• Genealogie

    V Emil Ludw. (1838–98), aus Ostpreußen, Executive Engineer First Grade, Assistant Secretary (Public Works Dept. Shillong);
    M Martha Cath. Hensel;
    Berlin 1932 Elsa Suchland.

  • Leben

    G. hat seine Jugendzeit bis 1896 in Indien verbracht und seine Eindrücke in einem Roman „Das weiße Tier“ (1929) geschildert. Nach Gymnasialjahren in München studierte er an der TH Karlsruhe und legte hier 1907 sein Abschlußexamen ab. Erst 1937 wurde er in Berlin zum Dr. phil. promoviert auf Grund der Dissertation „Zur Technik der photographischen Photometrie der Planetenoberfläche. G.s wissenschaftliche Hauptgebiete waren Mathematik, geometrische Optik und moderne Photometrie mit elektrischen Photometern. In einer Abhandlung über nichtarchimedische Mathematik, bei der er annimmt, daß die Zahlen nicht beliebig geteilt werden können, kam er zu ähnlichen Ergebnissen wie die nicht euklidische Geometrie. Einstein hat sich für diese Arbeit interessiert. G.s wichtigste Leistungen liegen auf optischem Gebiet. Er schuf besonders lichtstarke Photo- und Projektionsobjektive. Eine Pionierleistung war auch die Schaffung von Transfokatoren, Objektiven mit veränderlicher Brennweite. Ferner konstruierte er Photometereinrichtungen für Zwecke der Sternmessung. Als Astronom beschäftigte er sich auf seiner Privatsternwarte in Kleinmachnow insbesondere mit der Planetenkunde. Bekannt sind seine Mars-Beobachtungen von 1924 und seine ausgezeichneten Farbaufnahmen von der totalen Mondfinsternis vom 2.3.1942. Ferner bemühte sich G. um die Zusammenarbeit der Amateurastronomen, für die er 4 wissenschaftliche Einführungen geschrieben hat. Er war 1922 Mitbegründer der Astro-Gesellschaft, die sich zu einem führenden Unternehmen der optischen Industrie entwickelte. – G. war eine überaus vielseitige Persönlichkeit. Er war 2. Vorsitzender der Richard-Wagner-Gesellschaft und selber ein Virtuose im Klavierspiel, der mehrere Konzerte gegeben hat. Ferner hat er phantastische Novellen geschrieben, die zwar nicht veröffentlicht sind, aber in kleinerem Kreise großen Beifall fanden. G. war auch Verfasser einiger der ersten Hörspiele für Radiosendungen, die in Deutschland von der VOX-Gesellschaft ausgesendet wurden.

  • Werke

    Weitere Werke u. a. Leitfaden d. astronom. Beobachtung, 1928;
    Über e. Nicht-Archimed. Math, als Grundlage e. neuen Mechanik u. Physik, in: Astronom. Nachrr. 234, 1929, Sp. 17-32;
    Krit. Mondkarte, 1941;
    Die Sternwarte Kleinmachnows b. Berlin, in: Himmelswelt 52, 1942, S. 49-52;
    Probleme d. konstruktiven Optik u. ihre math. Hilfsmittel, 1954, 21957. - Belletrist. Werke (Romane, Filmwerke, Hörspiele) (s. Kürschner, Lit.-Kal. 1958).

  • Literatur

    J. Weber, in: Himmelswelt 52, 1942, S. 59 f.;
    E. Mädlow, in: Die Sterne 28, 1952, S. 226 f.;
    Kino-Technik 11, 1957, S. 157;
    D. Wattenberg, Die Sterne 34, 1958, S. 38 f.;
    Pogg. VI, VII a.

  • Autor/in

    Ernst Lau
  • Empfohlene Zitierweise

    Lau, Ernst, "Gramatzki, Hugh Ivan" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 737 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116820691.html#ndbcontent

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