Lebensdaten
1882 bis 1962
Geburtsort
Rzeszów (Galizien)
Sterbeort
Fribourg (Schweiz)
Beruf/Funktion
Physiker
Konfession
jüdisch,katholisch
Normdaten
GND: 116865474 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Laub, Jakob
  • Laub, J.
  • Laub, Jacob J.

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Zitierweise

Laub, Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116865474.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf, Privatier;
    M Anna Schenborn;
    1911 ( Buenos Aires n. 1928) Ruth (* 1886), T d. Gustav Wendt (1848–1933), Prof. d. Anglistik in Hamburg, u. d. Bertha Bahrson;
    1 T.

  • Leben

    Nach dem Abitur am Staatsgymnasium Rzeszów 1901 studierte L. Mathematik, theoretische Physik, Philosophie und Psychophysik an den Universitäten Krakau, Wien, Göttingen (1902–05, u. a. bei M. Abraham, D. Hilbert, F. Klein, H. Minkowski, W. Nernst, J. Stark, W. Voigt, E. Zermelo) und Würzburg, wo er 1906 mit der experimentellen Arbeit „Über sekundäre Kathodenstrahlen“ (Diss. 1907; auch in: Bll. de l'Ac. des Sciences de Cracovie, 1907, u. in: Ann. d. Physik 23, 1907, S. 285 f.) promoviert wurde. Er blieb bis 1909 bei Wien und ging über Bern, wo er kurze Zeit bei A. Einstein war, im Mai 1909 zu Ph. Lenard ans Physikalische Institut der Univ. Heidelberg. 1911 nahm er eine Professur für Physikalische Geographie an der Univ. La Plata in Argentinien an, die mit der Leitung des dortigen Observatoriums verbunden war. 1914 wechselte er auf den Lehrstuhl für Theoretische Mechanik am Lehrerkolleg in Buenos Aires über (1914-20; gleichzeitig Vorstand des Physikdepartments). 1917-19 hatte er zudem eine Professur für Physikalische Geographie an der Univ. Buenos Aires inne. L., der 1915 die argentin. Staatsbürgerschaft angenommen hatte, schlug nach 1920 die diplomatische Laufbahn ein: Er war 1920-39 als argentin. Vizekonsul bzw. Konsul in Deutschland (1920 München, 1925 Berlin, 1933 Hamburg) und in Polen (1937–39 Warschau) tätig, 1928 auch als Privatsekretär des Außenministers H. Oyharnate. Ende Sept. 1939 ging er wieder nach Argentinien und zog sich 1947 nach Fribourg (Schweiz) zurück (argentin. Rente bis 1946; zeitweilig Assistent am Physikalischen Institut der Univ. Fribourg).

    L. wandte sich im Anschluß an seine experimentelle Dissertation, die er vor der Würzburger Professorenkommission mit Thesen der Speziellen Relativitätstheorie verteidigte, der Anwendung und Ausweitung der letzteren Theorie zu: Er arbeitete besonders über die Optik bewegter Körper, dann mit Einstein über die Grundgleichungen der Elektrodynamik – wobei sie u. a. H. Minkowskis Ausdruck für die elektromagnetischen Kräfte kritisierten – und über mögliche Versuche zur Unterscheidung zwischen den Elektronentheorien von Lorentz und von Einstein. Bei Lenard, zu dem L. auf Betreiben Einsteins ging, sollte er sich mit der Dichtemessung des elektromagnetischen Äthers befassen, wurde aber wegen seines Eintretens für die Relativitätstheorie zunehmend isoliert. In La Plata entwickelte er eine rege wissenschaftliche Tätigkeit, die er in Buenos Aires fortsetzte; u. a. hielt L. erstmalig in Südamerika Einführungsvorlesungen in die Spezielle Relativitätstheorie, arbeitete über Röntgenstrahlen, die Radioaktivität des Ozeanwassers und mit dem Deutsch-Chilenen W. A. Knoche über die Sonnenfinsternis in Brasilien (1912). Gleichzeitig spielte er eine wichtige Rolle in der Lehrerausbildung seiner Wahlheimat, die er auch in wichtigen internationalen Kommissionen (z. B. im Internat. Committee of Seismology, 1913) nach außen vertrat. Wiederholt reiste er nach Europa und besuchte Einstein, B. Cabrera in Madrid (1915) und Nernst in Berlin (1919, 1920). Nach dem Ausscheiden aus dem diplomatischen Dienst begann L. in Fribourg wieder wissenschaftlich zu arbeiten. Seine stark angegriffene Gesundheit (1953 Herzneurose, 1960 Handoperation wegen früh erworbener Strahlenschäden) und seine sich verschlechternde wirtschaftliche Lage ließen jedoch keine geregelte Tätigkeit über längere Zeit zu (letzte Zusammenarbeit mit F. Dessauer 1953).

    L.s wissenschaftliche Laufbahn hatte äußerst erfolgreich mit den frühen Arbeiten zur Relativitätstheorie begonnen. Aber die schwierige Lage, in die er bei Lenard geriet, verhinderte seine schnelle Karriere in Deutschland, und der 1. Weltkrieg veranlaßte ihn, Argentinier zu werden. Auch seine Rückkehr in das Nachkriegseuropa 1947 brachte ihn wieder in eine ungünstige Lage: Er mußte schließlich seinen letzten wissenschaftlichen Besitz (u. a. Briefe Einsleins) und seine Patentrechte verkaufen. L., Einsteins erster Mitarbeiter, starb vergessen und in Armut.

  • Werke

    Über 60 wiss. Arbb. in dt., span., argentin. u. amerikan. Zss., vor allem üb. Relativitätstheorie, Dispersionserscheinungen u. Röntgenstrahlen, z. B.: Die experimentellen Grundlagen d. Relativitätsprinzips, in: Jb. d. Radioaktivität u. Elektronik 7, 1910;
    Optik d. bewegten Körper, in: Ann. d. Physik 23, 1907, S. 738 f., 25, 1908, S. 175 f.;
    Über d. elektromagnet. Grundgleichungen bewegter Körper (mit A. Einstein), ebd. 26, 1908, S. 532;
    Über d. im elektromagnet. Felde auf ruhende Körper ausgeübten ponderomotor. Kräfte (mit dems.), ebd. 26, 1908, S. 541 f.;
    Zur Theorie d. Dispersion u. Extinktion d. Lichtes in leuchtenden Gasen u. Dämpfen, ebd. 29, 1909, S. 94;
    Über einige Beobachtungen an sekundären Röntgenstrahlen, in: Physikal. Zs. 14, 1913, S. 992;
    Elementos de la mecánica racional, 1916 (Lehrb. üb. analyt. Mechanik);
    Über Schwankungen atmosphär. Ionen u. ihre biolog. Wirkung, in: Bull. d. Schweizer. Ak. d. Med. Wiss. 16, 1960, S. 292-304. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Einstein-Archiv, Princeton (USA); ETH-Bibl. Zürich (wiss. Briefwechsel, u. a. mit Einstein); Bibl. d. Dt. Mus. München (Briefwechsel).

  • Literatur

    L. Pyenson, Einstein's Early Scientific Collaboration, in: Historical Studies in Physical Sciences, Annual Vol. 7, 1978, S. 83-124;
    Pogg. V.

  • Autor/in

    Lewis Pyenson
  • Empfohlene Zitierweise

    Pyenson, Lewis, "Laub, Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 688 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116865474.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA