Lebensdaten
1896 bis 1971
Geburtsort
Dresden
Beruf/Funktion
Bankier ; Gutsbesitzer ; Präsident der Europäischen Zahlungsunion
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116731249 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mangoldt-Reiboldt, Hans Karl von
  • Mangoldt Reiboldt, Hans Karl
  • Mangoldt, H. K. von
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Zitierweise

Mangoldt-Reiboldt, Hans Karl von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116731249.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Erich (1856–1924), Major a. D., sächs. Hofmarschall, S d. Geh. Reg.rats Gustav (1804–75) u. d. Agnes v. Reiboldt;
    M Adelheid (1867–1952), T d. Karl Anton Frhr. v. Fritsch, auf Seerhausen, u. d. Auguste Grunelius;
    Ov Hans (s. 1);
    Vt Hans (s. 2);
    Berlin 1927 Ursula (1904–87), Dr. theol., Schriftstellerin, Bes. d. Verlags Otto Wilhelm Barth (s. L), T d. Bankiers Fritz Andreae ( 1950, s. NDB I) u. d. Exdith Rathenau;
    N Hermann (s. 3).

  • Leben

    M. besuchte die Prinzenschule am Hofe Kg. Alberts von Sachsen. Am 1. Weltkrieg nahm er 1914-18 teil, zunächst als sächs. Gardereiter, dann als Infanterist. Im Januar 1919 immatrikulierte er sich an der juristischen Fakultät der Univ. Leipzig. Er unterbrach sein Studium noch im selben Jahr und folgte einem Ruf des deutschen Gesandten v. Erdmannsdorff nach Riga. Dort blieb er bis zum Ausbruch der Kämpfe mit bolschewistischen Truppen. Die aus der Gesandtschaft geretteten Akten brachte er nach Königsberg. In Berlin nahm er 1920 das Studium wieder auf, das er in Leipzig mit dem Referendarexamen und der Promotion beendete. Er erhielt eine Stelle in einem kleinen Privatbankhaus in Berlin, in dem er bald zum 2. Syndikus aufrückte. Mitte der 20er Jahre trat er in das Berliner Bankhaus Hardy & Co. ein. Er wirkte beim Aufbau von dessen bayer. Filiale in München mit und wurde 1926 Teilhaber dieser Niederlassung, die als selbständige Kommandit-Gesellschaft unter kommanditorischer Beteiligung des Barmer Bankvereins errichtet worden war. Nach der Übernahme dieser Niederlassung durch die Dresdner Bank (1933) hatte M. bis 1945 in Berlin einen Direktoriumsposten im Stammhaus der Hardy & Co. GmbH inne. Das Ende des Krieges erlebte er auf seinem Gut bei Weilheim in Oberbayern.

    1945-46 war M. von der amerikan. Militärregierung eingesetzter Treuhänder für die Ablieferung der demontierten Maschinen und Einrichtungen der Bayer. Motoren-Werke, seit 1948 auch Aufsichtsratsvorsitzender von BMW. Als Vertreter der gewerblichen Wirtschaft war M. von Januar 1947 bis Januar 1950 Mitglied des Verwaltungsrates der Landeszentralbank von Bayern in München. 1947-52 war er als Verwalter der Bayer. Creditbank tätig, die nach der regionalen Aufgliederung der Großbanken entstanden war und die ehemaligen Filialen der Deutschen Bank in Bayern umfaßte. Nach der Rekonzentration der Banken gehörte er 1952-71 der Deutschen Bank – Altbank, Berlin, 1956-57 der Süddeutschen Bank und 1957-60 der Deutschen Bank als Aufsichtsratsmitglied an.

    M.s Hauptbetätigungsfeld lag seit 1948 auf dem Gebiet der Internationalen Wirtschafts- und Finanzpolitik. Im Juli 1948 wurde M. durch Oberdirektor Hermann Pünder als zunächst einziger deutscher Vertreter in der bizonalen Delegation bei der europ. Marshallplan-Organisation in Paris (OEEC) benannt. Die schrittweise Übergabe der Kompetenzen von amerikan. und brit. Besatzungsbehörden an deutsche Stellen spiegelte sich wider in der personellen Ausweitung der deutschen Vertretung in der OEEC-Delegation, deren inoffizieller Leiter M. seit Oktober 1948 war. Zu seinen Mitarbeitern in Paris gehörte u. a. seit Frühjahr 1949 Otmar|Emminger (1911–86), der für Finanzfragen zuständig war. Als nach der Konstituierung der Bundesrepublik Deutschland die Voraussetzungen für die Übernahme der bundesdeutschen Vertretungsrechte in der OEEC gegeben waren, übernahm M. am 31.10.1949 offiziell die Leitung der deutschen Delegation, die er bis April 1951 innehatte. Er setzte sich in dieser Zeit für die Schaffung der Europäischen Zahlungsunion (EZU) ein, deren vertragliche Regelung er am 19.9.1950 als Vertreter der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnete. Dem Direktorium der EZU gehörte M. bereits seit Juli 1950 an. Am 30.7.1951 wurde er zum Stellvertreter des Vorsitzenden Pierre Calvet (Frankreich) und ein Jahr später zum Vorsitzenden gewählt. Bis zur Auflösung der EZU am 29.12.1958 anläßlich des Übergangs der europ. Währungen zur Konvertierbarkeit wurde er alljährlich von der OEEC in seinem Amt bestätigt. Während er in der Anfangszeit 1950/51 die Interessen der Bundesrepublik als Staat mit defizitärer Außenhandelsbilanz, die eine zeitweise Rücknahme der bereits erzielten Liberalisierungsmaßnahmen erforderlich machte, vertreten hatte, sah er sich in der Folgezeit in der EZU mit dem Problem einer stark positiven westdeutschen Außenhandelsbilanz konfrontiert. An der Entscheidung, die EZU über den Abschluß des Marshallplans im Juni 1952 hinaus zu verlängern, hatte er maßgeblichen Anteil. Er befürwortete die Ausweitung der Handelsliberalisierung und die Konvertierbarkeit der Währungen. M. sondierte frühzeitig die Möglichkeiten eines bundesdeutschen Beitritts zum Internationalen Währungsfonds (IWF) und zur Weltbank, der eine der Voraussetzungen für die Integration der Bundesrepublik in das internationale Handels- und Währungssystem war. Im Auftrag von Bundeswirtschaftsminister Erhard führte er in Washington Anfang 1952 die Verhandlungen über den Beitritt zu den beiden Organisationen, der am 14.8.1952 erfolgte. Mit dem Beitritt wurde M. zum Deutschen Vizegouverneur beim IWF ernannt. Dieses Amt hatte er bis August 1962 inne.

    Im Juni/Juli 1951 weilte M. im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums in Washington, um organisatorische Regelungen zur Wahrung deutscher Interessen in Rohstoffangelegenheiten zu studieren und dazu Vorschläge zu unterbreiten.

    Seit 1952 gehörte er dem Außenhandelsbeirat des Bundeswirtschaftsministeriums an. 1957-60 war er deutsches Mitglied des Komitees zur Förderung der Europ. Bewegung durch US-Wirtschaftskreise. 1958-62 war M. Präsident des Direktoriums des Europ. Währungsabkommens (EWA), der Nachfolgeorganisation der EZU. Ebenfalls 1958 war M. für eine sechsjährige Amtszeit zum Vizepräsidenten des Direktoriums der Europ. Investitionsbank (EIB) gewählt worden, einer Institution mit den Aufgaben einer zunächst auf die EWG bezogenen, in der ersten Hälfte der 60er Jahre aber auch auf Griechenland und die Türkei ausgedehnten regionalen Entwicklungsbank. Im Mai 1961 wurde er vom Ministerrat der NATO beauftragt, zusammen mit dem franz. Ministerpräsidenten Edgar Faure eine Studie über die Entwicklungsmöglichkeiten Griechenlands und der Türkei zu erstellen. Diese Studie führte im Februar 1963 zur Bildung des Konsortiums der OECD für die Entwicklung der Türkei, dessen Präsident M. bis 1967 war. Die Leitung des sog. Türkenkonsortiums war M.s letztes Amt im Auftrag der Bundesregierung. – Gr. Bundesverdienstkreuz mit Stern (1954), Kdr. d. Ehrenlegion (1957, als erster Deutscher nach 1945).

  • Literatur

    Landeszentralbank v. Bayern (Hrsg.), Geschäftsber. f. d. J. 1947, S. 3, 19;
    dass. f. d. J. 1948/49, S. 47;
    E. Achterberg, Berliner Banken im Wandel d. Zeit, Eine Sehr. z. 75j. Bestehen d. Bankhauses Hardy & Co. GmbH Frankfurt-Berlin, 1956, S. 67;
    H. K. v. M. z. 2. Aug. 1966, 1966;
    Zs. f. d. ges. Kreditwesen 24, 1971, S. 179;
    Europ. Investitionsbank (Hrsg.), 25 J. Europ. Investitionsbank 1958–73, o. J., S. 114;
    Akten z. Vorgesch. d. Bundesrepublik Dtld. IV: Jan.-Dez. 1948, bearb. v. Ch. Weisz, H.-D. Kreikamp u. B. Steger, 1983, S. 699;
    O. Emminger, D-Mark, Dollar, Währungskrisen, Erinnerungen e. Bundesbankpräs., 1986, S. 61, 91, 95;
    Akten d. Hist. Archivs d. Dt. Bundesbank, Aktenbde. HA Bd. 2033, DB 30, 33, 3320-3322, 3363-64. – Ursula v. Mangoldt, Auf d. Schwelle zw. Gestern u. Morgen, 1963 (P).

  • Autor/in

    Carsten Lüders
  • Empfohlene Zitierweise

    Lüders, Carsten, "Mangoldt-Reiboldt, Hans Karl von" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 33 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116731249.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA