock-Jb. 3, 1930/34, S. 150-59 (P);
    W. Rein, in: Die|Musikantengilde 1, 1922/23, S. 9 f.;
    M. Nespital, Das dt. Proletariat in s. Lied, 1932;
    H. Eisler, Gesch. d. dt. Arbeitermusikbewegung v. 1848 (1934) in: H. Eisler, Musik u. Pol., Schrr. 1924–48, 1973, S. 219;
    H. Gappenach, L., Schöpfer d. modernen Chorsatzes, in: Festschr. d. Württ. Sängerbundes, 1952, S. 53 f.;
    ders., in: Der Chor 4, 1952, S. 82 f.;
    ders., in: Melos 10, 1953, S. 173 f. (P);
    ders., in: Der Chor 10, 1958, S. 173 f. (P);
    ders., ebd. 11, 1959;
    ders., Rein - Jöde - L., in: Kontakte 1960;
    ders., E. L.s „Einklang“, Die Gesch. e. berühmten Chorwerks, in: Lied u. Chor 54, 1962;
    Ak. d. Künste d. DDR (Hrsg.), Arbeiterkl. u. Musik, 1974, S. 32, 166, 176;
    MGG VIII (W, P);
    Riemann;
    BHdE II.

  • Autor/in

    Hubert Kolland
  • Empfohlene Zitierweise

    Kolland, Hubert, "Lendvai, Erwin" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 202 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116899530.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA