Lebensdaten
1598 bis 1662
Sterbeort
Gronsfeld bei Maastricht
Beruf/Funktion
bayerischer Heerführer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116865636 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bronckhorst, Jost Maximilian von
  • Gronsfeld, Jost Maximilian von
  • Gronsfeld, Jobst Graf von
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Zitierweise

Bronckhorst und Gronsfeld, Jost Maximilian Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116865636.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. westfäl. Adelsgeschl. Bronckhorst-Batenburg;
    V Joh. Gf. v. G. ( 1617), Frhr. zu Batenburg u. Rimburg;
    M Sibylle, T d. Phil. Gf. v. Eberstein ( 1589) u. d. Catharina Gfn. zu Stolberg-Königstein;
    - Köln 14.3.1639 Anna Christina, T d. Joh. v. Hardenrath ( 1630), Bgm. v. Köln (s. NDB VII*), u. d. Katharina Gail (aus d. Fam. d. Kanzlers Andreas G., 1587, s. NDB VI);
    4 S (2 als Offz. ⚔), 3 T, u. a. Otto Wilh. ( 1713), Weihbischof v. Osnabrück u. Münster, Joh. Franz ( 1719), kaiserl. FM, Letzter d. Geschl.; Erben d. Gfsch. Gronsfeld (mit Sitz im westfäl. Grafenkollegium) waren d. Grafen v. Törring. Nicht stammverwandt sind d. 1719 in d. Grafenstand erhobenen Grafen v. Gronsfeld-Diepenbroick.

  • Leben

    Nach der üblichen Kavalierstour trat G. zu Beginn des 30jährigen Krieges als Hauptmann in das ligistische Infanterieregiment seines Verwandten Anholt ein und nahm 1620 am ungarischen Feldzug gegen Bethlen Gabor teil. Nach Auszeichnung in der Schlacht bei Stadtlohn 1623 sandte ihn Tilly mit der Siegeskunde nach München. Besonderen Ruhm errang er 1626 bei Lutter am Barenberge, wurde Obrist und Regimentsinhaber und bewährte sich auch als diplomatischer Unterhändler (Friedensvertrag von Lübeck 1629). 1631 führte er das Kommando an der Weser. Dem ihm 1632 vorgesetzten Feldmarschall Pappenheim gehorchte er nur widerwillig, brachte den Hessen 17.6.1632 bei Volkmarsen eine Niederlage bei und wurde als Generalfeldzeugmeister der Liga (10.9.1632) Pappenheims Nachfolger in Nordwestdeutschland. Im Frühjahr 1633 operierte er gegen Herzog Georg von Lüneburg und den schwedischen Feldmarschall Knyphausen, verlor aber am 8.7.1633 die Schlacht bei Hessisch-Oldendorf, worauf ihm die rheinischen Kurfürsten ihre Gunst entzogen. 1634 begab er sich zur Armee König Ferdinands von Ungarn, befehligte im lothringischen Feldzug 1635 unter Gallas das bayerische Kontingent in Stärke von 6500 Mann, nahm jedoch infolge von Mißhelligkeiten mit der kaiserlichen Generalität am 13.6.1636 seinen Abschied. Er ließ sich in Köln nieder, wo er als Ergänzungen zum „Teutschen Florus“ des Eberhard Wassenberg eigene Erlebnisse aufzeichnete, die als Quelle bedeutsam sind und in der Amsterdamer Auflage des „Florus“ von 1647 gedruckt wurden. Wegen finanzieller Bedrängnisse veräußerte er 1640 sein Stammschloß Rimburg. 1645 erhielt er seinen alten Rang im kurbayerischen Heer zurück und wurde Gouverneur von Ingolstadt. Im Anschluß an den Ulmer Waffenstillstand entsandte ihn Kurfürst Maximilian I. an den Pariser Hof, wo G. mit Mazarin über eine Allianz verhandelte. Nach dem Übertritt des Generals Jan von Werth zum Kaiser zurückberufen und zum Feldmarschall befördert, übernahm er die Führung des bayerischen Feldheeres, das sich infolge des Passauer Vertrages wieder mit den kaiserlichen Truppen vereinigte, deren Kommando Graf Holzappel inne hatte. Da dieser zu den Generalen gehörte, die G. 1633 die Niederlage von Oldendorf beigebracht hatten, ergaben sich sofort Spannungen. Nach Anfangserfolgen gegen die Schweden unter Wrangel verweigerte G. auf Grund von Geheiminstruktionen seines Kurfürsten jeden weiteren Vormarsch und entzog sich dem kaiserlichen Oberbefehl. Im Februar 1648 vereinigten sich erneut beide Heere, um die bayerischen Grenzen zu decken, sahen sich vor der französisch-schwedischen Übermacht aber zum Rückzug gezwungen. Als Holzappel am 17.5.1648 bei Zusmarshausen den Tod fand, versuchte G., am Lech den Einbruch der Feinde in Bayern zu verhindern, vermied indes eine Entscheidungsschlacht und räumte am 27.5. seine Stellung. Der darüber aufgebrachte Kurfürst ließ ihn am 4.6. verhaften und vor ein Kriegsgericht stellen. Da die Untersuchung ihn rechtfertigte, wurde er Anfang 1649 aus der Haft zu Ingolstadt entlassen. Danach lebte er auf seinen rheinischen Gütern oder in Köln. Bei der Gründung des niederrheinisch-westfälischen Grafenkollegiums 1653 spielte er eine maßgebende Rolle, doch blieb seine Bewerbung um die Stelle des Kreisobristen erfolglos. 1660 vertrat er Kaiser Leopold I. bei der Huldigung in Aachen, Köln und Dortmund und wohnte als Sondergesandter 1661 der Belagerung Münsters durch Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen bei.

    G. war ein tapferer Soldat und tüchtiger Truppenführer, wenn auch kein Feldherrngenie; sein Vorbild war Tilly, dem er besonders nahegestanden hatte. Von empfindlichem Ehrgefühl, standesbewußt und gebildet, hebt er sich von der Mehrzahl seiner Kameraden vorteilhaft ab. Seine Erinnerungen umfassen den Zeitraum von 1620 bis Anfang 1632.

  • Literatur

    ADB IX;
    Biogr. nat. Belge VIII, S. 342-48;
    H. Hanssen, Die Rimburg, 1912, S. 174-82;
    H. Lahrkamp, Die Kriegserinnerungen d. Gf. G., in: Zs. d. Aachener Gesch.ver. 71, 1959, S. 77-104;
    ders., in: Rhein. Lb. I, 1961, S. 66-82 (P).

  • Portraits

    Stich v. E. Wiedemann, 1651 (Wien, Nat.bibl.).

  • Autor/in

    Helmut Lahrkamp
  • Empfohlene Zitierweise

    Lahrkamp, Helmut, "Bronckhorst und Gronsfeld, Jost Maximilian Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 663 f.* [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116865636.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gronsfeld: Jobst Graf v. G., kurbaierischer Feldmarschall im 30jährigen Kriege, der hervorragendste Mann seines Hauses, hat sich als Heerführer, wenn auch hier nicht vom Glück begünstigt, und in diplomatischer Verwendung bemerkenswerthe Verdienste um den Kurfürsten Maximilian und dann um den|Kaiser erworben und sich auch in wissenschaftlicher Beziehung einen Namen gemacht. Vom Beginn des 30jährigen Krieges im Dienste Baierns und der Liga, rückte er 1625 mit Tilly's Heer nach Niedersachsen und ward bei dieser Gelegenheit auf den Kreistag zu Braunschweig geschickt, um die Entwaffnung der niedersächsischen Kreisvölker zu betreiben; nachdem er noch dem Kriege in seinem weiteren Verlaufe beigewohnt, fand er auch bei den Friedensverhandlungen Verwendung und erscheint dann, damals Oberst, als einer der Mitunterzeichner des Lübecker Friedens. Als der Krieg von neuem losgebrochen, rückte G. 1631 unter Tilly's Oberbefehl abermals ins Feld, nahm Theil an der Belagerung von Magdeburg und hierauf an der unglücklichen Schlacht von Leipzig. Hierauf beordert, die Weserlinie gegen Georg von Lüneburg zu halten, errang er im Verein mit Pappenheim anfangs zwar einige Vortheile; doch als letzterer mit seinen Truppen zur Unterstützung Wallensteins bei Lützen abgezogen, mußte G. den Weserübergang bei Rinteln nach einem nachtheiligen Gefechte an des Herzogs von Lüneburg Heerhaufen überlassen. Im J. 1633 durch die Vereinigung mit dem kaiserlichen General Merode über 13000 Mann stark ergriff er die Offensive und beabsichtigte zunächst das belagerte Hameln zu entsetzen, wurde jedoch in diesem Versuche und zwar hauptsächlich durch Merode's Verschulden von den Hessen und anderen Truppen unter Holzapfel im Juli bei Oldendorf geschlagen. Er zog sich nun südlich in Winterquartiere und unternahm im folgenden Jahre die Belagerung von Heidelberg, mußte dieses Unternehmen jedoch wegen heranrückenden französischen Entsatzes aufgeben. Im J. 1635 erscheint G. als Befehlshaber der Baiern im verbündeten Heere unter Gallas. Der unglückliche Ausgang dieses Feldzuges unter dem „Heerverderber“ war möglicherweise Anlaß, daß G. seine Entlassung nahm, um in den nächsten Jahren, zumeist in Köln sich aufhaltend, sich mehr wissenschaftlicher Thätigkeit zu widmen. Im J. 1645 trat er jedoch neuerdings im baierischen Heere ein; zunächst erhielt er das Generalcommando in der Oberpfalz an Stelle des Generals von der Wahl und 1646 wurde er zum Statthalter von Ingolstadt ernannt. Die Allianzverhandlungen des Kurfürsten mit Frankreich gaben dem Feldmarschall abermals Gelegenheit, im diplomatischen Dienst verwendet zu werden, er wurde im Mai 1647 mit dem Geheimen Rath Krebs nach Paris geschickt, jedoch schon im August zurück berufen, da der Kurfürst sich inzwischen wieder auf kaiserliche Seite gewendet hatte. Nach Kündigung des Waffenstillstandes mit Schweden von Seite Baierns führte G., an Stelle des auf Ansuchen abgedankten Geleen, Oberbefehlshaber der Baiern, den größeren Theil des Heeres, 7000—8000 Mann mit 30 Geschützen, nach Böhmen. Zwischen Saatz und Kaden fand die Vereinigung mit dem 16000 Mann starken Heere unter dem inzwischen kaiserlich gewordenen General Holzapfel statt. Obwol von wegen des Gefechts bei Oldendorf eine gewisse Spannung zwischen beiden Führern bestand, so gingen die Sachen anfangs doch insoweit gut, als es dem vereinigten Heere gelang, die Schweden unter Wrangel aus Böhmen zu vertreiben. Holzapfel führte nun das kaiserlich-baiersche Heer nach Hessen, doch hier trat Uneinigkeit zwischen ihm und G. ein, infolge hievon trennte sich der letztere vom Heere und nahm mit seinen Truppen Winterquartiere in Franken. Im folgenden Jahre, als der Waffenstillstand zwischen Baiern und Frankreich ebenfalls abgelaufen, vereinigten sich Holzapfel und G. jedoch wieder, um gemeinsam das in Schwaben vordringende gegnerische Heer unter Wrangel und Turenne zu bekämpfen. Bei Zusmarshausen kam es zum Treffen, Holzapfel verlor Schlacht und Leben, und G. erhielt nun den Oberbefehl über das geschlagene Heer. In derselben Lage hinter dem Lech stehend wie Tilly 1632 gegenüber Gustav Adolf, fühlte G. mit seinem im Ganzen nur 14500 Mann starten Heere sich zu schwach, die Flußlinie zu|halten. Er gab den Lech auf und zog sich zurück. Wegen dieses Verhaltens wurde er vom Kurfürsten seines Commandos enthoben, auf dessen Befehl gefangen gesetzt und nach Ingolstadt verbracht. Wenn G. dennoch 1649 ohne weitere Strafe frei gegeben wurde, so hat er es wol der inzwischen eingetretenen Beendigung des Krieges und vielleicht auch der an maßgebender Stelle obwaltenden Einsicht zu danken, daß ihm mit der Verteidigung der Lechlinie unter den gegebenen Verhältnissen eine Aufgabe gestellt worden, welcher sein Feldherrntalent eben nicht gewachsen war. Aus baierischem Dienst entlassen begab G. sich nun nach Wien, wurde in den nächsten Jahren noch zu verschiedenen Malen mit diplomatischen Aufträgen innerhalb des Reiches betraut, insbesondere um Streitigkeiten zwischen den einzelnen Reichsgliedern beizulegen, und starb am 16. Juli 1662. G. besaß wie wenige der damaligen Heerführer hohe wissenschaftliche Bildung: er ist Verfasser der trefflichen Bemerkungen zu Wassenberg's Teutschem Florus.

    • Literatur

      Gauhen, Hist. Heldenlexikon, Leipzig 1716. Ersch und Gruber, Allg. Encyclopädie, 92. Theil, Leipzig 1872. Heilmann, Kriegsgeschichte von Bayern u. s. f., München 1868.

  • Autor/in

    Landmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Landmann, Karl Johann Casimir von, "Bronckhorst und Gronsfeld, Jost Maximilian Graf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 726-728 unter Gronsfeld, Jobst Graf von [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116865636.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA