Lebensdaten
1840 bis 1928
Geburtsort
Fellheim bei Memmingen
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Antiquar
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 116626267 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rosenthal, Ludwig

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Zitierweise

Rosenthal, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116626267.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph (1805–85), angebl. Schneider, Antiquitätenhändler in F. seit 1867 in München (s. P), S d. Nathan (1758–1844) u. d. Babet Schwab (1768–1841);
    M Dorlina (Dorlene) (1813–58), T d. Samuel Bacharach (* 1770), in F., u. d. Jendle Hess (1784–1823), aus Lauchheim;
    13 Geschw (6 früh †), u. a. Salomon (1838–1917), Babet (Bela) (* 1841), Heinrich (Henry) (1843–1919), Jette (1844–1920, David Halle, 1872, Lehrer in Schnaittach), Nathan (1849–1921), Samuel (Sol) (1850–1927), Jakob (Jacques) (s. 2), alle Antiquare u. Buchhändler;
    München 1870 Minna (* 1848), T d. Joseph Müller (1816–86), Kaufm., Privatier in München, u. d. Fanny Frank (1813/14-78), beide aus Buttenwiesen (Bayer. Schwaben);
    3 S Adolf (1872–1943), Norbert (1874–1944 KZ Auschwitz, Johanna N. N., 1883–1941), Heinrich (1879–1960), 1 T Lina (1870–1944);
    E Paul (1906- vermutl. 1944), Ernst (1906–84), Fritz (1908–55, Hilde Wolf, 1910–98), Franz (1913–56);
    N Isaak Halle (1865–1927), Ludwig R.-Dürr (1888–1975), alle Antiquare u. Buchhändler;
    Ur-E Edith Petten-Rosenthal (* 1948), Antiquarin in Leidschendam (Niederl.).

  • Leben

    R. begann 1855 im Buchladen von Isaac Heß in Ellwangen, wo sich ihm die Welt der Frühdrucke eröffnete, eine Lehre und lernte Englisch und Französisch. Danach arbeitete er für kurze Zeit in der Kuhlmeyschen Buchhandlung in Liegnitz (Schlesien). In Memmingen und Augsburg legte er die notwendigen Prüfungen ab und erhielt 1859 die Zulassung, eine eigene Buchhandlung in Fellheim zu eröffnen. Vom Juni dieses Jahres datiert sein erster Bücherkatalog mit 3000 Titeln aus dem Gebiet der kath. Theologie samt einem Nachtrag, der sich auf mittelalterliche Handschriften bezog. Die Bücher und Handschriften stammten zum großen Teil aus der nahegelegenen säkularisierten Kartause Buxheim. Später kam noch prot. Theologie und Reformationsliteratur hinzu, 1910 erschien ein Katalog mit hebr. Inkunabeln, der erste, den je ein Händler herausgebracht hatte. 1867 eröffnete R., dessen Antiquariat auf dem Gebiet der kath. Theologie führend blieb, in München (Hildegardstraße 14) ein Geschäft und nahm bald Verbindung auf mit Antiquariaten in Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und Großbritannien und bereiste auch diese Länder. Die ganze Familie zog nun nach München, auch der Vater, der v. a. seinem Sohn half, aber auch sein eigenes Geschäft weiterführte. 1872 nahm R. seine beiden jüngeren Brüder Nathan und Jakob und bald auch seine drei Söhne Adolf, Norbert und Heinrich als Mitarbeiter in das Geschäft auf, blieb aber der sehr autoritäre Chef, der selbst alle Katalogbeschreibungen durchging. 1922 trennten sich zwei Söhne von der väterlichen Firma: Heinrich eröffnete ein eigenes Geschäft unter seinem Namen, Adolf zog sich aus dem aktiven Geschäftsleben zurück, Norbert und seine drei Söhne Ernst, Fritz und Paul blieben weiterhin Mitarbeiter des Antiquariats Ludwig Rosenthal. Dieses konnte noch bis 1937 von Norbert und Fritz und dessen Frau Hilde geb. Wolf weitergeführt werden, weil Hermann Göring ihr Kunde war. Fritz, Hilde und Paul emigrierten nach Holland und eröffneten in Den Haag ein Antiquariat, während Norbert und Adolf mit dem größten Buchbestand in München blieben und schließlich im Konzentrationslager starben, ebenso wie Paul, der in Holland denunziert worden war. Kurz vor Kriegsausbruch gelang es Norberts Sohn Ernst, nach England, und Norberts Bruder Heinrich, nach Paris zu emigrieren. Das Antiquariat in Den Haag wurde bald geschlossen und konnte erst 1945 wieder eröffnet werden. Zwischendurch nach Hilversum verlegt, wird es heute von Hildes Tochter Edith Petten-R. in Leidschendam bei Den Haag weitergeführt.

  • Literatur

    E. J. L., Hist. of the Firm, in: Incunabula and Postincunabula, Cat. 204;
    L. R.s Antiquariaat, Hilversum Netherlands, 1859–1959, With a short hist. of the firm, 1959 (P);
    Y. Gleibs, Juden im wiss. u. kulturellen Leben Münchens in d. 2. Hälfte d. 19. Jh., 1981;
    A. Löffelmeier, Von Fellheim n. München, Zum Aufstieg d. jüd. Antiquarsfam. R., in: Zs. d. hist. Ver. f. Schwaben 96, 2003, S. 223-49 (P);
    W. Selig, „Arisierung“ in München, 2004, S. 648-54;
    Wi. 1922;
    DBJ X, Tl.

  • Portraits

    Öl/Holz, undat., Abb. in: E. Angermair u. a., Die Rosenthals, 2002 (s. L), S. 57;
    zu Joseph:
    Öl/Lwd., undat. (beide Privatbes. Edith Petten-Rosenthal), Abb. ebd., S. 69.

  • Autor/in

    Sigrid Krämer
  • Empfohlene Zitierweise

    Krämer, Sigrid, "Rosenthal, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 76-77 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116626267.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA