Lebensdaten
1844 bis 1912
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Bodenreformer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116631945 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Flürscheim, Michael

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Zitierweise

Flürscheim, Michael, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116631945.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Frankfurter Fam.;
    V Bernh. (1808–68, isr.), Handelsmann, S d. Handelsmanns Adolf Michael in F. u. d. Helene Rindskopf;
    M Betty (1822–47, isr.), T d. Geldwechslers Löb Amschel Hahn in F. (1796–1856), gründete 1820 d. Bankhaus L. A. Hahn, u. d. Jette Falk;
    N.N.;
    S Bernh. (1874–1955), Chemiker (s. Pogg. VI, VII a).

  • Leben

    F. ist einer der markantesten Vertreter der Bodenreformbewegung in Deutschland. Er wurde durch seinen Arzt, Theodor Stamm, der 1871 sein sozialkritisches Werk „Die Erlösung der darbenden Menschheit“ veröffentlicht hatte, in dem sich gleichfalls bodenreformerische Gedanken finden, mit diesem Fragenkreis bekannt gemacht. Sie nahmen ihn so gefangen, daß er bald die Leitung seiner Fabrik (der Eisenwerke Gaggenau) aufgab und sich ganz der Verbreitung seiner bodenreformerischen Ideen widmete. Diese sind zuerst in seinem Buch „Auf friedlichem Wege“ 1884 formuliert worden, das – von ihm finanziell gefördert – eine weite Verbreitung fand und bis zu A. Damaschke und auch noch lange neben diesem das bekannteste und wirkungsreichste Buch der deutschen Bodenreform-Bewegung war. Während F. sich in seiner ersten Schrift noch weitgehend Henry George angeschlossen hatte, so zeigten seine späteren Veröffentlichungen ein größeres Maß an Selbständigkeit. Der Verbreitung seiner Ideen dienten auch die von ihm herausgegebenen Zeitschriften „Deutsch Land“ und „Freiland“ sowie der von ihm 1888 begründete „Deutsche Bund für Bodenbesitzreform“, dessen Leitung 1890 nach erfolgter Umorganisation Heinrich Freese übernahm.

    Nach F. besteht das Kernübel in der Tatsache, daß die Besitzenden ihr Einkommen nicht verbrauchen und damit keine Nachfrage nach produzierten Gütern ausüben, sondern daß sie Teile sparen, um sie zinsbringend anzulegen. Dieser Zins ist gleichsam eine Tributleistung der Zinsschuldner, eine Besteuerung der Gütererzeuger; er wirkt sich in einer weiteren Verschiebung des Einkommensgefüges aus. Das Kardinalproblem ist also eine Beseitigung des Zinses; damit ist die soziale Frage zu lösen, denn die breiten Schichten des Volkes könnten dann höhere Einkommen erhalten und damit mehr Güter kaufen. Um den Zins zu beseitigen, braucht man aber nicht im Sinne der Sozialisten sämtliche Produktionsmittel zu verstaatlichen (sozialisieren), sondern es genügt, das Privateigentum am Boden aufzuheben! Denn die Ursache des Zinses liegt allein in der Möglichkeit, Boden kaufen zu können, der eine Grundrente abwirft. Darum soll der Staat (durch Ausüben eines ihm zuzuerkennenden Vorkaufsrechts) den Boden an sich ziehen und ihn dann zu einem Preis verpachten, der den Pächtern nur eine Vergütung für ihre Arbeitsleistung beläßt. Da sich aber Kapitalzins (-rente) nur deswegen bilden kann, weil die Möglichkeit einer Erzielung von Bodenrente besteht, genügt die Beseitigung (Wegpachtung) der Bodenrente, um auch jene, und damit den Zins überhaupt, zu beseitigen. Die Lehren fanden in der Folgezeit viel Anklang. F. war unermüdlich propagandistisch tätig und beteiligte sich auch 1902 an einem (bald gescheiterten) Versuch, in Mexiko eine Bodenreformer-Kolonie zu begründen.

  • Werke

    Weitere W u. a. Das Staatsmonopol d. Grundpfandrechts als Weg z. Reform unserer wirtsch. Verhältnisse, 1885;
    Der einzige Rettungsweg, 1890, 31894;
    Rent, Interest, and Wages, or, the real bearings of the land question, London 1891, 31895;
    Bausteine, Btrr. z. Sozialreform, 1895;
    The Real History of Money Island, Croydon 1896;
    Not aus Überfluß, 1911;
    zahlr. Artikel, Flugschrr., Vorträge usw.

  • Literatur

    M. Seiling, F.s Vorschlag z. Lösung d. soz. Frage, 1889;
    E. Harmening, Die Lösung d. soz. Frage durch Bodenbesitzreform, 1891;
    A. Drexler, Frei Land, 1893;
    A. J. O[gilvy], The Cause of a Crisis, F.s Theory, 1894;
    P. Gutzeit, Die Bodenreform, 1907;
    H. Wehberg, A. Theodor Stamm u. d. Anfänge d. dt. Bodenreformbewegung, 1911;
    |H. Herkner, Die Arbeiterfrage II, 71921, S. 225 ff.;
    K. Diehl, Art. Bodenbesitzreform, in: Hdwb. d. Staatswiss. II, 41923/24.

  • Autor/in

    Friedrich Lütge
  • Empfohlene Zitierweise

    Lütge, Friedrich, "Flürscheim, Michael" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 262 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116631945.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA