Lebensdaten
1733 bis 1805
Geburtsort
Altenburg (Thüringen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Zeichner ; Radierer ; Buchillustrator ; Kupferstecher ; Maler
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116862297 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meil, Johann Wilhelm

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Zitierweise

Meil, Johann Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116862297.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Christoph (1698–1734), Hofbildhauer in A.;
    M N. N.; Pflege-V Joh. Jeremias Martini (ca. 1710–60), Bildhauer in A., Bayreuth, B. u. Fürstenwalde;
    B Joh. Heinrich (1730–1820), Ak.dir. u. Vorsteher d. anatom. Zeichenklasse b. d. Ak. d. Künste in B., Buchillustrator, z. B. Gellert-Ill. (1766); – ledig.

  • Leben

    M. bildete sich in Leipzig autodidaktisch und siedelte 1752 nach Berlin über. Hier wurde er 1766 Mitglied der Akademie der Künste, 1783 Rektor der Zeichenklasse, 1797 oder 1798 Vizedirektor und 1801, in direkter Nachfolge Chodowieckis, deren Direktor. Zwischen 1752 und 1755 entstanden ca. 80 Radierungen nach Entwürfen Johann Michael Hoppenhaupts (d. Ä.) für dekorative und architektonische Projekte, u. a. den Schloßneubau in Sanssouci. Auf M.s eigene Entwürfe gehen zwölf Vasen auf der Terrasse vor der Bildergalerie des Schlosses zurück, die von Joh. Schnegg und Joh. Christoph Wohler (d. Ä.) ausgeführt wurden. Als Kostümzeichner für das Berliner Hoftheater sowie als Zeichner von Entwürfen der Kgl. Preuß. Porzellanmanufaktur leistete M. Entscheidendes zur Durchsetzung des französisch inspirierten Zeichenstils, ohne dabei zum bürgerlich-volkstümlichen Realismus seines Alters- und Ortsgenossen Chodowiecki durchzudringen. Daß er diesen zumindest später durchaus anstrebte, beweisen gelegentliche Anklänge eines rokokohaft gemilderten Naturalismus, wie seine Illustrationen zu J. J. Engel, Ideen zu einer Mimik, 1785/86. – M. wurde der adäquate Illustrator der Bücher der friderizianischen Aufklärung, der Schriften Friedrich d. Gr., Ewald v. Kleists, Karl Wilhelm Ramlers, vor allem aber von Joh. Matthias Schröcks „Allgemeiner Weltgeschichte für Kinder“ (1781-86). Als Gestalter von Hauptwerken der frühen Klassik, wie von Lessings Fabeln (1759) oder dessen „Hamburg. Dramaturgie“ (1767), prägt er bis heute unsere graphische Vorstellung von einer halberstädt.-preuß. Anakreontik. M.s stilistische Entwicklung führte ihn von diesem Rokoko-Klassizismus, der sich noch eng am Werk seines Leipziger Vorbildes Adam Friedrich Oeser orientiert, über stärker psychologisierende Typendarstellung, wie sie die Schriften von Lavater und Engel erforderten, hin zur Gestaltung idealisierter bürgerlicher Alltagswelt (Carl von Traufeld, 1872; Berlin. Journal für Aufklärung, 1784).

    Als früher Beitrag zur historischen Denkmalplastik und zur Friedrich-Verehrung darf sein 1792 für den Schloßpark von Quilitz (seit 1814 Neuhardenberg, seit 1949 Marxwalde) geschaffenes Denkmal Friedrich d. Gr. gelten. Das nach M.s Entwürfen von dem ihm verschwägerten Bildhauer Giuseppe Martini geschaffene Standbild ist das erste realisierte Werk in der langen Reihe projektierter Friedrich-Denkmale in Preußen.

  • Werke

    Gedanken zu e. unter Aufsicht d. Kgl. Ak. d. Künste zu errichtenden Zeichenschule f. Handwerker, in: Mschr. d. Ak. d. Künste u. mechan. Wiss., 1788, S. 154.

  • Literatur

    ADB 21;
    F. L. Hopffer, Verz. sämtl. Titelkupfer u. Vignettenabdrücke v. J. W. M., 1809;
    W. Dorn, M.-Bibliogr. (Verz. d. ill. Bücher u. Almanache), 1928 (612 Nr. f. 667 Titel u. Buchill.);
    A. Rümann, Ill. dt. Bücher d. 18. Jh., 1928;
    M. Lanckoronska u. R. Oehler, Buchill. d. 18. Jh., 1932-34;
    Die Kunstdenkmäler d. Prov Brandenburg VI, 1: Lebus, 1909, S. 122;
    Kat. d. Ornamentstichslg. d. Staatl. Kunstbibl. Berlin, 1939, S. 710.

  • Portraits

    Selbstporträt, Frontispiz in W. Dorn, s. L.

  • Autor/in

    Jörg Deuter
  • Empfohlene Zitierweise

    Deuter, Jörg, "Meil, Johann Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 653 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116862297.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Meil: Johann Wilhelm M., Maler und Kupferstecher, der jüngere Bruder von Johann Heinrich M., geb. den 23. October 1733 zu Altenburg. In Leipzig wissenschaftlich vorgebildet, verfolgte er seit 1752 in Berlin die künstlerische Laufbahn. Sein flüssiges Erfindungstalent verwerthete er zunächst als geschmackvoller Radirer für kunstindustrielle Vorlagen und im Dienste buchhändlerischer Zwecke. Er producirte mehr als ein halbes Tausend Blätter. Die Vignetten und Bücherverzierungen, kleine Friese, Köpfe und Figuren, Gemmennachbildungen, Münzen- und Medaillenstiche sind mit größter Zierlichkeit und ähnlich wie die seines Bruders im Anschluß an Chodowiecki's Weise ausgeführt. Von Illustrationen zur zeitgenössischen Litteratur sind die physiognomischen Bilder zu Engel's Mimik und die Kupfer zur Ausgabe des Lebens und der Meinungen des Sebaldus Nothanker hervorzuheben. Er radirte ferner humoristische Compositionen, Genrebilder und biblische Scenen, eine Folge von 10 Blättern zur Geschichte Josephs, 52 Blätter zu einem speculum naturae et artium, Landschaften und Porträts der berühmtesten Gelehrten und Künstler. Mehr als 30 Zeichnungen von M. schnitt J. F. Unger in Holz. M. entwarf auch Costümbilder für das Berliner Theater. Von nebensächlicher Bedeutung sind seine Oelgemälde mit historischen und allegorischen Darstellungen, seine Genrebilder und Bildnisse. Im J. 1791 zum Rector der Akademie erwählt, wurde er 1798 Vicedirector und starb nach einem arbeitsamen Leben zu Berlin am 2. Februar 1805.

  • Autor/in

    v. Donop.
  • Empfohlene Zitierweise

    Donop, von, "Meil, Johann Wilhelm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 216 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116862297.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA