Lebensdaten
1780 bis 1848
Geburtsort
Linz
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
österreichischer Kriegsminister ; Feldzeugmeister
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 116752769 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Latour, Theodor Franz Graf Baillet de
  • Latour, Theodor Graf Baillet de
  • Latour, Theodor Franz Graf Baillet de

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Zitierweise

Latour, Theodor Graf Baillet de, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116752769.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Maximilian (s. 1);
    1816 Sophie Gfn. Bourcier (1796–1889);
    1 S, 1 T;
    E Vincenz (1848–1913), k. u. k. Min. f. Kultus u. Unterricht (s. ÖBL I, S. 45).

  • Leben

    Auf der Militärakademie in Wiener Neustadt und der Ingenieur-Akademie in Wien für den Militärberuf ausgebildet, begann|L. seine Laufbahn in einem Ingenieurkorps und wurde schon bald mit Generalstabsaufgaben betraut. In den Kriegen bis 1815 fand er vielfältige Verwendung in Italien (u. a. Schlacht von Marengo 1800) und Deutschland (u. a. Schlacht bei Ulm 1805, wo er in Gefangenschaft geriet, Schlachten von Dresden und Leipzig 1813, Generalstabschef der Armee des Kronprinzen von Württemberg 1814/15). In den Friedensjahren nach dem Wiener Kongreß hatte der Inhaber von Regimentern der Artillerie und der Infanterie zahlreiche militärische Führungsfunktionen (u. a. in Linz, Olmütz und Prag) inne und wurde 1832 in Wien Vertreter des Erzhzg. Johann als Direktor des österr. Geniewesens. 1814 zum Generalmajor befördert, wurde L. 1831 Generalfeldmarschall-Leutnant und 1846 Generalfeldzeugmeister.

    Die Berufung L.s 1829 zum Präses und Bevollmächtigten der Bundes-Militärkommission bei der Frankfurter Bundesversammlung zeichnete ihn nicht nur als Militärexperten aus, sondern bescheinigte ihm auch seine Verwendbarkeit in schwierigen militärpolitischen Missionen. Dem österr. Kaiserhaus treu ergeben, zögerte er 1848 nicht, die Berufung durch Kaiser Ferdinand I. zum Chef des neu geschaffenen Kriegsministeriums zu akzeptieren (30.4.). Als entschiedener Verfechter der Konservativen fühlte sich L. in der Nationalitätenfrage zum Handeln gezwungen und trat der ungar. Erhebung entgegen. Da ihm zu Beginn des dritten Wiener Aufstandes die Flucht nicht gelang, wurde er eines der namhaftesten Mordopfer der 1848er Revolution in Österreich.|

  • Auszeichnungen

    Ritterkreuz d. Mil.-Maria-Theresien-Ordens.

  • Literatur

    J. Svoboda, Die theresian. Mil.ak. zu Wiener Neustadt I, 1894, S. 269;
    F. Gatti, Gesch. d. k. u. k. techn. Mil.ak. I, 1901, S. 392;
    R. Kiszling, Die Rev. im Kaisertum Österreich 1848-49, I, mit Btrr. v. J. Diakow u. a., 1948;
    W. Wagner, Gesch. d. k. k. Kriegsmin. I: 1848-66, 1966, S. 15-28, 208, 238 u. ö.;
    W. Keul, Die Bundesmil.komm. (1819–66) als pol. Gremium, 1977.

  • Literatur

    zu 1) u. 2) ADB 18;
    C. A. Schweigerd, Oesterreichs Helden u. Heerführer v. Maximilian I. bis auf d. neueste Zeit in Biogrr. u. Charakterskizzen III, 2, 1855, S. 1342-45 bzw. 597-611;
    J. Hirtenfeld, Der Mil.-Maria-Theresien-Orden, 1857;
    Wurzbach I, S. 124-26.

  • Portraits

    Lith. (Wien, Albertina);
    Holzstich (ebd.), Abb. in: LIZ, 1848, Nr. 282.

  • Autor/in

    Helmut Neuhaus
  • Empfohlene Zitierweise

    Neuhaus, Helmut, "Latour, Theodor Graf Baillet de" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 683-684 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116752769.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Latour: Theodor Franz, Graf Baillet von L., k. k. Feldzeugmeister, zu Linz am 15. Juni 1780 geboren, zählt gleich seinem im vorigen Artikel charakterisirten Vater zu den ihrem Kaiser und Vaterlande ergebensten Persönlichkeiten des österreichischen Heeres. Nach einer gründlichen militärischen Ausbildung, die er 7 Jahre in der Militär-Akademie zu Wiener-Neustadt und 3 Jahre in der Ingenieur-Akademie zu Wien genossen hatte, trat L. 1799 gleich als Oberlieutenant in das Ingenieurcorps, von dort 1804 in den Generalstab und nahm Theil an den Feldzügen 1799, 1800 in Italien, 1805 in Deutschland, wobei er zu Ulm in feindliche Gefangenschaft gerieth, 1809 in Galizien, 1812 im Auxiliarcorps. Wiederholt im Laufe dieser Kriege seiner Bravour und Entschlossenheit wegen lobend genannt, errang ihm seine in der Schlacht bei Podubny am 11. und 12. August 1812 bewiesene umsichtige Wirksamkeit, sein kühnes und wohlbedachtes Vorgehen gegen überlegene Streitkräfte so wie die Eroberung von Geschützen die Verleihung der höchsten militärischen Auszeichnung, des Ritterkreuzes des Militär-Maria-Theresien-Ordens. Sein Verhalten bei Dresden und Leipzig 1813 wird in den Relationen dieser Schlachten in anerkennendster Weise gerühmt, für seine wesentlichen Verdienste im Feldzuge 1814 und 1815 als Generalstabschef des Armeecorps des Kronprinzen von Württemberg wurde aber L. außer der Tour vom Obersten zum Generalmajor befördert. In der nun folgenden Friedenszeit, während welcher er 1825 zum Inhaber des 3. Artillerie-Regiments, 1831 zum Feldmarschall-Lieutenant, 1832 zum Inhaber des 28. Infanterie-Regiments, 1846 zum Feldzeugmeister ernannt wurde, hatte|L. sein bestes Wissen und Können dem Dienste des Heeres gewidmet, sowohl als Artillerie-Brigadier zu Olmütz, wie als Präses der Militärcommission der deutschen Bundesversammlung zu Frankfurt, ferner bei Ausarbeitung des Befestigungsentwurfes für Rastatt, dann endlich als Stellvertreter des Genie-Directors. Das J. 1848, die Monarchie in ihren Grundfesten erschütternd, sollte jedoch für L. verhängnißvoll werden. Zur Führung des Kriegsministeriums berufen, waltete er ohne Rücksicht auf sein hohes Alter unermüdlich, selbstlos seines schweren Amtes; sein wohlgemeintes Streben ging sichtlich dahin, der öffentlichen Stimmung keinen Anlaß zur Beunruhigung zu geben. Hierfür hatten aber die von herrschsüchtigen Aufwieglern irregeleiteten, die Gesetze nicht achtenden Massen kein Verständniß. L. wurde als Volksfeind erklärt, vom Pöbel im Kriegsministerium aufgesucht und in einer für alle Zeiten schmachvollen Art am 6. Octbr. 1848 ermordet.

    Wurzbach, Biograph. Lexikon d. Kaiserth. Oesterreich etc., 1. Bd., Wien 1856. Hirtenfeld, Der Mil. Maria-Theresien-Orden etc., Wien 1857. Die Hofkriegsrathspräsidenten und Kriegsminister d. k. k. österr. Armee, Wien 1874. Schweigerd, Oesterreichs Helden und Heerführer, 3. Bd., Wien 1854. Teuffenbach, Vaterländisches Ehrenbuch, Wien u. Teschen 1877. Springer. Gesch. Oesterr. etc., Leipzig 1865. Meynert, Gesch. d. Ereignisse in der österr. Monarchie 1848/49, Wien 1853. Erinnerungen an den k. k. FZM. und Kriegsminister Theodor Gf. Baillet de Latour, Gratz 1849. Ergebnisse d. v. d. k. k. Milit.-Gerichte geführten Untersuchung wider die Mörder des k. k. Kriegsministers FZM. Gf. Theodor Baillet de Latour, Wien 1850. Dunder, Denkschr. üb. d. Wiener October-Revolut., Wien 1849. Welden, Feldzug d. Oesterr. gegen Rußland im J. 1812, Wien 1870. Svoboda, Die Zöglinge der Wiener-Neustädter Militär-Akademie, Wien 1870.

  • Autor/in

    Schinzl.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schinzl, "Latour, Theodor Graf Baillet de" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 16-17 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116752769.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA