Lebensdaten
1848 bis 1937
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Literaturhistoriker ; Theaterhistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116667478 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Glossy, Karl

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Zitierweise

Glossy, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116667478.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (1804–75), Vergolder, S d. Zeugmachers Josef (Vorfahren Mitte 18. Jh. als Seidenweber aus Mailand eingewandert) u. d. Theresia Wollschütz;
    M Katharina verw. Seitz (1809–88), Inh. e. Vergoldergeschäfts, T d. Schuhmachers Gg. Pfauhuber in W. u. d. Josefa Gfaller;
    B Gustav (1850–1937), Bankdir. u. Präs. d. Wiener Hausherrenver.;
    Wien 1877 Marie (* 1859), T d. Theodor Herm. Scholtze, Dir. e. Versicherungsgesges., u. d. Amalia v. Lama;
    1 T Blanka (1893–1952, Dr. med. Hans Schwarz-Glossy), Burgschauspielerin.

  • Leben

    G. unterbrach mit 15 Jahren seine Schulbildung am Wiener Piaristengymnasium und ging zum Theater; er war mit einer Wandertruppe in Ungarn und dann in Znaim beschäftigt, kehrte aber nach einem Jahr zurück und beendete seine Schulzeit in Krems, wo er bereits Theaterkritiken schrieb. Nach Erlangung des Dr. jur. an der Universität Wien tritt er 1874 beim Magistrat Wien ein, wird 1881 Kustos der Städtischen Sammlungen, 1890 Direktor der Stadtbibliothek (1904 Ruhestand; Regierungsrat, später Hofrat) und erwirbt sich eingehende geschichtliche Kenntnisse auf Grund archivalischer Forschung. Sein großes Organisationstalent bewährt er bei der Betreuung der großen Ausstellungen der Stadt Wien 1883 (Historische Ausstellung, Türkenbefreiung), 1891 (100. Geburtstag Grillparzers), 1892 (Musik und Theater), 1897 (Schubert), deren Kataloge er redigiert. Nach dem Tod der letzten der Schwestern Fröhlich hat er Grillparzers Nachlaß aufgenommen und durch Veröffentlichung vieler Dokumente aus Archivbeständen die Grillparzer-Forschung mitbegründet, indem er zudem zahlreiche Aufsätze über den Dichter, meist in dem von ihm herausgegebenen „Jahrbuch der Grillparzer-Gesellschaft“, erscheinen ließ. Mit seinen Arbeiten hat G. Grundlegendes für die Kenntnis des österreichischen Vormärz geleistet, indem er (zum Teil mit A. Sauer) Raimunds Werke, Bauernfelds und Schreyvogels Tagebücher herausgab und viele Quellen, vor allem zur Geschichte der Zensur, erschloß. Seine Liebe zum Theater hieß ihn die Geschichte der Gründung des Burgtheaters und die des Deutschen Volkstheaters schreiben, seine weit verstreuten Artikel, die vielfach in Zeitungen erschienen, mußten erst von Freunden zu Gedenktagen gesammelt und benützbar gemacht werden. G. stützt sich immer auf Dokumente, die er geschickt in lesbarer, oft fesselnder Art, stets klar und anschaulich, zu verwerten weiß. So gehört sein Schaffen durchaus jener Epoche an, die die Erschließung von Quellen und Dokumenten als erste wissenschaftliche Aufgabe betrachtete. Seit 1904 leitete er mit Alfred Freiherr von Berger, dessen Gesammelte Werke er mit A. Bettelheim in 3 Bänden 1913 herausgab, die „Österreichische Rundschau“, jenes vornehme Organ großösterreichischer Haltung, dem mit dem Untergang der Monarchie der Boden entzogen wurde. Die Wiener Tradition hat G., der „letzte Josefiner“, den man einen „letzten Wiener echten Schlages und großen Stils“ nannte, festgehalten.

  • Werke

    Verz. v. O. Zausmer, in: K. G., Wiener Stud. u. Dokumente, z. 85. Geb.tag d. Vf., hrsg. v. s. Freunden, 1933, S. 185-90 (P, dort auch Slg. kleinerer Aufsätze). - Kleinere Schrr., 1918 (P);
    F. Raimunds Sämtl. Werke, 1881 (mit A. Sauer);
    Aus d. Burgtheater, Tagebücher d. Hofschauspielers Costenoble, 1888;
    Zur Biogr. d. Wiener Bgm. Andreas v. Liebenberg, 1888;
    Aus Grillparzer-Ges. 21-23, 1911-13;
    Zur Gesch. d. Theater u. Tagebücher, 2 Bde., 1903 (mit A. Sauer);
    J. Schreyvogels Tagebücher 1810–23, 2 T., 1903;
    Literar. Geh.berr. a. d. Vormärz, in: Jb. d. Grillparzer-Ges. 21-23, 1911-13;
    Zur Gesch. d. Theater Wiens, ebd. 25, 1915, 26, 1920, 30, 1931;
    H. Laube gegen e. stehendes franz. Theater in Wien, ebd. 32, 1933, S. 119-24;
    Ein literar. Geh.ber. a. d. J. 1846, ebd., S. 125-46;
    Ein Kap. a. d. Ztg.gesch. Altösterreichs, ebd. 33, 1935, S. 134-43;
    Wien 1840–48, eine amtl. Chronik I (1840–44), in: Schrr. d. Literar. Ver. Wien 23, 1917;
    Aus d. Briefmappe e. Burgtheaterdir. (F. Dingelstedt), 1925;
    Das Burgtheater unter s. Gründer Josef II., 1926;
    40 J. Dt. Volkstheater, 1929.

  • Literatur

    A. Sauer, in: K. G., Kleinere Schrr., 1918, S. VIII-XIX (P), wieder in. Sauer, Ges. Schrr. I, Probleme u. Gestalten, 1933, S. 253-65;
    E. Rollett, in: Wiener Stud. u. Dokumente, 1933, S. 2-8 (P);
    E. Reich, K. G. u. d. Grillparzer-Ges., in: Jb. d. Grillparzer-Ges. 34, 1937, S. 1-13;
    K. A. Pfob, in: Wiener Gesch.bll. III/24, 3. J.heft, 1948, S. 24-27;
    Nagl-Zeidler (P);
    H. Giebisch - L. Pichler - K. Vancsa, Kl. Österr. Lit. Lex., 1948, S. 125 f.;
    ÖBL;
    Kosch, Lit.-Lex.;
    Kosch, Theater-Lex. - Ztg.aufsätze vgl. Ztg.index d. Stadtbibl. Wien.

  • Portraits

    Gem. v. L. Wieden, 1920 (im Bes. Dr. H. Schwarz-Glossy, Wien);
    v. H. Temple (Wien, Städt. Mus.);
    v. J. Engelhart (ebd., Dt. Volkstheater);
    Bleistiftskizze v. dems.;
    Büste v. Jary;
    Kreidezeichnung v. E. Frankfurter, 1931, in: Wiener Stud. (s. W, Titelbild).

  • Autor/in

    Moriz Enzinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Enzinger, Moriz, "Glossy, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 464 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116667478.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA