Lebensdaten
1881 bis 1981
Geburtsort
Ittenheim (Elsaß)
Beruf/Funktion
Mineraloge ; Petrograph
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116862416 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lehmann, Emil

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Zitierweise

Lehmann, Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116862416.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1851–1918), Kaufm., S d. Karl (aus thür Fam.) u. d. Magdalena Groll;
    M Friederike (1849–1916), T d. Georg Jakob Buck (aus elsäß. Fam.; u. d. Anna Barbara Riehl;
    Tomsk (Sibirien) 1913 Frieda (1878–1952), T d. Schiffbau-Ing. Emil Striepling (1848–1917) u. d. Auguste Maker;
    1 S (⚔), 1 T.

  • Leben

    L. erhielt nach dem Besuch des Gymnasiums in Straßburg eine praktische Ausbildung als Bergbaubeflissener (1901/02) auf Erz- und Kohlengruben im Rheinland, Saar- und Lahngebiet. Nach zwei Semestern (1902/03) an der Univ. Straßburg ging er 1903 nach Berlin an die Universität und die Bergakademie. 1906 legte er an der Bergakademie die Bergreferendarprüfung ab, 1908 promovierte er an der Universität zum Dr. phil. Die akademische Laufbahn begann L. als Assistent (1907–13) am Mineralogisch-Geologischen Institut der TH Danzig, wo er sich 1911 mit der Schrift „Grundlagen einer neuen Systematik der Eruptivgesteine“ für die Fächer Mineralogie, Geologie und Lagerstättenkunde habilitierte. Seine Kenntnisse in der Lagerstättenkunde ergänzte L. u. a. durch Auslandsreisen nach Spanien (Magnetit-Lagerstätten in Nordspanien), Schweden (Eisenerzlagerstätten) und durch die Leitung der in deutschem Besitz befindlichen Garewka-Goldminen im Gouvernement Jenisseisk (Sibirien), von wo aus er auch Reisen und Aufschlußarbeiten im genannten Gebiet unternahm (1912/13). Sein Wissen in der speziellen Petrographie, insbesondere von vulkanischen Abfolgen, konnte er 1914 durch einen Aufenthalt im Vulkan-Forschungsinstitut Immanuel Friedlaender in Neapel erweitern.

    Nach vier Kriegsjahren als Offizier der Eisenbahntruppe konnte L. in Halle als Assistent von F. v. Wolff Fuß fassen (1919-23) und sich umhabilitieren. 1924 wurde er zum ao. Professor ernannt; 1923-26 war er zugleich Leiter der den Metall-Hüttenwerken in Berlin-Tempelhof angegliederten chemischen Fabrik. 1926 wurde er auf den Lehrstuhl für Mineralogie und Petrographie an der Univ. Gießen berufen. Hier führte die detaillierte Untersuchung der magmatischen Provinz des Lahn-Dill-Gebietes, einschließlich der Eisenerze, zu wichtigen Arbeiten über Kristallisation und Differentiation in basaltischen Magmen und schließlich zu der international beachteten Monographie „Eruptivgesteine und Eisenerze im Mittel- und Oberdevon der Lahnmulde“ (1940). Sie wurde mit vertieften petrologischen Beobachtungen und Argumenten ergänzt durch die wegen des Krieges erst 1949 folgende Arbeit|über „Das Keratophyr-Weilburgit-Problem“. L.s Arbeiten wurden unterbrochen durch fünf Wehrdienstjahre (1939–44) und dann durch die Schließung der Univ. Gießen (1946). Erst 1954 wurde ihm im 74. Lebensjahr die Emeritierung gewährt. Seit 1955 lebte L. in Garmisch-Partenkirchen. Er beschäftigte sich weiter mit der Basaltgenese, insbesondere der Bildung verschiedener Differentiationsprodukte, und trat dafür ein, diese „Magmen“ oder „Miktite“ zu nennen oder als Spezialgesteine zu bezeichnen. Der Schwerpunkt lag bei dem Nachweis der Kristallisationsvorgänge im Magma.

    In allen seinen Arbeiten bis hin zur letzten, die er 1979 im 99. Lebensjahr fertigstellte, fällt die sorgfältige Verbindung von Beobachtung und physikalisch-chemischen Daten auf. Er hielt voreiliges deduktives Argumentieren für bedenklich und plädierte, wo noch keine Sicherheit abzusehen war, stets für „multiple“ Deutungsmöglichkeiten. – Zahlreiche Kristallisationsbeobachtungen und Interpretationen L.s sind heute durch moderne Arbeiten am Basaltproblem bestätigt worden – u. a. auf Island und im afrikan. Grabengebiet – oft ohne daß die Bearbeiter seine Arbeiten kannten.

  • Werke

    Weitere W u. a. Petrograph. Unterss. an Eruptivgesteinen v. d. Insel Neupommern, in: Tschermaks Mineralog. u. Petrogr. Mitt. NF 27, 1908, S. 181-243 (Diss.);
    Fortschritte d. mineralog. u. geolog. Erforschung d. perm. Salzlagerstätten seit d. J. 1907, in: Jb. d. Halleschen Verbandes z. Erforschung d. mitteldt. Bodenschätze u. ihrer Verwertung, 1921, S. 28-49, 92-182;
    Das Vulkangebiet am Nordende d. Nyassa als magmat. Provinz, 1924;
    Beziehungen zw. Kristallisation u. Differentiation in basalt. Magmen, in: Tschermaks Mineralog. u. Petrograph. Mitt. NF 41, 1931, S. 8-57;
    Salzlager, in: Hdwb. d. Naturwiss. VIII, 21933, S. 675-99;
    Eruptivgesteine u. Eisenerze im Mittel- u. Oberdevon d. Lahnmulde, 1941;
    Das Keratophyr-Weilburgit-Problem, in: Heidelberger Btrr. z. Mineralogie u. Petrogr. 2, 1949, S. 1-166;
    Zum Thema Magmagestein u. Magma, ebd., 1951, S. 383-412;
    Über Miktitbildung, ebd. 3, 1952, S. 9-35;
    Btr. z. Beurteilung d. paläozo. Eruptivgesteine Westdtld.s, in: Zs. d. Dt. Geol. Ges. 104, 1952, S. 219-37.

  • Literatur

    R. Mosebach, in: Fortschritte d. Mineralogie 61, 1983 (W-Verz., P);
    Pogg. VII a;
    Kürschner, Gel.-Kal.

  • Autor/in

    G. Christian Amstutz
  • Empfohlene Zitierweise

    Amstutz, G. Christian, "Lehmann, Emil" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 76 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116862416.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA