Lebensdaten
1798 bis 1833
Geburtsort
Tübingen
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116650885 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heigelin, Karl Marzell

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Zitierweise

Heigelin, Karl Marzell, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116650885.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Ludw. (um 1775–1804), Dr. iur., Kanzleiadvokat in St., Gutsbes., S d. Marzell Frdr. (1735–96), Hofrat, Oberstleutnant u. Oberproviantkommissar in Heilbronn, u. d. Marg. Christiane Cath. Ziegler;
    M Karoline (1779–1853), T d. Hauptm. Ferd. Christoph Vischer in St. u. d. Luise Andreä (Schillers „Laura“);
    Stief-V (seit 1805) Frdr. Frhr. v. Brand ( 1857), württ. Gen.-Lt.;
    - Ellwangen 1823 Minna (* 1804), T d. Regierungsrats Franz Xaver Milz in Ellwangen u. d. Franziska v. Schreiber;
    1 S (früh †), 3 T (2 früh †).

  • Leben

    H. besuchte in Ludwigsburg das Lyceum und lernte dann 1814-15 architektonisches Zeichnen beim Hofbaumeister Ferdinand Fischer in Stuttgart. 1815-18 folgte eine bautechnische Lehrzeit in Ludwigsburg. Seit 1818 war er zusammen mit dem Freund und späteren württembergischen Hofbaumeister L. Zanth Assistent Fischers. Auf dessen Anraten begann er 1821 eine Bildungsreise, zunächst über Darmstadt (Bekanntschaft mit Hofbaumeister G. Moller) und Kassel, die ihn zu einem längeren Aufenthalt nach Paris führte, wo er J. N. L. Durand, Fischers Lehrer und Professor an der École polytechnique, nähertrat. 1822 ging er nach Rom und Neapel. Unter dem Klima leidend, kehrte er vorzeitig zurück, ließ sich 1823 in Tübingen nieder (1823 Dr. phil., Staatsexamen für Baumeister) und wurde Privatdozent in der Staatswirtschaftlichen Fakultät. Neben Vorlesungen über Baukunst, Kunstgeschichte und Ästhetik begann er zu publizieren und auch zu bauen, unter anderem das später sogenannte „Uhlandhaus“, und eröffnete eine vielbesuchte private Bauschule. Sein Haus war damals ein geselliger Treffpunkt für das Bildungsbürgertum und die Studenten Tübingens. In diese Zeit fällt sein Entwurf für eine Bischofskathedrale in Rottenburg (nicht ausgeführt). Für Bern lieferte er 1824 Entwürfe für einen Stadtbrunnen. Auch entwickelte er verbesserte Baukonstruktionen, so den „Heigelinschen Dachstuhl“, und befaßte sich mit Reformen der Ziegeldachbedeckung und des Heizungswesens. An seinem eigenen Wohnhaus versuchte er eine Neubelebung des Pisébaues (Stampf-Erdbaues). 1829 erhielt H. einen Ruf an die Gewerbeschule in Stuttgart, die spätere Technische Hochschule. H.s Bedeutung besteht insbesondere auch darin, daß er 1831 in amtlichem Auftrag ein Gutachten über eine erweiterte Organisation der Anstalt erstattete, demzufolge diese 1832 aus den bisherigen Verbindungen mit der Realschule und einer Kunstschule gelöst, verselbständigt und vergrößert wurde (H. erster Rektor). Sein Wirken dort legte den Grund zur späteren Blüte der Architekturschule in Stuttgart (Fr. Th. Vischer). – Zu Bauaufträgen bot die wirtschaftliche Depression der Zeit fast keine Gelegenheit, so daß von H. nur der Neubau von Kirchen in Korb bei Waiblingen (1832) und in Hohenstaufen (1839 nach den Plänen von H.) bekannt ist, beides sind protestantische Predigtkirchen in basilikalem Stil ohne Seitenemporen.

    Bei den Landtagswahlen 1831 wurde H. von Ludwigsburg gegen den Bürgermeister und bisherigen Inhaber des Mandats zum Landtagsabgeordneten gewählt. Den herrschenden Richtungskämpfen, die nach 2 Monaten zur Auflösung des Landtags führten, hielt er sich jedoch fern.

    H. hinterließ ein umfangreiches literarisches Werk. Sein Hauptwerk, das „Lehrbuch der höheren Baukunst für Deutsche“ (3 Bände, 1828–32), war noch um 1880 im Gebrauch. Er vertrat einen aus dem Klassizismus fortentwickelten, eigenen Baustil, verwarf jegliche Nachahmungssucht und bekämpfte die herrschende Lehre von der Trennung der Baukunst in eine theoretische und eine praktische Richtung, ebenso wie die in eine „höhere“ und eine „gemeine“.

  • Werke

    Weitere W Über d. Zusammenhang d. Kunst mit Wiss. u. Leben, Einladungsschr. zu s. Vorlesungen, 1823;
    Über d. Erbauung e. neuen Cathedralkirche zu Rottenburg [um 1825] (mit I. Jaumann);
    Hdb. d. neuesten ökonom. (d.h. ländlichen) Bauarten, 1827;
    Allg. Hdb. d. Heizung, 1827;
    Entwurf e. erweiterten Organisation d. techn. Zentralschule zu Stuttgart, 1831;
    Ein Wort üb. d. neuesten Vorschläge in Betr. d. Gewerbeschule (in Stuttgart), in: Der Hochwächter, 1831, S. 368 (15.2.);
    Nötige Antwort auf d. Art. Nr. 80 d. Hochwächters, ebd., S. 475 f. (8.3.).

  • Literatur

    Beschreibung d. Oberamts Göppingen, 1844, S. 227 (Hohenstaufen);
    dass. d. Oberamts Waiblingen, 1850, S. 168 (Korb);
    Ch. F. Leins, Das Architekturbild d. Univ.stadt Tübingen, 1877;
    J. Egle, Btrr. z. Gesch. d. neueren Architektur in Württemberg, in: Ver. f. Baukde. in Stuttgart, Sitzungsprotokolle 1879, H. 1;
    P. Goeßler, Uhlandhaus, in: Tübinger Bll. 34, 1943-45, S. 3 f.;
    O. Schmitt, Kunstgesch. im Hochschulunterricht, in: TH Stuttgart, Reden, 1948, S. 14-32;
    P. Gehring, Gesch. d. Bibl. d. TH Stuttgart als Hochschulgesch., in: Die Bibl. d. TH Stuttgart, 1962, S. 85-242 (P);
    ThB.

  • Autor/in

    Paul Gehring
  • Empfohlene Zitierweise

    Gehring, Paul, "Heigelin, Karl Marzell" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 255 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116650885.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA