Lebensdaten
1871 bis 1945
Geburtsort
Posen
Sterbeort
Münster (Westfalen)
Beruf/Funktion
Philosoph ; Psychologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116797045 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hielscher, Johannes

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Zitierweise

Hielscher, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116797045.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl August;
    M Anna Rosine Moske;
    Fanny (1884–1940), T d. Polizeihauptwachtmeisters Wilhelm Kayatz in Hamburg u. d. Marie Marg. Oberdiek.

  • Leben

    H. studierte in Leipzig, Halle, Heidelberg, Straßburg und Zürich. Er promovierte 1900 bei E. Meumann in Zürich, wo er 1901 Assistent am psychologischen Laboratorium wurde und sich 1902 habilitierte. 1908 ging er als Privatdozent nach Münster und wurde dort 1921 außerordentlicher und 1934 ordentlicher Professor. In Dissertation und Habilitationsschrift und noch einmal 1930 geht H. naturphilosophischen Problemen nach. 1905-07 legt er psychologische Untersuchungen früher Formen philosophischen Denkens vor. – Von hohem Rang ist H.s Fichte-Interpretation, mit der er einen bleibenden Beitrag zum Verständnis der Fichteschen Philosophie leistete. Er berichtigt nicht nur die Fehlinterpretation, das Denken des „subjektiven Idealisten“ Fichte sei eine Stufe auf dem Wege des Geistes von Kant zu Hegel, indem er Fichte, dessen Leistung Schelling und Hegel gründlich verkannt hätten, als konsequenten und eigenständigen Vollender der Kantischen Transzendentalphilosophie darstellt, sondern H. zeigt auch, daß die Fichtesche Philosophie eine Reflexion des Lebens zum Zwecke der Gestaltung des Lebens nach dem erblickten Grundprinzip, der Idee, ist. Weil Fichte das Leben reflektiert, ist die Wissenschaftslehre Philosophie der Erfahrung, und zwar einmal, insofern nach Fichte dem Ich der Gehalt des Nicht-Ich nur in Erfahrung gegeben wird, zum anderen, insofern Wissen in unmittelbarer Anschauung sich selbst erfahren muß, soll es der gewisse Kardinalpunkt des Systems werden. In diesem selbstgewissen Wissen dokumentiert sich ein Leben, das allem Begreifen vorausliegt und das nur gelebt, nicht aber in Begriffe aufgelöst werden kann. Dieses Urleben ist die Idee. Die Gestaltung des Lebens durch die Idee wird in der praktischen Philosophie, besonders der Religionslehre erörtert. Die letzte steht nach H. im Zentrum des Fichteschen Denkens, weil die Religion gerade das reine Leben aus der Idee ist.

  • Werke

    u. a. Unterss. z. geschichtl. Entwickelung d. Logik in d. Prinzipien d. Mechanik, Diss. Zürich 1901;
    Entwurf e. Erkenntnistheorie d. Massenbegriffs, d. räuml. u. zeitl. Messens, Habil.schr. Zürich 1902;
    Völker- u. individualpsycholog. Unterss. üb. d. ältere griech. Philos., in: Archiv f. d. ges. Psychol. 5, 1905, 6, 1906;
    Das psycholog. Verhältnis zw. d. allg. Bildungsstufe e. Volkes u. d. in ihm sich gestaltenden Weltanschauungen, ebd. 9, 1907;
    Btrr. z. Grundlegung e. genauen Meßverfahrens, ebd. 77, 1930;
    Das Denksystem Fichtes, 1913.

  • Literatur

    Pogg. IV, VII a.

  • Autor/in

    Wilhelm G. Jacobs
  • Empfohlene Zitierweise

    Jacobs, Wilhelm G., "Hielscher, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 108 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116797045.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA