Lebensdaten
1843 bis 1906
Geburtsort
Bessungen bei Darmstadt
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Bühnentechniker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116769319 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lautenschläger, Christian (eigentlich)
  • Lautenschläger, Karl
  • Lautenschläger, Christian (eigentlich)
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Zitierweise

Lautenschläger, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116769319.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jakob (* 1815), Bäckermeister, S d. Bäckermeisters Johannes u. d. Anna Maria Bär;
    M Elisabeth (* 1820), T d. Christoph Faust, Gastwirt auf d. Ludwigshöhe in B., u. d. Anna Elisabeth Jacobi;
    Stief-V Christian Bormuth, Schauspieler u. Szenerie-Insp. in D.;
    - 1) 1867 ( 1891) Emilie Gierth (* 1843) aus Darmstadt, 2) Gauting 1891 Leopoldine Leisenberger (* 1853) aus Wien, gesch. v. Hofkonditor Ludwig Hof in M.;
    1 S, 1 T aus 1).

  • Leben

    L. kam durch seinen Stiefvater früh mit dem Theater in Verbindung. Auf Veranlassung seiner Mutter wurde er aber nicht Schauspieler, sondern kam ohne höhere Schulbildung zu dem berühmten Bühnentechniker Karl Brandt (1828–81, s. L), dem Mitarbeiter Richard Wagners, in die Lehre. Seine erste Anstellung bekam er 1863 am Stadttheater Riga, 1865 ging er an das Hoftheater Stuttgart. 1880-1902 war er am Hoftheater München als technischer Leiter tätig. Hier hatte er die szenische Einrichtung der Mustervorstellungen der „Gesamtgastspiele“ von 1880, die „Separatvorstellungen“ Kg. Ludwigs II. und das laufende Repertoire zu betreuen, ferner besondere Effekte für die Schloßbauten des Königs zu erfinden.

    L.s Bedeutung als Reformator der Szene beruht auf drei Neuerungen. Er wandte die Elektrizität nicht nur für die Beleuchtung, sondern auch als Antriebskraft auf der Bühne an. Im Sept. 1882 wurde anläßlich der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung im Münchener Glaspalast von Gottfried Semper ein Versuchstheater errichtet, in dem L. die technische Einrichtung ausführte. Die elektrische Bühnenbeleuchtung wurde 1883 in das Residenztheater und in erweiterter Form im Jahr darauf in das Nationaltheater übernommen. Die Veränderungen der Lichtstärke und der Farbkomposition wurden durch einen von L. erfundenen Apparat erreicht. L.s zweite Neuerung war die variable neue „Shakespeare-Bühne“ im Münchener Nationaltheater, die 1889 erstmalig erprobt wurde. Durch sie wurde die Inszenierung von Dramen mit viel Szenenwechsel wesentlich erleichtert. Trotz ihrer Zeitbedingtheit trug diese Bühnenform, die er auf Anregung des Intendanten Karl v. Perfall und des Regisseurs Josza Savits konstruierte, zur Raumvorstellung der modernen Bühne bei. Ernst v. Possart und sein Kapellmeister Hermann Levi wollten die Mozart-Opern in einer der Vorlage entsprechenden Gestalt auf die Bühne bringen; dazu konstruierte L. seine wichtigste Erfindung: die Bühne mit dem kreisförmigen, drehbaren Podium, auf dem mehrere Szenenbilder zugleich aufgebaut und mit einer Drehbewegung einzeln an die Bühnenöffnung gebracht werden konnten, ohne daß der Ablauf der Handlung gestört wurde. Die Drehbühne wurde bald auf allen Theatern heimisch und erfuhr mit dem Fortschreiten der Technik bis in unsere Tage eine ständige Weiterentwicklung. – L.s Bedeutung als Bühnentechniker lag darin, daß er die vom Barock überkommene Kunst weiter entwickelte und neue Erkenntnisse von Wissenschaft und Technologie auf das Theater angewendet hat. Seine Erfindungen gaben Bühnenbildnern und Regisseuren neue gestalterische Mittel an die Hand.

  • Werke

    Die Münchener Dreh-Bühne im kgl. Residenz-Theater, 1896.

  • Literatur

    F. Kranich, Bühnentechnik d. Gegenwart I, 1929, S. 282 ff.;
    G. Schöne, K. L. Reformer of Stage Scenery, in: Innovations in Stage and Theatre Design, 1972, S. 60-77;
    ders., K. L., e. Reformator d. Szene, in: Bühnenformen - Bühnenräume - Bühnendekorationen, hrsg. v. R. Badenhausen u. H. Zielske, 1974, S. 177-86;
    Kosch, Theater-Lex. (auch f. K. Brandt);
    BJ XI.

  • Portraits

    Phot. in H. Frieß, 300 J. Münchener Oper, 1954, S. 39.

  • Autor/in

    Günter Schöne
  • Empfohlene Zitierweise

    Schöne, Günter, "Lautenschläger, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 731 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116769319.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA