Lebensdaten
1799 bis 1874
Geburtsort
Regensburg
Sterbeort
Regensburg
Beruf/Funktion
Entomologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116745665 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Herrich-Schäffer, Gottlieb August Wilhelm
  • Herrich, Gottlieb August (Zuname Schäffer seit 1821)
  • Herrich, Gottlieb August Wilhelm (Zuname Schäffer seit 1821)
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Zitierweise

Herrich-Schäffer, Gottlieb August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116745665.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. August Herrich (1768–1858), Dr. med., Medizinalrat, S d. Ernst Gottfr. (1735–1813), kursächs.kursächsisch Oberrechnungsrat in Dresden, u. d. Sophia Elisabeth Funk;
    M Maria Marg. (1781–1815), T d. Joh. Ulrich Gottlieb v. Schäffer (bayer. Personaladel 1824, 1753-1829), Dr. med., Hofrat u. Leibarzt d. Fürsten v. Öttingen-Wallerstein (s. ADB 30), aus Arzt- u. Naturforscherfam., u. d. Christina Elisabeth Ritter;
    Vt Eduard v. Siebold ( 1861), Prof. d. Geburtshilfe, Carl Theodor v. Siebold ( 1885), Prof. d. Zoologie;
    - 1824 Marianne (1804–58, kath.), T d. Franz Anton v. Dolle (1760–1839), thurn u. taxis. Hofrat u. Dir. d. II. Zivilgerichts in R., u. d. Emilie v. Schott;
    2 S, 4 T (4 K früh †), u. a. Gustav (1836–1903), Arzt u. Naturforscher in R. (s. L).

  • Leben

    H. studierte seit 1817 Medizin in Würzburg, Erlangen (1819), Heidelberg (1820), Landshut (Promotion 1821) und Berlin (1822) und erhielt mannigfache Anregungen durch Ch. G. Nees von Esenbeck, G. H. Schubert und Johann Chr. Friedrich Klug. Nach kurzer Privatpraxis in Regensburg wurde er 1824 Landgerichtsarzt in Vohenstrauß (Oberpfalz), 1828 anstelle seines Vaters in Stadtamhof und 1833 Kreis- und Stadtgerichtsarzt in Regensburg (pensioniert 1858). Neben seiner ärztlichen Praxis pflegte er umfangreiche entomologische Studien, die er schon in den Schülerjahren unter Einfluß seiner Verwandten und des Forstmeisters C. Ludwig Koch begonnen hatte. Neben eigenen Beobachtungen widmete er sich der Publikation bedeutender Abbildungswerke, deren Kupfertafeln er überwiegend selbst zeichnete und stach. So übernahm er den Verlag der „Fauna insectorum Germanicae …“ von G. W. F. Panzer (bis 1844), vollendete (bis 1853) das Heteropterenwerk („Wanzenartige Insekten“) von Carl Wilhelm Hahn ( 1836, s. Werk(e)) und führte die „Sammlung europäisch Schmetterlinge“ von Jacob Hübner fort. Diese Bemühungen gipfelten in einem eigenen 6bändigen Werk über „Systematische Bearbeitung (oder Beschreibung) der Schmetterlinge von Europa“ (1843-56), mit dem er die Grundlage für ein Lepidopteren-System schuf. In der Behandlung nomenklatorischer und systematischer Probleme zeigte sich seine Bedeutung als Wissenschaftler; er erkannte die Flügelrippen der Schmetterlinge als sicheres taxonomisches Merkmal, auf das er eine neue Lepidopteren-Systematik begründete. – Als geschickter Organisator gründete H. 1846 den zoologischmineralogischen Verein Regensburg mit einem „Correspondenzblatt“ und leitete hier seit 1863 auch die botanische Gesellschaft und deren Zeitschrift „Flora“. Zahlreiche Schmetterlingsarten sind nach ihm benannt.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1859, u. d. Leopoldina, 1864.

  • Werke

    Weitere W u. a. De generatione insectorum partibusque ei inservientibus, Diss. Landshut 1821;
    |Nomenclator entomologicus, H. 1, 1835 (Hemipteren, Lepidopteren), H. 2, 1840 (Coleopteren, Orthopteren, Dermatopteren, Hymenopteren);
    Ueber d. auf Flügelrippen gegr. System d. Schmetterlinge, in: Abhh. d. zool.-mineralog. Ver. Regensburg 3, 1849, S, 175-96;
    Slg. neuer od. wenig bekannter außereurop. Schmetterlinge I, 1850-58, II, 1869;
    Neue Schmetterlinge aus Europa u. d. angrenzenden Ländern, 1856-61;
    Systemat. Verz. d. Europ. Schmetterlinge, in: Corr.bl. d. zool.-mineralog. Ver. Regensburg 9, 1855, S. 17-48 (selbständig 21861, 31863). - W-Verz. in: W. Horn u. S. Schenkling, Index Litteraturae Entomologicae II, 1928, S. 544-47. - Zu C. W. Hahn: H. A. Hagen, Bibl. Entomologica, 1862.

  • Literatur

    ADB 30 (unter Schäffer);
    O. Hoffmann, in: Stettiner Entomol. Ztg. 35, 1874, S. 277-84;
    ders., in: Corr.bl. d. zool.-mineral. Ver. Regensburg 28, 1874, S. 65-73;
    G. Kraatz, in: Berliner Entomol. Zs. 18, 1874, S. 7, u. 19, 1875, S. 437 (P);
    Leopoldina 10, 1874, S. 2-5 (W);
    The Entmologist's Monthly Mgz. 11, London 1874–75, S. 20;
    F. v. Kobell, in: SB d. math.-physikal. Kl. d. k. Bayer. Ak. d. Wiss. München, 5, 1875, S. 125 f.;
    O. Fürnrohr, Die Naturforscher-Fam. Schäffer in Regensburg, in: Berr. d. naturwiss. Ver. zu Regensburg 11, 1905/06, S. 120-39 (W, P);
    W. Horn, in: Entomol. Beihh., 1935;
    H. Osborn, Fragments of entomological hist. …, Columbus/Ohio 1937. - Zu S Gustav: H. Fürnrohr, in: Berr. d. naturwiss. Ver. zu Regensburg 9, 1901/02, S. 129-31 (P).

  • Autor/in

    Ilse Jahn
  • Empfohlene Zitierweise

    Jahn, Ilse, "Herrich-Schäffer, Gottlieb August" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 683 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116745665.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schäffer: Gottlieb August (Herrich)-S. war der Sohn des Medicinalraths Dr. Herrich und nahm erst später auf Wunsch seines Großvaters Dr. G. v. Schäffer den Namen Herrich-Schäffer an. Er wurde am 17. December 1799 zu Regensburg geboren. Von Jugend auf zeigte er große Neigung Insecten, namentlich Schmetterlinge zu sammeln und zu beobachten. Entscheidenden Einfluß auf diese Neigung hatte ohne Zweifel der Umstand, daß ihm die Sammlungen und Schriften des auf dem Gebiete der Entomologie hoch verdienten Superintendenten J. Chr. Schäffer, seines Urgroßonkels. zur Verfügung standen, sowie die Bekanntschaft mit dem Forstmeister C. L. Koch. 1818 bezog S. die|Universität Würzburg. Obgleich er sich Hier dem Studium der Mebicin widmete, setzte er doch seine entomologischen Studien eifrig fort und wählte 1821 zu seiner Doctordissertation ein Thema aus diesem Gebiete: „De generatione insectorum partibusque ei inservientibus“. Nachdem S. mehrere Jahre die Stelle eines Gerichtsarztes in Vohenstrauß in der Oberpfalz bekleidet hatte, wurde er zum Nachfolger seines in den Ruhestand getretenen Vaters nach Regensburg berufen. Neben seinen amtlichen Functionen als Landgerichtsarzt und seiner bald sehr bedeutenden Praxis widmete er sich mit regem Eifer seinem Lieblingsstudium. Zunächst unternahm er es, die Fauna insectorum germ. von Panzer, von welcher seit Panzer's Tode nur noch das 110. Heft von dem Maler Geyer in Regensburg erschienen war, zu vollenden. Da er keinen geeigneten Kupferstecher finden konnte, so lernte er selbst das Kupferstechen, und so war es ihm möglich bis zum Jahre 1844 Heft 111—190 mit 1920 Kupfertafeln erscheinen zu lassen. Ebenso beendigte S. nach Dr. Hahn's Tode dessen Werk über die wanzenartigen Insecten. Sein Hauptwerk war jedoch: „Systematische Beschreibung der Schmetterlinge von Europa“, 6 Bände mit 36 schwarzen und 636 colorirten Kupfertafeln, 1843 bis 1855. Gestützt auf ein reiches Material, welches er theils selbst gesammelt, theils durch Ankauf werthvoller Sammlungen sich verschaffte, hat er darin ein umfassendes wissenschaftliches System aufgestellt. Dieses Werk ist eine der bedeutendsten Erscheinungen in der entomologischen Litteratur und bildet für die Systematik der Schmetterlinge den Grundstein, auf welchen die neuere Zeit weiter aufbaute. Als Nachtrag dazu erschien; „Neue Schmetterlinge aus Europa und den angrenzenden Ländern“, 1859—1860, sowie: „Sammlung neuer oder wenig bekannter außereuropäischer Schmetterlinge“, 1850—1869. Im J. 1846 gründete S. den zoologisch-mineralogischen Verein in Regensburg und führte bis zu seinem Tode die Direction desselben, mit der er nach Professor Fürnrohr's Tode die der königlichen botanischen Gesellschaft verband. Zahlreiche kleinere Abhandlungen, welche in dem von ihm redigirten Correspondenzblatte, sowie in Germar's Zeitschrift für Entomologie, der Stettiner entomologischen Zeitung u. s. w. erschienen, geben im Verein mit dem oben citirten Werke Zeugniß für seine staunenswerthe Arbeitskraft. Zahlreiche entomologische Vereine ernannten ihn zu ihrem Ehrenmitgliede. Kurz nach seinem fünfzigjährigen Doctorjubiläum, bei welcher Veranlassung ihm der Titel Medicinalrath verliehen wurde, traf ihn ein Schlaganfall, von dem er sich nicht wieder erholen konnte. S. starb am 14. April 1874.

  • Autor/in

    W. Heß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heß, Wilhelm, "Herrich-Schäffer, Gottlieb August" in: Allgemeine Deutsche Biographie 30 (1890), S. 530-531 unter Schäffer [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116745665.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA