• Genealogie

    V Friedrich L. (1783-1866), Weingroßhändler u. Weingutsbes. in G., S d. Christoph Augut, Hofkammerschreiber u. Bes. d. Osthälfte d. Weilburger Hofs in Wiesbaden, u. d. Juliane Ritzel;
    M Wilhelmine Siegen (1785–1827) aus Varel;
    Rietberg Kr. Wiedenbrück 1840 Laura (1821–76), T d. Ludwig Tenge, auf Rietberg usw., u. d. Theodora Morden;
    2 S, 2 T (jung †).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Gymnasien in Kreuznach und Saarbrücken lebte L. in Paris und London und bereiste Italien. Die erfolgreiche Führung eines großen Export- und Bankgeschäftes in Hamburg führte 1845 zur Akkreditierung als Generalkonsul für die ital. Staaten bei den Hansestädten. 1853 übersiedelte er nach Paris. Durch die Unterstützung der Unionsstaaten von Nordamerika im Sezessionskrieg gewann er ein großes Vermögen. 1861 ließ er sich in Geisenheim die Villa Monrepos mit 3,5 ha großem Park bauen. Seine Gärten und Obstanlagen erregten im In- und Ausland Bewunderung, die Teilnahme an Gartenausstellungen in Erfurt, Hamburg, Frankfurt und Paris machte L.s Wirken weithin bekannt. 1866 schickte L. elf Kisten ausgewählter Früchte an den preuß. König mit der Bitte, in Geisenheim im Rheingau eine pomologische Hochschule mit Mustergarten zu errichten. Diese Anregung griff der König auf. Sie führte nach anfänglichen Schwierigkeiten am 9.8.1871 zur Gründung der Lehranstalt für Obst- und Weinbau zu Geisenheim. Schon 1869 war L. vom preuß. Minister für Landwirtschaft und Forsten mit der technischen Leitung der einzurichtenden Anlagen betraut worden. Bei der Planung ließ sich L. von namhaften Pomologen aus Deutschland und Belgien beraten. Seine Pläne wurden in Proskau (ehemals Pomologisches Institut im Kreis Oppeln, Schlesien) und Berlin geprüft und genehmigt. Auf seine Anregung wurden die Obstgehölze parkartig aufgepflanzt. Mit der Eröffnung der Lehranstalt am 19.10.1872 gehörte L. deren Kuratorium an. Darüber hinaus hatte er laut ministerieller Verfügung ein Mitbestimmungsrecht bei Anbaufragen. Hieraus erwuchsen Kompetenzschwierigkeiten; L. schied 1880 aus dem Kuratorium aus. Aus nachbarlicher Distanz beobachtete er das rasche Gedeihen seiner Gründung, die indirekt noch immer von seinen Beziehungen – der deutsche Kaiser und Bismarck besuchten ihn – profitierte. Für seine Verdienste (Erhaltung der Rheinlandschaft, Errichtung des Nationaldenkmals auf dem Niederwald, Tierschutz u. a.) wurde L. nobilitiert. Die heutige Forschungsanstalt für Weinbau, Gartenbau, Getränketechnologie und Landespflege, die seinen Namen trägt, ist aus seiner Gründung hervorgegangen. In der ehemaligen Villa Monrepos befinden sich das zur Forschungsanstalt gehörende Institut für Landschaftsbau sowie der Studiengang Landespflege der Fachhochschule Wiesbaden.

  • Werke

    Der Obst- u. Gartenbau in Monrepos, 1893;
    Erinnerungen aus meinem Leben, 2 Bde., 1888/1901;
    Das Problem d. unmittelbaren Ausnutzung d. Sonnenenergie u. ein neuer Vorschlag zu seiner Lösung, 1903.

  • Literatur

    F. Muth, Führer durch d. Staatl. Lehr- u. Forschungsanstalt …, 31930;
    Geisenheim 1872-1972, 100 J. Forschung u. Lehre f. Wein-, Obst-u. Gartenbau, 1972 (P);
    BJ X (Tl.).

  • Autor/in

    Helmut Hans Dittrich
  • Empfohlene Zitierweise

    Dittrich, Helmut Hans, "Lade, Eduard Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 382 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116643668.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA