Lebensdaten
1858 bis 1940
Geburtsort
Brest-Litowsk (Russisch-Polen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Bibliothekar ; Archivar
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116643854 | OGND | VIAF: 69687664
Namensvarianten
  • Ladewig, Paul

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Zitierweise

Ladewig, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116643854.html [01.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Albert, Kaufm., seit 1868 in Danzig;
    M Emilie Weiß aus Danzig;
    1898 Hedwig Müller aus Stein/Rhein;
    3 S, 1 T.

  • Leben

    L. gehörte zu den Begründern der sogenannten Bücherhallenbewegung in Deutschland, die eine grundlegende Reform des deutschen Bibliothekwesens im Sinne der angelsächs. Public Library zum Ziele hatte. Er absolvierte das Gymnasium in Danzig und wurde nach 8 Semestern Studium von Geschichte und Germanistik 1882 in Berlin promoviert. Bis Juni 1883 als Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter bei der Bad. Historischen Kommission, wurde er anschließend vom Generallandesarchiv Karlsruhe übernommen. 1889 wechselte er zur dortigen Landesbibliothek über, die seit 1872 unter Wilh. Brambach zur Gebrauchsbibliothek entwickelt wurde. Damit fand L. sein Lebenselement: die Bibliothek als Dienstleistungsbetrieb für das Publikum. Mit Enthusiasmus übernahm er 1898 den Auftrag der Firma Krupp, in Essen eine moderne Allgemeinbibliothek zu errichten. Die in kurzer Zeit erreichten Erfolge erregten weithin Aufsehen. Bald leitete L. auch die technische Bibliothek des Unternehmens, übernahm die Organisation der Privatbibliothek und begründete die Essener Stadtbibliothek. Bei mehr als 300 Neugründungen half er im Laufe der Jahre als Berater. Im Verkehrsdienst sah L. die Hauptfunktion des Bibliothekars. In einem der Zeit vorauseilenden Experiment ließ er Bücher in die Wohnungen der Benutzer bringen und von dort wieder abholen. Als er mit Krupp Schwierigkeiten bekam, ging er 1909 nach Berlin. Hier hatte gerade der Verleger August Scherl einen Plan verwirklicht, mit Methoden des Kolportagebuchhandels zur Hebung der Volksbildung beizutragen. Da auch L. hierin eine Voraussetzung für den|Aufstieg der deutschen Wirtschaft sah, stieg er in das Unternehmen ein. Dieser Schritt sollte ihn teuer zu stehen kommen, obwohl es ihm gelang, das Niveau der Verlagsproduktion anzuheben. Als er die Frucht seiner jahrelangen Bemühungen um Gestalt und Technik der Gebrauchsbibliothek in Buchform unter dem Titel „Politik der Bücherei“ (1911) herausbrachte, sah er sich neben anerkennender Zustimmung einer schonungslosen Kritik durch den auf die kleine volkstümliche Bücherei eingestellten Walter Hofmann ausgesetzt. Die deutsche Public-Library-Bewegung, damals oft unter der Bezeichnung „Einheitsbücherei“, wurde in ihrem Elan empfindlich gebremst.

    Der sensible, von Einfällen sprühende, zur Ironie neigende L. war eine dynamische, im Grunde dialektische Natur. Er schwor auf keine einzelne praktische Lösung in Bibliotheksfragen, so früh er auch Neuerungen in Deutschland einführte oder propagierte bzw. voraussah: z. B. die strikte Anwendung des Registerbrauchs in Fachveröffentlichungen, die mechanische Wortfolge bei der alphabetischen Titelaufnahme, das internationale Format der Karteikarten, die durchkomponierte Formularsammlung für den Bürobetrieb, den Turmbau für das Bibliotheksmagazin, die Errichtung von zentralen Fachbibliotheken, den kooperativen Aufbau von Beständen, die Kostenrechnung für die Bibliotheksleistungen, die gemeinsame Ausbildung aller Bibliothekare, die Vorsorge gegen die Wirkungen eines zu erwartenden Bombenkriegs. 1915 holte man ihn an die gerade errichtete Stiftung „Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht“ und betraute ihn mit der Leitung der angeschlossenen „Zentrale für Volksbücherei“. In dieser Funktion hat L. bis 1923 gewirkt und eine dazu gehörende Schriftenreihe herausgegeben. Die der Zentrale angeschlossene Bibliotheksschule war ihm gleichfalls unterstellt. Er hat hier einen qualifizierten Lehrkörper aufgebaut, mit dessen Hilfe er Bibliothekare des mittleren (gehobenen) Dienstes ausbildete. Als diese Arbeit durch die Inflation 1923 ein Ende fand, blieb er über das Pensionsalter hinaus noch als Abteilungsleiter für die Bibliothek und die „pädagogische Ausstellung“ des Zentralinstituts bis 1931 im Dienst. Hier gelang es ihm in kooperativem Verbund mit den Fachverlegern, eine pädagogische Bücherschau zusammenzustellen, die am Schluß 35 000 Bände umfaßte und in einem ausgebauten Benutzungsdienst Lehrern aller Schulen und Stufen zur Verfügung stand. Seinen Lebensabend verbrachte L. auf seinem Gut Sennewitzmühle b. Vietz/Ostbahn (Witnica), wo er 1934 noch die 3. Auflage seiner „Politik der Bücherei“ herausgab und dann seine Lebenserinnerungen verfaßte.

  • Werke

    Weitere W u. a. Poppo v. Stablo u. d. Klosterreformen unter d. ersten Saliern, 1883;
    Die Verwaltung u. Einrichtung d. Kruppschen Bücherhalle, 1905, Anhang, 1907;
    Katechismus d. Bücherei, 1914, 21922;
    Die Bibl.kurse d. Zentrale f. Volksbücherei 1916–18, 1918;
    Die kleine Bücherei, ihre Verwaltung u. Einrichtung, 1922;
    Bertelsmanns Büchereiformulare, 1. R., 1922;
    Die Bibl. d. Gegenwart, Eine Grundlegung u. Einführung, 1923;
    Dantes Vita Nuova bei Goethe, 1934 (Ernst Ludwig Presse). -
    Hrsg.: Schrr. d. Zentrale f. Volksbücherei, 1916-23. -
    Lebenserinnerungen (Ms., beim Verlag Wolfgang Jeß, Leipzig, deponiert, bisher unauffindbar).

  • Literatur

    F. Heiligenstaedt, in: Die Bücherei 7, 1940, S. 140-42;
    M. Bollert, in: ZfB 59, 1942, S. 160-68;
    Aus P. L.s Papieren, mitget. v. E. Schröder, in: Das Münster am Hellweg 11, 1958, S. 147-56;
    Hdb. d. Bibl.wiss., hrsg. v. G. Leyh, 21952-65;
    Hdb. d. Büchereiwesens, hrsg. v. J. Langfeldt, 1961-76;
    W. Mühle, Zur älteren Bücherhallenbewegung als Beginn d. dt. Volksbücherei im Za. d. Imperialismus, 1968;
    W. Thauer, Pol. d. Bücherei, P. L. u. d. jüngere Bücherhallenbewegung, 1975;
    Lex. d. Bibl.wesens, hrsg. v. H. Kunze u. G. Rückl, 2I, 1974, Sp. 852 f.;
    Rhdb. Personalakten im Bad. Gen.landesarchiv Karlsruhe.

  • Autor/in

    Adolf von Morzé
  • Empfohlene Zitierweise

    Morzé, Adolf von, "Ladewig, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 392 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116643854.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA