Lebensdaten
1848 bis 1904
Geburtsort
Gießen
Sterbeort
Höchst/Main
Beruf/Funktion
Chemiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116865768 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Laubenheimer, August

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Zitierweise

Laubenheimer, August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116865768.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst August (1813–62), Oberbaurat u. Mitdirigent d. Rhein-Weser-Bahn, S d. Otto Joh. Jak. (1787–1857), aus Buchsweiler, Oberbaudir. in Darmstadt, u. d. Maria Christina Hattenbach;
    M Auguste (1816–92), T d. Ludwig Becker, Hofgerichtsadvokat in Darmstadt, u. d. Caroline Welcker;
    B Theodor (1847–1904), Oberbaurat, Dir. d. Reichseisenbahnen in Lothringen;
    - Gießen 1873 Maria Henr. Joh. Emilie (1849–1926), T d. Fabr. Wilhelm Koch in Alsfeld u. d. Auguste Langermann;
    1 S, 1 T, Kurt (* 1877), Prof. d. Med. in Frankfurt/Main, Auguste ( Hans Koeppe, 1867–1939, Prof. d. Pädiatrie in Gießen).

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte L. 1866-69 in Gießen Chemie, vornehmlich bei dem Liebig-Schüler Heinr. Will, bei dem er nach der Promotion 1869 Assistent wurde. Nach Habilitation (1873) und Tätigkeit als Privatdozent wirkte er 1876-83 als ao. Professor am chemischen Laboratorium der Univ. Gießen; dabei entstanden zahlreiche Arbeiten über experimentelle Untersuchungen besonders von aromatischen Verbindungen. Nach dem Tode von Will 1883 wurde L. als Chemiker und erster Hochschullehrer zum Eintritt in die 1863 gegründete „Actien-Ges. Farbwerke vorm. Meister Lucius & Brüning“ („Farbwerke Hoechst AG“) gewonnen, wo er anfangs in der Farbstoffproduktion tätig war und seine Erfahrungen als Hochschullehrer noch in dem Lehrbuch „Grundzüge der organischen Chemie“ (1884) zusammenfassen konnte. Danach setzte für L. ein beruflicher Aufstieg ein, der ihn zur Ablehnung von Berufungen nach Darmstadt und Marburg veranlaßte: 1885 Prokura und Wahrnehmung aller Patentinteressen der Firma, 1887-1903 Vorstandsmitglied.

    L.s wichtigstes Verdienst war der Ausbau des Arzneimittelbereichs der Farbwerke in Verbindung mit durch ihre bahnbrechenden Entdeckungen das völlig neue Gebiet der serologisch-immunologischen Behandlung von Infektionskrankheiten eröffnenden Forschern wie R. Koch, E. v. Behring, P. Ehrlich, Gaffky, Loeffler, Roux, Metschnikoff. Durch engere Zusammenarbeit mit ihnen und in ständigem Eintreten für zukunftsträchtige Investitionen gelang ihm 1892 der Abschluß eines ersten Vertrags mit R. Koch, der zur Einrichtung einer dann von Libbertz, Kochs Stellvertreter in Berlin, geleiteten bakteriologischen Station und im gleichen Jahr zur Herstellung des Kochschen Tuberkulins führte. Einen gleich guten Verlauf nahm zunächst die Zusammenarbeit mit E. Behring, Anfang der 90er Jahre noch Kochs Mitarbeiter und Stabsarzt in Berlin, dem Entdecker der Antitoxine; man begann, sein Diphterieheilmittel im großen herzustellen, seit 1897 auch Tetanus-Antitoxin und weitere Seren, auch solche für die Veterinärmedizin. Mit Ehrlich, der mit Behring vertraglich zusammenwirkte, konnten die anfänglichen Schwierigkeiten der Immunisierung behoben und eine störungsfreie Antitoxinproduktion aufgenommen werden, die, seit 1895 staatlich kontrolliert, zu einer gleichbleibenden Qualität der Seren führte. Mit der Gründung der Behring-Werke 1904 in Marburg trennte sich E. v. Behring von Hoechst. L. förderte auch|Ehrlichs chemotherapeutische Arbeiten, deren ersten großen Erfolg, die Vorstellung des Salvarsans (1910), er nicht mehr erlebte. – L., dessen Haus Treffpunkt vieler bedeutender Naturwissenschaftler des In- und Auslandes war, gehörte zu den wichtigen Mittlern zwischen Hochschule und Industrie, Forschung und Produktion. Indem er maßgeblichen Forschern die Unterstützung der Wirtschaft verschaffte, trug er zu deren Erfolg bei und ebnete gleichzeitig den Weg zur Entstehung und Erschließung neuer Produktionsbereiche für die pharmazeutische Industrie.|

  • Auszeichnungen

    GRR (1900).

  • Werke

    zahlr. Veröff. üb. experimentelle Arbeiten (aromat., v. a. Stickstoff-Verbindungen) in: Berr. d. Dt. Chem. Ges. u. Ann. d. Chemie.

  • Literatur

    Chemiker-Ztg. 28, 1904, S. 711, 715;
    Die chem. Industrie, 1904, S. 441;
    H. Loewe, P. Ehrlich u. E. v. Behring in ihren Beziehungen z. d. Farbwerken, in: Arzneimittel-Forschung, 1954, S. 107-14;
    75 J. Arzneimittel Hoechst, in: Medizin u. Chemie VI, 1958, S. 21-53;
    E. Bäumler, Ein Jh. Chemie, 1963, S. 294 f. (P);
    H. W. Flemming, Einführung d. Serologie in Hoechst durch Prof. A. L., = Dokumente aus Hoechster Archiven 35, 1968 (P, Faks.);
    Der ehrliche Makler d. Dreigestirns, in: Hoechst Heute 73, 1979, S. 6 f.;
    Pogg. V.

  • Autor/in

    Manfred Simon
  • Empfohlene Zitierweise

    Simon, Manfred, "Laubenheimer, August" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 692 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116865768.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA