Lebensdaten
1942 bis 1973
Geburtsort
Wiesbaden
Sterbeort
Offenbach
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 116884207 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leisegang, Dieter

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Zitierweise

Leisegang, Dieter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116884207.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav (1896–1972), Maler u. Kartograph in Frankfurt/M., S d. Geschäftsmanns Engelbert u. d. Eva Eisert;
    M Margarethe (1904–80), T d. Handwerkers Jean Horn im Odenwald;
    B Joachim, Maler u. Bühnenbildner in O.;
    - 1964 Bärbel Kramer aus Mühlhausen (Thüringen);
    1 S.

  • Leben

    Nach dem Abitur am Frhr.-v.-Stein-Realgymnasium in Frankfurt studierte L. Philosophie, Germanistik und Geschichte an der Univ. Frankfurt, 1964-69 war er Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Bereits die während seiner Studienzeit veröffentlichten Gedicht- und Aphorismenbände zeigen eine Vorliebe für eigenwillig-subjektive Erfahrungsbereiche. Der Aufenthalt in der „Zauberberg“-Atmosphäre des berühmten Davoser Waldsanatoriums 1966 infolge einer schweren Lungenerkrankung, die Konfrontation mit der Hinfälligkeit physischer Existenz, vertiefte seinen Hang zur Introversion („Interieurs“, 1966; „Hoffmann am Fenster“, 1968), wiewohl die ernsten Motive dieser Sammlungen bisweilen in heiter-spielerischem Duktus gestaltet wurden. Vorläufig genesen, nahm er 1967 das Studium wieder auf und wurde 1969 bei Julius Schaaf und Theodor W. Adorno mit der Arbeit „Die drei Potenzen der Relation“ promoviert. Mit großer Energie wandte er sich daneben vielfältigen Aufgaben zu. Er gab die Lyrikreihe „ars poetica“ (1968-73) sowie die Beiträge zur Kultur „eidos“ (1969-73) heraus und nahm 1968-71 Lehraufträge für Ästhetik an der Werkkunstschule Offenbach und für Text und Rhetorik an der Fachschule für Industriewerbung und Absatzförderung in Kassel wahr.

    Seit 1970 war er Redakteur der Zeitschrift „design international“, seit 1971 Werbetexter in der Computerindustrie (Olivetti). Zudem wirkte er als Lehrbeauftragter für Geschichte der Philosophie an der Univ. Frankfurt, 1972 war er Gastdozent in Johannesburg (Südafrika). Gleichzeitig entstanden wissenschaftliche Abhandlungen, Fernsehberichte, Übersetzungen, Zeichnungen sowie die Übersetzung des Programmier-Handbuchs (IBM). Höchst produktiv und dabei merkwürdig unentschieden erscheint L. in diesen Jahren: „ein Vorwärts, das sein Treibendes vergaß“, heißt es im kurzen, gereimten „Lebenslauf“. Doch jene dahinter wirkende Kraft, die ihn schließlich zum lange vorausbedachten Freitod führte, dokumentiert eindringlich die letzte Lyriksammlung „Aus privaten Gründen“ (1973), deren Verse zu „lauter letzten Worten“ gerieten und die in schmerzlich-innigem Tenor auch das Versagen des bisherigen Palliativs der Liebe zu seiner Frau andeuten. L. konnte sich mit seinen Schriften, deren Reflexionen oft weit in der Mythologie ausholten und deren bevorzugte Themen Vergänglichkeit, Lebensdeutung und Kunst bewußt von „der Art früherer Zeiten“ waren, während der politisierten und experimentierfreudigen Jahre nach 1968 nur an der Peripherie des Kulturbetriebs bewegen. Dort allerdings führte er eine von konsequentem Engagement getragene intellektuelle Existenz, beharrlich das Individuelle gegen jede Vereinnahmung verteidigend.

  • Werke

    Weitere W. u. a Gedichte u. Prosa: Bilder d. Frühe, 1962 (Prosagedichte);
    Aufbruch d. Stille. 1963 (Prosa);
    Brüche, 1964 (Gedichte);
    Überschreitungen, 1965 (Gedichte);
    Unordentliche Gegend, 1971 (Gedichte, Aphorismen, Überss.);
    Bei Abwesenheit v. Wolken, 1972 (Aphorismen);
    Lauter letzte Worte, Gedichte u. Miniaturen, hrsg. v. K. Corino, 1980 (ausführl. W-Verz.). - Phil. Schrr.: Lücken im Publikum, Relatives u. Absolutes bei Kafka, 1972;
    Die Logos u. ihre Väter, 1972 (Abh. üb. d. ersten Rechenmaschinen);
    Dimension u. Totalität, Entwurf e. Philos. d. Beziehung, 1972. -
    Hrsg.: Das Neueste Gedicht, 1964-69 (mit H. Heiderhoff);
    Philos. als Beziehungswiss., Festschr. f. J. Schaaf, 1971 (mit W. F. Niebel).

  • Literatur

    H. Hinterhäuser, in: D. L. Interieurs, 1966 (Nachwort);
    H.-J. Heise, in: D. L., Hoffmann am Fenster, 1968, S. 50-54;
    ders., Hang zur Schwermut, Zum Tode D. L.s, in: Frankfurter Allg. Ztg., 30.3.1973;
    K. Corino, Das rettungslose Ich, Zur Lyrik D. L.s, in: Lauter letzte Worte, s. W, S. 199-213.

  • Autor/in

    Rüdiger Bolz
  • Empfohlene Zitierweise

    Bolz, Rüdiger, "Leisegang, Dieter" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 154 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116884207.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA