• Genealogie

    V Ludw. v. C. Frhr. v. Waldsee, Kämmerer Kaiser Rudolfs II., S des Mar(z)ius v. C. ( 1586), Gouverneur v. Siena (?), u. der Terenzia v. C.;
    M Paula Gfn. v. Polcenigo;
    B Hieronymus Reichsgraf v. C.-Waldsee (seit 1629, gef. 1638 vor St. Omér), kaiserlicher Offizier.

  • Leben

    C. diente in seiner Jugend als Edelknabe und Truchseß am Hofe Kaiser Rudolfs II., der auch sein Taufpate war. Nach dessen Tod trat er in die Dienste des späteren Kaisers Ferdinand II. und focht mit Auszeichnung im Uskokenkrieg gegen die Venezianer. 1618 war er Hauptmann eines Fähnleins deutscher Knechte in Friaul; 1619 erhielt er die Bewilligung, in Niederösterreich ein Regiment zu werben, mit dem er die Grenzen dieses Erblandes sicherte. 1622 wurde dieses|Regiment aufgelöst, aber bereits 1625 war C. wieder Oberst-Inhaber eines neugeworbenen Deutschen Regiments zu Fuß (Alt-Colloredo), das 1626 in der Schlacht bei Lutter am Barenberg und im folgenden Jahr in Mecklenburg und Jütland focht. C. selbst war während dieser Zeit in Schlesien und warb dort polnische Kosaken für kaiserliche Dienste an. 1627 kommandierte er in Mähren, und 1632 erscheint er als Generalfeldwachtmeister. Beim Abfall Wallensteins blieben C. und die unter seinem Befehl in Schlesien stehenden Truppen dem Kaiser treu, der ihn dafür mit der Ernennung zum Feldmarschall und 1636 mit der Verleihung der konfiszierten Trzkaschen Herrschaft Opočno belohnte. Ab 1639 war C. Kommandierender General in Böhmen. Als solcher verteidigte er 1648 erfolgreich die Prager Alt- und Neustadt gegen die Schweden unter Königsmark. Nach Friedensschluß wurde er Gouverneur dieser Stadt. - Von Wallenstein seinerzeit nicht besonders geschätzt, nichtsdestoweniger tapfer, rücksichtslos und geschäftstüchtig, vereinigte C. in sich die Eigenschaften des erfolgreichen Heerführers seiner Zeit und legte damit den Grundstein für den Aufstieg seines Hauses.

  • Literatur

    ADB IV;
    F. J. v. Reilly, Skizzierte Biogrr. d. berühmtesten Feldherrn Österr.s, 1808, 21813, S. 182 (P);
    C. A. Schweigerd, Österr.s Helden u. Heerführer II, 1853, S. 60-87;
    A. v. Wrede u. A. Semek, Gesch. d. k. u. k. Wehrmacht II, Wien 1898, S. 99, 548;
    F. v. Georgi, Die Kommandierenden Generale in Prag v. J. 1621 bis auf d. Jetztzeit, in: Österr. militär. Zs., Wien 1910, I, S. 183-90 (P);
    H. Hallwich, 5 Bücher Gesch. Wallensteins, 1910;
    J. Pekař, Wallenstein 1630-1634, 1937.

  • Portraits

    Ölgem. (Schloß Opočno/Böhmen), Photokopie davon (Heeresgesch. Mus. Wien);
    Kupf. v. M. Merian nach Zeichnung v. C. Screta, in: Theatrum Europaeum VI, Frankfurt a. M. 1663, bei S. 332;
    Stiche v. J. Hainzel, Langer, J. Piccini, J. F. Rosbach (Bildarchiv d. Nat.-Bibl. Wien);
    s. a. Österr. Kunsttopogr. X/2, S. 325 Nr. 110.

  • Autor/in

    Johann Christoph Allmayer-Beck
  • Empfohlene Zitierweise

    Allmayer-Beck, Johann Christoph, "Colloredo-Waldsee, Rudolf Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 328 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116639679.html#ndbcontent

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  • Leben

    Colloredo-Waldsee: Rudolf, Graf v. C., österreichischer Feldmarschall, Gouverneur von Prag und Großprior des Malteserordens, geb. 2. Nov. 1585, 24. Febr. 1657. Die Colloredos zählen zu den ältesten Grafen- und Fürstengeschlechtern Oesterreichs, welche seit Jahrhunderten dem österreichischen Heere eine Reihe tapferer und verdienstvoller Kriegsmänner gegeben haben (fünfzehn Colloredos bekleideten die Generalscharge). Der Ursprung des Geschlechts wird von dem schwäbischen Edlen Liobardus hergeleitet; 1588 erhielt es die freiherrliche und 1624 die gräfliche Würde. Rudolf C., zu Prag geboren, hatte den Kaiser Rudolf I., bei welchem sein Vater Kämmerer war, zum Taufpathen. Nachdem er in den Malteserorden getreten und vom Kaiser zum Großprior in Böhmen erhoben worden, widmete er sich durch die ganze Zeit des dreißigjährigen Krieges dem Soldatenstande und zeichnete sich bei verschiedenen Gelegenheiten, besonders aber bei Lützen aus. Hier führte er den rechten Flügel und focht mit solcher Tapferkeit, daß er sieben Wunden davon trug. Nach dem Falle Wallenstein's befehligte C. eine Zeit lang die Truppen in Schlesien, machte dann 1643 den Zug Gallas' nach Holstein mit und theilte dessen Unfälle bei Magdeburg. Seinen Hauptruhm erwarb er sich jedoch im J. 1648 bei der Vertheidigung der Prager Altstadt gegen die Schweden. Alle Versuche Königsmark's sich auch dieses Theiles der Stadt zu bemächtigen, nachdem ihm die Neustadt und Kleinseite bekanntlich durch Verrath in die Hände gefallen, blieben vergeblich. C., der nach dem abgeschlossenen Frieden zum Feldmarschall ernannt worden war, starb 9 Jahre später als Gouverneur der von ihm so tapfer vertheidigten Stadt.

    • Literatur

      Hirtenfeld, Oesterr. Militär.-Lexikon, S. 732.

  • Autor/in

    v. Janko.
  • Empfohlene Zitierweise

    Janko, Wilhelm Edler von, "Colloredo-Waldsee, Rudolf Graf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 420 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116639679.html#adbcontent

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