Lebensdaten
1845 bis 1932
Geburtsort
Koblenz
Sterbeort
Innsbruck
Beruf/Funktion
Jesuit ; Kirchenhistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116855320 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Grisar, Hartmann
  • Germanus, Constantin
  • Germanus, Konstantin
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Zitierweise

Grisar, Hartmann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116855320.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Matthias (1816–63), Hofbäckermeister, S d. Matthias (1778–1850) u. d. Veronika Koch;
    M Apollonia (1819–66), T d. Matthias Reuß (1768–1832) u. d. Susanna Brech (1783–1833);
    N Josef (* 1886), S J, Kirchenhistoriker.

  • Leben

    G. studierte in Münster und Innsbruck Theologie. 1868 trat er in Rom als Priester in die Gesellschaft Jesu ein und wurde 1871 Professor für Kirchengeschichte an der Universität Innsbruck. Seine Forschertätigkeit fand ihren Niederschlag in zahlreichen Artikeln vor allem in der von ihm mitgegründeten „Zeitschrift für katholische Theologie“; sie bezogen sich zumeist auf das Reformationszeitalter. Daneben trat bald als zweites Thema die Geschichte Roms und des Papsttums im christlichen Altertum. Das hatte zur Folge, daß er 1896 seine Professur aufgab und nach Rom übersiedelte. Hier zog ihn die Archäologie besonders an, für sie lieferte er eine Reihe von Beiträgen, derentwegen er heute noch als einer der besten Kenner des alten Roms, des klassischen wie des christlichen, angesehen wird. Seine dabei angewandte historisch-kritische Methode, die ihm den Vorwurf von Hyperkritik zuzog, vertrat er in dem Aufsehen erregenden Vortrag auf der Münchner Versammlung katholischer Gelehrter über die Haltung des katholischen Forschers gegenüber historischer Kritik (1900). Die Hauptfrucht dieser Zeit war aber der bis 590 gehende 1. Band seiner „Geschichte Roms und der Päpste im Mittelalter“, (1901, 31930, italienisch 1900, französisch 1906, englisch 1911/12; die italienische Ausgabe erhielt eine Fortsetzung in einer Neuauflage seiner|Biographie Gregors des Großen). Für das Werk ist die starke Hineinziehung archäologischen Stoffes bezeichnend. Mit Rücksicht auf seine Gesundheit nahm G. 1902 seinen Wohnsitz in Forstenried vor München und schließlich in Innsbruck.

    Da eine Fortsetzung der Papstgeschichte hier aber nicht möglich war, griff er auf seine Studien über das Reformationszeitalter zurück. In fast 10 Jahren arbeitete er sich durch das weitschichtige Quellenmaterial zu einer Biographie Luthers durch (3 Bände, 1911/12, 31924 f., englisch 1913 ff.), eine Materialsammlung zu allen Fragen der Forschung über das Leben des Reformators. Wenn auch manche seiner Auffassungen, wie besonders über Luthers krankhaftes Seelenleben, sich nicht durchsetzen konnten, so ließen es doch Kritiker an Sachlichkeit fehlen. G. selbst glaubte, sich das Zeugnis geben zu können, daß er mit dem Willen zu unbedingter Wahrhaftigkeit und mit der Absicht, der Verständigung zu dienen, an seine große Arbeit gegangen sei. Zweifellos hat diese auch, wenigstens unter den Katholiken, erheblich zu dem sich anbahnenden besseren Verständnis des Reformators durch den nie verletzenden Ton und durch den Mut, mit dem alte Legenden und schiefe Urteile aufgeräumt wurden, beigetragen. Die folgenden Jahre gaben Anlaß zu manchen Kontroversen und zu weiteren Forschungen über das Lutherproblem, unter denen die 6 Hefte „Lutherstudien“ (1921-23) besondere Beachtung verdienen. Den Abschluß und die Zusammenfassung dieser Arbeiten bildete dann 1924 die kleine flüssige Biographie „Martin Luthers Leben und Werk“ (21927, ungarisch 1929, englisch 1930, französisch 1932, italienisch 1933). – In den mühevollen Jahren der Lutherforschung konnte G. seine alte Liebe zu Rom nicht ganz vergessen. Es erschien noch „Die römische Kapelle Sancta Sanctorum und ihr Schatz“ (deutsch 1908) und „Das Missale im Lichte römischer Stadtgeschichte“ (1925).

  • Werke

    Weitere W u. a. Galileistud., 1882;
    Reformatorenbilder, 1883 (unter Ps. Constantin Germanus);
    Jacobi Lainez Disputationes Tridentinae, 2 Bde., 1886;
    zahlr. Arbb. in: Analecta Romana I, Rom 1899;
    Ein Anliegen d. kath. Gesch.kritik in: Akten d. 5. internat. Kongresses kath. Gelehrter, 1901, S. 133-42;
    Lutherstud., 1921-23, mit F. Heege, 6 Hh.;
    Der dt. Luther im Weltkrieg u. in d. Gegenwart, 1925, 21927. - Selbstbiogr. in: Die Rel.wiss. d. Gegenwart in Selbstdarst., 1927, S. 37-56 (P).

  • Literatur

    Zs. f. kath. Theol. 56, 1932, S. 145-47;
    Civiltà Cattolica 1, Rom 1932, S. 567-71;
    H. v. Srbik, Geist u. Gesch. II, 1951, S. 63, 296, 299. - Zur Kritik d. Arbb. üb. Luther: F. Schnabel, Dtld.s geschichtl. Qu. u. Darst. in d. Neuzeit I, 1931, S. 323-30;
    G. Wolf, Qu.kde. d. dt. Ref.gesch. II, 1916, S. 233-36;
    A. Herte, Das kath. Lutherbild im Bann d. Lutherkommentare d. Cochläus II, 1943, S. 351-67;
    Enc. Catt.

  • Autor/in

    Josef Grisar SJ
  • Empfohlene Zitierweise

    Grisar SJ, Josef, "Grisar, Hartmann" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 95 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116855320.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA