Lebensdaten
1772 bis 1847
Geburtsort
Koblenz
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Schauspielerin ; Dichterin ; Dramatikerin ; Schriftstellerin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116752505 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Franul von Weißenthurn, Johanna Rachel Theresia
  • Grünberg, Johanna
  • Grünberg, Johanna Rachel Theresia
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Zitierweise

Franul von Weißenthurn, Johanna, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116752505.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Benjamin Grünberg ( 1781), aus Strelitz/Meckl., Offizier, dann Wanderschauspieler;
    M Maria Anna Rausch ( 1795, 2] Schauspieler Joh. Andr. Teichmann);
    1791 Alois Franul v. Weißenthurn (1759–1817), aus Fiume, Großhandlungskassier;
    1 S, 1 T, u. a. Fanny, Schauspielerin;
    Groß-N Maximiliane v. Weißenthur (Ps. Hugo Falkner, 1851–1931), Schriftstellerin.

  • Leben

    Als Kind lernte F. alles Elend der Wanderbühnen kennen. Nach dem frühen Tod ihres Vaters erhielt sie den Schauspieler Johann Andreas Teichmann zum Stiefvater, der sie bei seinem Kindertheater verwendete, bis sie endlich 1786 im Münchener Hoftheater unterkam. Unbefriedigt ging sie 1789 zu ihrem Bruder an das Theater zu Baden bei Wien, wo J. F. H. Brockmann ihr Talent entdeckte und sie an das Burgtheater in Wien brachte, dessen Mitglied sie 1789-1842 wurde und wo sie zuerst meist Liebhaberinnen, später die Mütter gab. Von Napoleon, dem sie gefiel, erhielt sie für die Phädra 3000 Francs. Sie entdeckte ihr Talent zur Dramatikerin um 1796 durch eine Wette, und nun folgten an die 60 bühnengewandte Lustspiele, Familienstücke im Ifflandstil und romantische Spektakelstücke aus der Geschichte ohne höher gesteckte Ziele und nur durch die vollendete Kunst des Schauspielers für den Theatererfolg berechnet. Ihre Stücke blieben lange im Repertoire des Burgtheaters und wurden auch an anderen Bühnen aufgenommen. Sie stand, durch das goldene Verdienstkreuz geehrt, nicht nur als Künstlerin und Schriftstellerin in hohem gesellschaftlichem Ansehen; zahlreiche Schriftsteller gedachten ihrer.

  • Werke

    W u. a. Der Wald bei Hermannstadt, 1808;
    Hermann. 1817;
    Die Bestürmung v. Smolensk, 1833;
    – Schauspiele, 6 Bde., 1804-17;
    Neue Schauspiele, 2 Bde., 1817;
    Neueste Schauspiele, 2 Bde., 1821 f.;
    Neueste Schauspiele, 4 Bde., 1826-36.

  • Literatur

    ADB VII;
    Wests Sonntagsbl., Wien 1807, Nr. 20;
    Karol. Bauer, Aus m. Bühnenleben, 1871, S. 304 ff.;
    Die Plauderstube, Gratis-Beil. z. Casseler|Tagebl., 2. Jg., 1882, Nr. 83, 3. Jg., 1883, Nr. 1-4 (Abdruck ihres wertvollen Memoirenfragmentes, Original im Bes. d. Nachkommen);
    Neues Wiener Tagbl. v. 17. u. 18.5.1897;
    J. Schreyvogels Tagebücher, 1903;
    F. Peschel, Die Theaterdichtungen d. Frau J. F. v. W., Diss. Wien 1913;
    C. Pichler, Denkwürdigkeiten aus m. Leben, hrsg. v. E. K. Blümml, 1914;
    J. Du Toit, J. F. v. W., Diss. Göttingen 1924;
    Eisenberg (unter WeißSenthurn, auch f. T Fanny);
    Goedeke XI. 2, S. 90-99;
    Wurzbach IV;
    Frels;
    Kosch, Theater-Lex. (W). – Zu Groß-N Maximiliane v. W.:
    Wurzbach 54;
    Brümmer;
    Kosch, Lit.-Lex.

  • Portraits

    Ölgem. v. Lange (Wien, Ehrengal. d. Burgtheaters);
    Stich v. J. Neidl, 1809;
    Stich v. C. Pfeiffer (Wien, P -Slg. d. Gen.Intendanz u. Hist. Mus.).

  • Autor/in

    Gustav Gugitz
  • Empfohlene Zitierweise

    Gugitz, Gustav, "Franul von Weißenthurn, Johanna" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 357-358 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116752505.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Franul: Johanna F. v. Weissenthurn, geb. Grünberg, dramatische Schriftstellerin und Schauspielerin, geboren zu Koblenz 1773, 17. Mai 1847 in Wien. Sie war die Tochter eines ziemlich talentlosen Schauspielers Benjamin Grünberg, der i. J. 1781 verstarb. Der Stiefvater Johannens, Andreas Teichmann, gab mit den Kindern des Verstorbenen dramatische Vorstellungen nach Weiße's „Kinderfreund“, in denen sich Johanna durch Anmuth und Natürlichkeit hervorthat. Bei einer Vorstellung auf dem Haustheater des Grafen|Seefeld, sah der Intendant des Münchener Theaters Graf Seeau die junge Kraft in der Titelrolle des Melodrams „Blandine“ und engagirte sie 1787 für die von ihm geleitete Bühne. 1788 verließ Johanna München, suchte ihren Bruder in Baden bei Wien auf, wo auch sie engagirt ward; aber schon im folgenden Jahr gewann sie Brockmann, den ihr Spiel fesselte, für das Wiener Burgtheater, dem sie bis zu ihrem Abschied von den Brettern, 3. März 1842, ununterbrochen angehörte. Strebsamen Geistes füllte sie in Wien die tiefen Lücken ihrer höchst mangelhaften Bildung aus, spielte neben Mad. Rose mit Erfolg erste Liebhaberinnen und trat später in das Fach der alten Damen, gemüthlichen Frauen und Heroinen über, das sie ebenfalls erfolgreich vertrat. Die Urtheile über ihre Künstlerschaft sind allerdings sehr widersprechend, doch fühlt man aus allen heraus, daß F. eine Künstlerin von Gottes Gnaden nicht gewesen ist, obgleich sie 1809 in Schönbrunn als Phädra dem ersten Napoleon außerordentlich gefiel. In das J. 1791 fällt ihre Vermählung mit F. v. Weissenthurn, einem Patricier aus Fiume, der in Wien als Beamter angestellt war und vor ihr verstarb. 1829 feierte sie das 40jährige, 1839 das 50jährige Jubiläum ihrer Mitgliedschaft am Burgtheater und erhielt bei ersterem Anlaß vom Kaiser Franz die große goldene Civilverdienstmedaille, bei letzterem die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft von Friedrich Wilhelm III. von Preußen, begleitet von einer sehr schmeichelhaften und anerkennenden Kabinetsordre. Außer diesen Auszeichnungen ist F. auch die Ehre zu Theil geworden, in die von Joseph II. 1786 begründete Porträtgallerie bedeutender Schauspieler aufgenommen zu werden. Ohne von besonders hervorragender Bedeutung zu sein, hat sich F. doch in der Litteratur- und Theatergeschichte einen Platz zu sichern gewußt. Eine ziemlich nüchterne Vielschreiberin, zur Produktion durch eine Wette angeregt, schrieb sie an sechzig Theaterstücke, von denen die ernsteren an thränenseliger Sentimentalität gar sehr leiden. Ihre Lustspiele, wie auch einige ihrer Schauspiele zeigen selbständige Erfindung, frischen, wenn auch oft breiten Dialog, mehr komische Situation und treffende Charakteristik, als eigentlich dramatische Handlung. F. fand ihrerzeit und selbst noch nach ihrem Tode ein dankbares und zahlreiches Publicum, das ihre Arbeiten oft und mit Vergnügen sah. Aus Wlassack's, seiner Chronik des Burgtheaters angehängtem „Register der Stücke“ ersieht man, daß in Wien z. B. die Lustspiele „Welche ist die Braut" vom 25. Januar 1813 bis 25. Februar 1848 57 Mal, „Das letzte Mittel“ vom 3. November 1820 bis 31. Januar 1865 59 Mal, „Beschämte Eifersucht“ vom 9. März 1801 bis 24. August 1844 62 Mal, das Schauspiel „Der Wald bei Hermannstadt" vom 14. Juli 1807 bis 10. Mai 1840 sogar 117 Mal aufgeführt wurden. Außer den eben genannten gehören zu Franul's bekannten Dramen auch „Die Radicalkur", „Die Ehescheuen", „Totila, König der Gothen", „Das Gut Sternberg", „Welches ist der Bräutigam“, „Pauline“, „Die Reise nach Amerika“, „Johann, Herzog von Finnland“ u. A. Die meisten Werke Franul's erschienen in drei Sammlungen: „Schauspiele“ (Wien 1804—17, 6 Bde.), „Neue Schauspiele“ (ebd. 1817, 2 Bde., 2. Aufl., Berlin 1823) und „Neue Schauspiele“, neue Folge (Berlin 1821 f. u. Wien 1826, 29 u. 31, 5 Bde.). Der Inhalt dieser Bände findet sich bei Fernbach und Kayser und in Goedeke's Grundr. III. S. 810. Die Stücke Franul's geben zumeist dem Schauspieler dankbare Aufgaben und darin liegt ein großer Theil ihrer unverwüstlichen Zugkraft.

    • Literatur

      Vgl. u. A. Wolff, Almanach für Freunde der Schauspielkunst auf 1839, S. 101—107, und Heinrich, dens. auf 1848, S. 58—62.

  • Autor/in

    Joseph , Kürschner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kürschner, Joseph, "Franul von Weißenthurn, Johanna" in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 276-277 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116752505.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA