Lebensdaten
1859 bis 1950
Geburtsort
Konitz (Westpreußen)
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Verleger ; sozialdemokratischer Politiker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 116657022 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heimann, Hugo

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Zitierweise

Heimann, Hugo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116657022.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Eduard (1818–61), Verleger (Kaufm.?) u. Stadtverordnetenvorsteher in K., S d. Joachim Moses (1777–1854), aus Jastrow b. Dt.-Krone, u. d. Rebecca Mendelsohn;
    M Marie Levy (1822–92), aus Wlozlawsk/Polen;
    1888 Caecilie Levy (* 1868, Cousine);
    2 S, 1 T, u. a. Eduard (* 1889), Prof. d. Volkswirtsch. in Hamburg.

  • Leben

    Beim Tode des Vaters übernahm dessen Freund Mortier Levy (1808–87), der dem engsten Kreis der 1848er Demokraten angehörte, die Erziehung H.s und seiner 4 Geschwister. Nach dem Besuch des Berliner Gymnasiums Zum Grauen Kloster bis zur Unterprima erlernte H. den Buchhandel und trat 1880 bei einer Londoner Buchhandlung eine Volontärstelle an. Ende 1884 kehrte er nach Berlin zurück und wurde 1885 Juniorpartner von D. Collin, dem Inhaber der J. Guttentagschen Verlagsbuchhandlung, deren alleinigen Besitz er nach dem Ausscheiden von Collin 1890 erwarb. 1898 verkaufte H. den sehr angesehenen Verlag an de Gruyter und verwandte einen Teil seines Vermögens zur Einrichtung einer nach dem Muster der englischen Free Public Libraries aufgebauten „Öffentlichen Bibliothek und Lesehalle“, die er 1919 der Stadt Berlin schenkte. Seine öffentliche Tätigkeit begann H., der bereits als Verleger der Sozialdemokratischen Partei beigetreten war und zu den nahen Freunden Bebels und Singers zählte, als Bürgerdeputierter der Armendirektion. Er verwaltete damit eines der größten Armendezernate im Osten Berlins. 1900 wurde er zum Stadtverordneten gewählt. 1911-25 führte er den Vorsitz in der Sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion. Seit 1919 amtierte er als Stadtverordnetenvorsteher. Während dieser Tätigkeit widmete sich H. vor allem der Wohnungs- und Verkehrspolitik und setzte sich mit Nachdruck für eine Einheitsgemeinde Großberlin ein. Wegen seiner Verdienste um die Bildungsarbeit in seiner Partei übertrug man H. 1906 den Vorsitz in deren Zentralem Bildungsausschuß. 1908 zog er als einer der ersten 5 sozialdemokratischen Abgeordneten in das noch nach dem Dreiklassenwahlrecht gewählte Preußische Abgeordnetenhaus ein und hielt dort am 20.1.1909 als erster Sozialdemokrat eine sehr beachtete Etatsrede. Im November 1918 wurde H. Volksbeauftragter der Stadt Berlin und wurde am 16.2.1919 in die konstituierende Nationalversammlung gewählt. Am 11.7.1919 übernahm er als Nachfolger Hermann Müllers den Vorsitz des Hauptausschusses (Haushaltsausschuß), den er mit einer kurzen Unterbrechung 1924 bis 1932 beibehielt. Er wandte sich mit Erfolg gegen Etatsüberschreitungen und setzte sich mit Nachdruck für die termingerechte Vorlage des Staatshaushaltes ein. Bis 1939 weigerte sich H., der aus Altersgründen für die Neuwahlen zum Reichstag im Oktober 1932 und für die Stadtverordnetenwahlen im Februar 1933 nicht mehr kandidiert hatte, Deutschland zu verlassen. Dann emigrierte er mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen, ohne seine Tochter, die auf eigenem Wunsch zurückblieb und später in einem Konzentrationslager umkam, nach New York. Auch als amerikanischer Staatsbürger blieb H. mit der deutschen Sozialdemokratie verbunden, wandte sich gegen den Vorwurf deutscher Kollektivschuld und setzte sich für einen gerechten Frieden mit Deutschland ein.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenbürger v. Berlin 1926 (1933 Entziehung, 1947 Erneuerung d. Ehrenbürgerschaft).

  • Werke

    Der Kampf um d. Aufwertung v. Helfferich bis Hindenburg. Wie ihn d. Dt.nationalen u. wie ihn d. Soz.demokraten führten, 1925;
    Der Reichshaushalt, Grundlagen, Inhalt u. Bedeutung, 1929;
    Vom tätigen Leben, 1949 (Autobiogr., P).

  • Literatur

    G. Oschilewski, 50 J. im Dienst d. soz. Fortschritts, 1949;
    W. Hammer, Hohes Haus in Henkers Hand, 21956, S. 48 (P, S. 94);
    Hdb. d. soz.-demokrat. Parteitage v. 1863-1909, bearb. v. W. Schröder, 1910, Bd. 1;
    F. Osterroth, Biograph. Lex. d. Sozialismus I, 1960.

  • Autor/in

    Klaus Malettke
  • Empfohlene Zitierweise

    Malettke, Klaus, "Heimann, Hugo" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 272 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116657022.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA