Lebensdaten
1863 bis 1927
Geburtsort
Göttingen
Sterbeort
Hannover
Beruf/Funktion
Bibliothekar ; Historiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116660554 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kunze, Karl

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Zitierweise

Kunze, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116660554.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V August Otto ( 1879), Dr., Bibliothekar an d. Univ.bibl. Göttingen;
    M Theodore, T d. Kirchenrats u. Sup. D. Heinr. Aug. Bernh. Christoph Seidel in G. u. d. Elise Selig;
    1890 Charlotte Sachs aus Worms;
    1 S.

  • Leben

    Bei Ludwig Weiland in Göttingen bildete sich K. in der Tradition der dortigen quellenkritischen Schule zum Historiker. An der Doktorarbeit (1886), die der niederrhein. Territorialgeschichte im 14. Jh. gewidmet war, rühmte noch K. Brandi den weiten geschichtlichen Horizont. Als Mitarbeiter des Hansischen Geschichtsvereins und des köln. Stadtarchivars Konstantin Höhlbaum war K. seit 1887 in Göttingen an der Herausgabe hansischer Geschichtsquellen beteiligt. Er edierte zunächst die von Ludwig Rieß in engl. Archiven gesammelten „Hanseakten aus England, 1275-1412“ (1891). Als Höhlbaum eine Professur für mittelalterliche Geschichte in Gießen übernahm, ging K. 1890 dorthin. Für das Hansische Urkundenbuch, dessen Fortsetzung ihm übertragen wurde, bereiste er 1891-96 die Archive in Norddeutschland, den Niederlanden, Belgien und im nördlichen Frankreich. Über den Ertrag hat er in den Hansischen Geschichtsblättern (6-9, 1891-97) methodologisch-kritisch berichtet. Die Bände 4-6 des Urkundenbuches (1896–1905), für die Zeit von 1361 bis 1433, wurden seine bedeutendste quelleneditorische Leistung; den Band 7 hat er nicht vollendet. Er schränkte die Edition auf die die Hanse als Ganzes betreffenden „Zeugnisse rechtlicher Natur“ ein und grenzte das Urkundenbuch stärker gegen die Edition der Hanserezesse ab. Als Anerkennung seiner Editionsarbeit erhielt er 1905 den Professortitel.

    Wegen seiner wirtschaftlich ungesicherten Stellung hatte sich K. 1897 veranlaßt gesehen, in den preuß. Bibliotheksdienst einzutreten. An der Universitätsbibliothek Greifswald unterzog er sich der seit 1893 vorgeschriebenen Ausbildung zum beamteten Berufsbibliothekar; 1901 wurde er Hilfsbibliothekar. Als Fritz Milkau seit 1902 die zurückgebliebene Universitätsbibliothek aus dem Geiste und nach den Normen der auf die Förderung des Nutzungswertes der Bildliotheken für Wissenschaft und Bildung gerichteten Reformen der Ära Althoff zu erneuern begann, hat sich K., zumal ihm eine Anstellung im preuß. Staatsdienst nicht beschieden war, für diese Bestrebungen im Bereich der provinzialen Selbstverwallung eingesetzt: 1903 übernahm er die Leitung der Staatsbibliothek Stettin. Er begann sogleich die Neukatalogisierung nach den neuen preuß. Regeln von 1899 und die innere Neuordnung der Verwaltung; 1905 konnte die Bibliothek ein zweckmäßigeres Gebäude beziehen. Unter seinem Nachfolger Erwin Ackerknecht ist die reorganisierte Stadtbibliothek zum Ausgangspunkt für dessen volksbibliothekarische Bestrebungen geworden. – 1907 trat K. als Direktor an die Provinzialbibliothek Hannover über. Diese als Hofbibliothek der welfischen Kurfürsten gegründete, von Leibniz ausgebaute, an Handschriften und alten Drucken reiche Bibliothek galt nach zeitgenössischem Urteil als „höchst primitiv“ eingerichtet und kaum zugänglich. Um auch hier die Neukatalogisierung zu beschleunigen, bediente sich K. der engen Zusammenarbeit mit dem preuß. Gesamtkatalog in Berlin (unter Leitung Rieh. Ficks). Die hannov. Bibliothek ist damit eine der ersten gewesen, die über den Kreis der 11 preuß. Universitätsbibliotheken hinaus dem Gesamtkatalog beigetreten ist. Weiterhin wurde ein neuer Systematischer Katalog und ein Spezialkatalog der landesgeschichtlichen Buchbestände begonnen, schließlich 1914 ein Neubau vorgesehen. Unter den Nachwirkungen des 1. Weltkriegs blieb dieses Erneuerungswerk unvollendet, aber K. hatte mit ihm die Grundlagen für eine öffentliche Landesbibliothek der damals noch getrennten niedersächs. Territorien geschaffen.

    In die gleiche Richtung zielte jetzt K.s wissenschaftsorganisatorische Tätigkeit. Als Vorstandsmitglied und zuletzt als Vorsitzender des Historischen Vereins für Niedersachsen gab er dessen Zeitschrift heraus, seit 1924 als „Niedersächs. Jahrbuch“. 1910 war er Mitbegründer der niedersächs. Historischen Kommission. Wie er als Diplomatiker den positivistischen Tendenzen der Epoche folgte, so hielt er sich als praktizierender Bibliothekar theoretischen Erörterungen fern und widmete sich ausschließlich den Verwaltungsaufgaben, wie sie das Bibliothekswesen jener Epoche vorrangig bestimmten.

  • Werke

    Weitere W Die pol. Stellung d. niederrhein. Fürsten in d. J. 1314–34, 1886;
    Die Neukatalogisierung d. Kgl. Bibl. in Hannover, in: Zbl. f. Bibl.-wesen 26, 1909, S. 394-707.

  • Literatur

    O. H. May, in: Zbl. f. Bibl.wesen 44, 1927. S. 344 ff.;
    ders., Zur Gesch. d. vormals Kgl. u. Provinzial-Bibl., in: 60 J. Hannov. Provinzialverwaltung, 1928, S. 327-39;
    ders., in: Nd.sächs. Lb. I, 1939, S. 284-301 (P);
    K. Brandi, in: Niedersächs. Jb. 4, 1927, S. I-V.

  • Autor/in

    Hans Lülfing
  • Empfohlene Zitierweise

    Lülfing, Hans, "Kunze, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 309 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116660554.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA