Lebensdaten
1832 bis 1913
Geburtsort
Linz
Sterbeort
Bad Gleichenberg (Steiermark)
Beruf/Funktion
Schauspieler ; Regisseur
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116810629 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Martinelli, Ludwig

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Zitierweise

Martinelli, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116810629.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus ital. Adelsfam.;
    V Lukas (1798–1852), Dekorationsmaler, u. a. in Pest, S d. Peter v. Martinelli;
    M Magdalena Höfer (1797–1892), Schauspielerin, zuletzt in Lemberg u. Graz;
    1) Marie Neufeld ( 1882), Schauspielerin, 2) 1882 Louise Seeberger (1847–1913). Schauspielerin (s. ÖBL);
    T aus 1) Anna (1879–1937, Duniecki), Schauspielerin u. Sängerin.

  • Leben

    M. lernte zuerst bei seinem Vater und war dann nach eigenen Angaben Schüler der Wiener Akademie und bei dem Maler F. Waldmüller. Bis 1856 arbeitete er als Dekorationsmaler, zuletzt in Innsbruck. Im Rahmen einer Wohitätigkeitsveranstaltung gab er hier als Tratschschmiedl in Nestroys Posse „Tritschtratsch“ seine erste Vorstellung als Schauspieler. 1857 ging er an das Vorstadttheater in der Au nach München, wo er bis 1860 engagiert war. Zwischendurch trat er in Ansbach, Würzburg, Nürnberg, St. Gallen und Zürich auf. 1861-64 war er am Deutschen Theater in Amsterdam (Grand Théâtre) als Charakterkomiker und Regisseur, bald schon auch als Oberregisseur und Geschäftsleiter tätig. Von hier holte ihn 1864 der Theaterdirektor Eduard Kreibig nach Graz, wo er bis 1873 trotz wiederholter Engagementsanträge aus Wien als Schauspieler und Regisseur wirkte. Bisher vor allem als Nestroy- und Raimund-Darsteller erfolgreich, gelang ihm hier 1871 mit dem Wurzelsepp in Anzengrubers „Der Pfarrer von Kirchfeld“ der entscheidende künstlerische Durchbruch zum Charakterdarsteller. Mit Anzengruber, der ihn als den besten Interpreten dieser Rolle bezeichnete, verband ihn seitdem eine lebenslange Freundschaft. Nach einem Engagement am Theater an der Wien folgte M. Kreibig 1876 an das Deutsche Landestheater in Prag, wo er in fast 10jähriger Tätigkeit in einem breitgefächerten Repertoire, das von der Operette über das Volksstück bis zum Klassiker reichte, seine gerühmte Vielseitigkeit unter Beweis stellen konnte. 1889 fand er nach einem kurzen Engagement als Oberregisseur am Carltheater in Wien (1886), Gastspielen am Theater an der Wien (1887) und am Sommertheater in Prag (1888/89) seine eigentliche künstlerische Heimstätte am neugegründeten Deutschen Volkstheater in Wien. Bereits die Eröffnungsvorstellung am 1.9.1889 brachte ihm als Regisseur und als Darsteller des Hubmayr in Anzengrubers für diesen Anlaß geschriebenem „Fleck auf der Ehr“ einen durchschlagenden Erfolg. Blieb M.s künstlerische Tätigkeit in den 19 Jahren seines Engagements (letztes Auftreten am 29.10.1908) vor allem auf das Volksstück konzentriert, so leistete er doch auch als Charakterdarsteller in Rollen wie der des Schauspielers in Gorkis „Nachtasyl“ oder als Dr. Relling in Ibsens „Wildente“ Hervorragendes. Seine eigentliche Domäne aber blieb neben Nestroy und Raimund Anzengruber. als dessen berufenster Interpret er galt. Vor allem wurde er der herausragende „Steinklopferhans“ in dessen „Kreuzlschreibern“. M. charakterisierte seine Gestalten bis in alle Einzelheiten naturnah, aber frei von Übertreibungen und wurde damit zu einem der bedeutendsten Volksschauspieler des deutschen Sprachraums. Hinter seinem beweglichen und zungenfertigen Spiel stand ein warmherziger, aber auch zutiefst bitterer Humor.

  • Literatur

    L. M.s Rollenverz., eingel. v. L. Anzengruber, 1906;
    R. Tyrolt, Allerlei v. Theater u. Kunst, 1909;
    K. Glossy, 40 J. Dt. Volkstheater, 1929;
    Wiener Künstler-Dekamerone, o. J., S. 42 ff.;
    Neue Freie Presse v. 7.8.1904, 19. u. 20.5.1906, 29.10.1908, 13. u. 18.6.1913;
    Wiener Ztg. v. 13. u. 18.6.1913;
    Neues Wiener Tagbl. v. 18.6.1913 u. 12.4.1914;
    Reichspost v. 14.6.1913;
    Voss. Ztg. v. 22.6.1913;
    Österr. Rdsch. 7, 1906, S. 107;
    Neuer Theater Alm. 1907, S. 148, u. 1914, S. 173;
    O. G. Flüggen, Biograph. Bühnenlex. d. dt. Theater, 1892;
    Eisenberg;
    Kosch, Theater-Lex.;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Edith Marktl
  • Empfohlene Zitierweise

    Marktl, Edith, "Martinelli, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 295 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116810629.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA