Lebensdaten
1622 bis 1701
Geburtsort
Fürstenwalde
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Botaniker ; Arzt ; Sinologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116885890 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mentzel, Christian

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Zitierweise

Mentzel, Christian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116885890.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christoph ( 1639), Bgm. in F.;
    M Maria, T d. Ratsherrn Johannes Felbinger in F.;
    Berlin 1658 Anna Eva, T d. Landschaftseinnehmers Johann Falkenhagen;
    4 S, 1 T, u. a. Johann Christian (1661–1718), preuß. Hofarzt.

  • Leben

    Die Kindheit Ms war von Pestepidemien und den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs überschattet. Nach der Schulzeit am Joachimsthalschen Gymnasium in der Uckermark (1630–36) bis zu dessen Verwüstung durch die Schweden und am Köllnischen Gymnasium in Berlin (1636/37 und 1639-43) studierte er seit 1643 Medizin an der Univ. Frankfurt/Oder und seit 1646 an der Univ. Königsberg. 1647 begleitete er den kurbrandenburg. Gesandten Creitz nach Warschau und Krakau. Ein Jahr später übernahm M. den botanischen und anatomischen Unterricht am akademischen Gymnasium in Danzig. Als Frucht gründlicher Exkursionen erschien 1650 der Katalog von „hundert rings um das edle Danzig frei wachsenden Pflanzen“ als Ergänzung zur Danziger Flora des Nikolaus Oelhafen. Im selben Jahr verließ M. Danzig. Studienreisen führten ihn anschließend in die Niederlande und nach Italien, wo er das Medizinstudium an den Universitäten Bologna und Padua bei Fortunius Licetus fortsetzte und 1654 an letzterer zum Doktor der Medizin und Philosophie promoviert wurde. Auf dem Rückweg lernte er in Nürnberg den späteren Präsidenten der Leopoldina, Johann Georg Volckamer, kennen.

    Nach Beendigung der Reise ließ er sich in Berlin nieder und begann dort zu praktizieren. 1658 wurde er mit Beginn des Krieges gegen die Schweden zum Hof- und Lagerarzt ernannt und folgte dem Hauptquartier des Großen Kurfürsten. Er begleitete nach Beendigung des Feldzuges den Kurfürsten nach Kleve und Königsberg und wurde dort 1660 zum kurfürstl. Rat und Leibarzt ernannt. Wieder in Berlin, bemühte sich M. zusammen mit den übrigen Leib- und Hofärzten um das Zustandekommen einer brandenburg. Medizinalordnung. 1661 legten sie dem Kurfürsten den Entwurf zur Gründung eines Collegium medicum vor, der die Grundlage für das 1685 erlassene Medizinaledikt bildete. Das folgende Jahrzehnt verbrachte M. als Begleiter erkrankter Mitglieder der kurfürstlichen Familie sowie des Kurfürsten auf Feldzügen und längeren Reisen. 1685, mit dem Inkrafttreten der brandenburg. Medizinalordnung, wurde M. wegen seiner Funktion als Leibarzt Mitglied der obersten Medizinalbehörde, des Collegium medicum.

    Etwa um dieselbe Zeit übertrug ihm der Kurfürst die Verwaltung der chines. Büchersammlung. Für diese Aufgabe war M. schon|wegen der Beziehungen, die er zu europ. Forschern – vor allem Andreas Cleyer und Georg Eberhard Rumph -, die im Dienste der Niederländ.-Ostind. Compagnie standen, geknüpft hatte, besonders geeignet. Beide wurden Mitglieder der Leopoldina, und M. stellte aus ihren Briefen Abhandlungen für die „Miscellanea“ zusammen. Auch in den 80er Jahren begleitete M. den Kurfürsten mehrfach auf Reisen. Nach dem Tode Friedrich Wilhelms (1688) nahm er seinen Abschied. Er erhielt eine lebenslängliche Rente. 1692 übertrug er die Verwaltung der chines. Büchersammlung auf seinen Sohn Johann Christian. Seit seiner Verabschiedung widmete er sich – durch eine halbseitige schmerzhafte Schüttellähmung behindert – intensiv seiner vielfältigen wissenschaftlichen Tätigkeit, die ihn seit 1675, dem Jahr der Aufnahme in die Leopoldina, in steigendem Maße beansprucht hatte. M.s Briefe an Volckamer zeigen seine große Anteilnahme an den Angelegenheiten der Akademie, deren Ansehen und Entwicklung er fördern wollte.

    M. erhielt 1652 die von Moritz v. Nassau angelegte umfangreiche Sammlung brasilian. Originalzeichnungen und -bilder. Dieser war 1636 von der Niederländ.-Westind. Compagnie als Gouverneur nach Brasilien geschickt worden, um den Machtbereich der Niederländer zu erweitern, aber auch die wissenschaftliche Erschließung des Landes voranzutreiben. M. sichtete und ordnete 1660-64 dieses Material, konnte die Arbeit aber wegen der ständigen Unterbrechungen durch seine Teilnahme an den Feldzügen nicht vollenden. Mit einer 1676 erschienenen Arbeit über den „Bologneser Stein“ begann die regelmäßige, ansonsten medizinische Angelegenheiten behandelnde, Publikationstätigkeit M.s in den Miscellanea der Leopoldina. Diese Studie der „Phosphore“ (Lichtträger), die damals weite Kreise der Gelehrten beschäftigte, war einer der Gründe, weshalb sich M. 1678 für die Berufung des Chemikers Johann Kunckel an den brandenburg. Hof einsetzte.

    Mit großem Eifer und Erfolg setzte im 17. Jh. die Erkundung des Fernen Ostens ein, beträchtliches Material kam laufend nach Europa und harrte hier der wissenschaftlichen Bearbeitung und Auswertung. Der Kurfürst förderte M.s Beziehungen zum Fernen Osten, da er sich wertvolle Bereicherungen seiner Sammlungen und der Kurfürstl. Bibliothek versprach. Etwa sechzigjährig begann M. die chines. Sprache und Schrift zu erlernen. 1685 veröffentlichte er ein kleines lat.-chines. Wörterbuch, 1696 folgte eine chines. Chronologie. Der umfassendere Teil der chines. Studien blieb jedoch unveröffentlicht. Trotz vieler später erkannter Fehler in seinen Untersuchungen muß M., ähnlich dem Berliner Propst Andreas Müller, als ein für seine Zeit hervorragender Sinologe bezeichnet werden. Aufgrund seines Interesses an China stand auch Leibniz in brieflichem Kontakt mit M. und forderte ihn zu Veröffentlichungen auf. Erfolgreich bemühte sich M. um den Erwerb von Büchern und Handschriften für den Kurfürsten, vor allem von solchen botanisch-zoologischen und medizinischen Inhalts.

    M.s wissenschaftliches Interesse galt lebenslang der Botanik. Auf seinen Studienreisen sammelte er Pflanzen, die er aufgrund ihrer morphologischen Beschaffenheit systematisch einzuteilen suchte, wobei er erkannte, hierin ein Vorläufer Linnés, daß die Sexualität der Pflanzen dafür die Grundlage sein müsse. Seine Erkenntnisse fanden Eingang in die Bearbeitung der brasilian. Pflanzenbilder. Verdienste erwarb er sich weiterhin durch die Veröffentlichung von Abbildungen und Beschreibungen bisher in Europa unbekannter ostasiat. Pflanzen. Der Index der Pflanzennamen (1682) vereinigt die beiden Hauptinteressen des Verfassers, seine botanischen und philologischen Neigungen. In Verbindung mit dem Index entwarf er die Grundzüge einer wissenschaftlichen Pflanzengeographie. M. zählt zu den bedeutendsten Botanikern des 17. Jh.

    Ein großer Teil gerade der wesentlichsten Arbeiten M.s ist Fragment oder Entwurf geblieben. Mehrjährige Studienreisen und die unruhigen Jahrzehnte als Begleiter des Großen Kurfürsten oder seiner Angehörigen auf Reisen und Kriegszügen boten kaum Möglichkeiten zu kontinuierlicher wissenschaftlicher Arbeit. Auch die Mehrzahl der großen ganz oder nahezu vollendeten Werke blieb wegen der hohen Publikationskosten unveröffentlicht.

  • Werke

    Centuria plantarum circa nobile Gedanum nascentium, 1650;
    Lapis Bononiensis in obscuro lucens …, 1675;
    Index nominum plantarum universalis …, 1682, 21696;
    Pugillus plantarum rariorum, cum figuris aliquot aeneis …, 1682;
    Lexicon plantarum polyglotton universale, ex diversis, europaeorum, africanorum & americanorum linguis … Accessit Pugillus plantarum rariorum, cum figuris aliquot aeneis … Item corollariarum quarundam …rariorum plantarum Africae & Orientalis Indiae …, 1682, 21715;
    Sylloge Minutiarum Lexici latino-sinico-characteristici, 1685;
    Kurtze chines. Chronologia od. Zeit-Register aller chines. Kayser, von ihren also vermeinten Anfang d. Welt bis hierher zu unsern Zeiten, 1696.

  • Literatur

    ADB 21;
    Memoria Mentzeliana, in: Miscellanea curiosa sive Ephemeridum medico-physicarum|Germanicarum Academiae Caesareo-Leopoldinae naturae Curiosorum Dec. III, Annus VII et VIII, Appendix, 1702, S. 191-208 (P);
    C. Lesser, Nachr. e. v. D. M. angegebenen botan. Geographie, in: (C. Mylius') Physikal. Belustigungen, I, 1751, S. 321-27;
    W. Artelt, C. M., Leibarzt d. Großen Kurfürsten, Botaniker u. Sinologe, 1940 (P);
    ders., Med. Wiss. u. ärztl. Praxis im alten Berlin in Selbstzeugnissen, 1. T.: Von Elsholtz u. M. bis z. Ausgang d. 18. Jh., 1948, S. 12-21 (P);
    ders., C. M. u.s. Index nominum plantarum universalis, in: Acta Historica Leopoldina 9, 1975, S. 9-26;
    M. Stürzbecher, Btrr. z. Berliner Med.gesch., Qu. u. Stud. z. Gesch. d. Gesundheitswesens v. 17. bis 19. Jh., 1966, S. 1-43;
    R. Winau, C. M.s wiss. Interessen im Spiegel s. Btrr. in d. „Miscellanea Curiosa“, in: Fachlit. d. MA, FS f. G. Eis, 1968, S. 101-13;
    ders., C. M. u. d. Academia Naturae Curiosorum, Diss. Mainz 1970;
    ders., Der Hof d. Großen Kurfürsten als Mittelpunkt wiss. Forschung, Vorschläge z. Ed. d. Werke d. Leibärzte (Gesamtausg. C. M.), in: Werkstattgespräch (Berliner Ausgg.), hrsg. v. H.-G. Roloff, 1981, S. 30-40;
    ders., Medizin in Berlin, 1987, S. 11-25 (P);
    E. Kraft, Die chines. Bücherslg. d. Großen Kurfürsten u. s. Nachfolgers, in: China u. Europa, Chinaverständnis u. Chinamode im 17. u. 18. Jh., 1973, S. 18-25;
    C. M. u. d. Hof d. Großen Kurfürsten als Mittelpunkt weltweiter Forschung, Vorträge e. Symposiums in d. Mainzer Ak. d. Wiss. u. d. Lit., in: Med. hist. Journal 11, 1976, S. 1-156 (P);
    H. Bräuner, Europ. Chinakenntnis u. Berliner Chinastud. im 17. u. 18. Jh., in: Berlin u. China, 300 J. wechselvolle Beziehungen, 1987, S. 5-29.

  • Autor/in

    Michael Engel
  • Empfohlene Zitierweise

    Engel, Michael, "Mentzel, Christian" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 94-96 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116885890.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mentzel: Christian M., Sohn des Bürgermeisters M., wurde zu Fürstenwalde am 15. Juni 1622 geboren. Er studirte zu Frankfurt an der Oder und Königsberg Medicin und Naturwissenschaften. Nach vollendetem Studium unternahm er zu seiner weiteren Ausbildung eine Reise durch Polen, Holland, Italien, Malta, promovirte in Padua 1654. Nach seiner Rückkehr ließ er sich in Berlin als practischer Arzt nieder und wurde von dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm 1658 zum Leibarzt und churfürstlichen Rath ernannt. Er beschäftigte sich mit Vorliebe mit der Botanik und schrieb: „Catalogus plantarum circa Gedanum sponte nascentium“. Am bedeutendsten war sein „Lexicon plantarum polyglottum universale“, dessen letzte Auflage Berlin 1815 erschien; auch gab er eine „Kurze chinesische Chronologie aller chinesischen Kaiser“ heraus. M. starb am 27. Januar 1701 in Berlin.

  • Autor/in

    W. Heß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heß, Wilhelm, "Mentzel, Christian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 374 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116885890.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA