Lebensdaten
1861 bis 1926
Geburtsort
Brandenburg/Havel
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Zoologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116838493 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Matschie, Paul

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Zitierweise

Matschie, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116838493.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (* 1826), Volksschullehrer in Brandenburg, S d. Lehrers u. Kantors George;
    M Amalie Klara (* 1842), T d. Steuereinnehmers Friedrich Ludwig Heller in Auras (Schlesien);
    1) Berlin 1895 Anna gesch. Karbe (1859–98), wiss. Zeichnerin, Tiermalerin (s. Dt.GB 150, S. 33, P), T d. Wilh. Held, Rittergutsbes. auf Kinderfreude, dann auf Klein Roge, u. d. Helene Siemssen, 2) 1905 Franziska, T d. Schutzmanns Wilh. Ferdinand Schwark u. d. Henriette Klang;
    K.

  • Leben

    Schon als Schüler zeigte M. besondere Neigungen zu Mathematik und Physik und begann 1878 diese Fächer an der Univ. Berlin zu studieren. Nach einem Zwischensemester in Halle/Saale wandte er sich wieder nach Berlin. Er studierte mehrere Jahre neben Mathematik auch Zoologie, promovierte aber nicht, sondern ließ sich durch Jean Louis Cabanis 1883 in die Vogelabteilung des Zoologischen Museums in Berlin einführen. Dann arbeitete er wiederholt im naturhistorischen Institut „Linnaea“ von August Müller in Berlin, als Hauslehrer bei einem Kanarienvogelgroßhändler in St. Andreasberg und wiederum in der ornithologischen Abteilung. Schließlich bot 1887 der Umzug des Zoologischen Museums in die neuen Gebäude in der Invalidenstraße M. Gelegenheit, sich gänzlich seiner dortigen Tätigkeit zuzuwenden. Als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter und seit 1890 als Assistent wirkte er beim Umzug, bei der Aufnahme weiterer Objekte und bei der Neueinrichtung der Wirbeltierabteilungen mit. 1893 und 1895 widmete er sich auf mehrmonatigen Reisen durch die Museen Deutschlands und Mitteleuropas dem Studium afrikan. Wirbeltiere. Seit 1893 verwaltete er die Säugetiersammlung, die er zu einer der führenden in der Welt ausbaute. 1895 wurde er zum Kustos und 1924 zum Zweiten Direktor des Zoologischen Museums ernannt. 1901 organisierte er den V. Internationalen Zoologen-Kongreß in Berlin und gab dessen Verhandlungen heraus (1902). Wiederholt unternahm er Reisen zu Sammlungen und Wildtierparks, um einzelne Tiergruppen (Fledermäuse, Ungulaten und Primaten) zu erforschen.

    Die frühen Arbeiten M.s waren ornithologischen Problemen und der Betreuung von Beobachtungsstationen gewidmet. 1884-1907 betätigte er sich auch als Schriftführer der Deutschen Ornitholog. Gesellschaft. Nach 1890 wandte er sich überwiegend den Säugetieren zu, besonders der Fauna Afrikas. Durch seine vergleichenden Studien, bei denen er eine große Anzahl von Arten und Unterarten neu bestimmte, förderte er die Systematik der Säugetiere. Seine Leistung würdigten die zeitgenössischen Fachkollegen, indem sie viele Arten Säuger und Vögel nach ihm benannten. Seine hervorragenden Kenntnisse der einzelnen Formen der Säugetiere verschiedener Herkunft ließen ihn die großen Faunengebiete besonders von Afrika und Eurasien unter Berücksichtigung „geographischer Abarten“ der Tiere in kleinere Verbreitungsbezirke unterteilen. Seine Annahme, daß deren Begrenzungen stets durch „Wasserscheiden“ gebildet würden, deren geologisch-geographische und klimatisch-vegetationskundliche Bedeutung er nicht genügend erörterte, stellte eine zu stark vereinfachende Verallgemeinerung dar, besonders in der schließlich von ihm aufgestellten Hypothese, wonach Verbreitungsbezirken bestimmte geometrische Formen zukämen. Zudem entfernte er sich damit von Darwins Evolutionstheorie, der er früher zugestimmt hatte. Diese Spekulationen lehnten schon die Zeitgenossen ab. – Prof.titel (1902).

  • Werke

    u. a. Reste v. Tierkatalogen u. Korr., in: Hist. Schr.- u. Bildgutslg. d. Zoolog. Mus. am Mus. f. Naturkde. d. Humboldt-Univ. zu Berlin;
    Die afrikan. Wildpferde als Vertreter zoo-geograph. Subregionen, in: Zoolog. Garten 35, 1894, S. 33-39, 65-74;
    Die Säugethiere Dt.-Ost-Afrikas, 1895;
    „Kriechtiere, Reptilia“ u. „Vögel, Aves“, in: Hausschatz d. Wissens, Abt. VI, Das Tierreich, IX, 1897, S. 41-608;
    Die Tierwelt Neu-Guineas, in: M. Krieger (Hrsg.), Neu-Guinea, 1899, S. 73-112;
    Die Fledermäuse d. Berliner Mus. f. Naturkde., 1. Lfg.: Die Megachiroptera, 1899;
    Die Verbreitung d. Säugetiere, in: H. Krämer (Hrsg.), Der Mensch u. d. Erde, I, 1906, S. 79-164;
    Neue Affen aus Afrika nebst einigen Bemerkungen üb. bekannte Formen, in: Ann. de la Société royale zoologique et malacozoologique de Belgique 47, 1912, S. 45-81;
    Neue Affen aus Mittelafrika, in: SB d. Ges. Naturforschender Freunde zu Berlin, 1914, S. 223-342;
    Mitt. üb. Hyänenhunde, ebd., 1915, S. 309-91;
    Die Verbreitung d. Beuteltiere auf Neu-Guinea mit einigen Bemerkungen üb. ihre Einteilung in Untergattungen, in: Mitt. aus d. Zoolog. Mus. zu Berlin, 1916, S. 259-308;
    Tierwelt d. dt. Schutzgebiete, in: H. Schnee (Hrsg.), Dt. Kolonial-Lex. III, 1920, S. 483-94;
    Die bisher festgestellten Arten d. Rothirschgeweihe Dtld.s, in: W. Kiessling (Hrsg.), Der Rothirsch u. s. Jagd, 21925, S. 369-428;
    Primaten (Simiidae, Colobidae, Cercocebidae), in: Wiss. Ergebnisse d. Dt. Central-Afrika-Expedition 1907–08, V. 1927, S. 449-555.

  • Literatur

    CSP 17, 1921, S. 89 f.;
    H. Pohle, in: Zs. f. Säugetierkde. 1, 1926, S. 90-110 (W-Verz., P);
    ders., in: Mitt. aus d. Zoolog. Mus. in Berlin 14, 1928, S. 1-9 (P);
    E. Stresemann, in: Ornitholog. Monatsberr. 34, 1926, S. 98;
    E. Schwarz, in: Journal of Mammalogy 8, 1927, No. 4, S. 292-95 (P);
    L. Gebhardt, Die Ornithologen Mitteleuropas, Bd. 1, 1964, S. 233 (L);
    S. Hackethal, Kurzbiogrr. u. Porträts Berliner Zoologen, in: Wiss. Zs. d. Humboldt-Univ. zu Berlin, Math.-Naturwiss. R. 34, 1985, S. 388 f. (L), 404 (P).

  • Autor/in

    Brigitte Hoppe
  • Empfohlene Zitierweise

    Hoppe, Brigitte, "Matschie, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 384 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116838493.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA