Lebensdaten
1823 bis 1900
Geburtsort
Wismar (Mecklenburg)
Sterbeort
Innsbruck
Beruf/Funktion
Romanist ; Kirchenrechtler
Konfession
evangelisch,katholisch
Normdaten
GND: 116620056 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Maaßen, Friedrich

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Zitierweise

Maaßen, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116620056.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hans (1798–1825), Dr. med., meckl. Bataillonsarzt, S d. Joh. Friedrich Hieronymus, Justitiar u. Komm.rat in Klütz, u. d. Christiane Margarethe Eleonore Petersen;
    M Sophie (1796–1855), T d. Dittmar v. Ladiges, auf Barnekow, u. d. Catharina Agneta Trendelenburg;
    Schw Charlotte ( Wilhelm Frhr. v. Hammerstein-Gesmold, 1904, Politiker, s. NDB VII), Mathilde ( August Drechsler, 1821–97, WGR, Senatspräs. am Reichsgericht, s. Dt. Juristenztg. 1897, S. 338 f.);
    - Julie Ambreit (1826–94);
    8 K.

  • Leben

    Nach geschichtlichen und rechtswissenschaftlichen Studien in Jena (1841–43), Berlin (bis Ostern 1844), Kiel und Rostock promovierte M. dort 1851 zum Dr. iur. Seit 1847 war er als Advokat tätig, dann bis 1851 als Syndikus der meckl. Ritterschaft. Durch den Übertritt zum Katholizismus entfremdete sich M. seiner Heimat, ging nach Bonn und wurde Informator des Fürsten v. Löwenstein-Wertheim-Freudenberg (1852–54). Auf Grund seiner „Civilistischen Erörterungen“ (1. H., 1854) und des Buches „Der Primat des Bischofs von Rom und die alten Patriarchalkirchen“ (1853) wurde er, empfohlen von George Phillips, vom österr. Kultusminister Leo Gf. Thun-Hohenstein am 8.1. 1855 als ao. Professor des Röm. Rechts an die Univ. Pest (Budapest) berufen und bereits am 8.9.1855 nach Innsbruck versetzt. 1857 wurde M. Ordinarius, 1860-71 war er o. Professor des Römischen und Kirchen-Rechts in Graz, anschließend für beide Fächer in Wien. Seit 1894 lebte er im Ruhestand in Innsbruck-Wilten.

    Bei einer größeren Arbeit auf zivilrechtlichem Gebiet, bei der die Verbindung beider Rechte wesentlich in Frage kam, wurde M. auf die ältesten Glossen und Kommentare des Decretum Gratiani zurückgeführt. Da die|kanonistische Quellen- und Literaturgeschichte damals noch weitgehend unerforscht war, wandte er sich dieser zu. Nach dem Vorbilde von Savignys „Geschichte des Röm. Rechts im Mittelalter“ und von Savigny hierzu ermuntert, plante M. eine auf 5 Bände berechnete „Geschichte der Quellen und Literatur des Canonischen Rechts im Abendland bis zum Ausgange des Mittelalters“, deren 1. und einziger Band 1870 (Neudr. 1957) erschien. Dieses bahnbrechende Werk blieb leider ein Torso, während die als Fortsetzung gedachte „Geschichte der Quellen und Literatur des Canonischen Rechts“ (3 Bde., 1875–80) von Joh. Friedrich v. Schulte für die Zeit seit Gratian vollendet wurde. „Dennoch ist gar kein Zweifel, daß mit M. und Schulte die Kanonistik in eine neue Phase trat“ (St. Kuttner). Die Vollendung von M.s Hauptwerk verhinderte die Überfülle des Stoffes, dessen Bewältigung die Kräfte eines einzelnen überstieg, dann auch sein zeitweilig starkes politisches Engagement für den Föderalismus der Konservativen der Steiermark sowie schließlich ein bei den Handschriftenforschungen zugezogenes Augenleiden.

    Das für breitere Kreise berechnete Buch „Neun Capitel über Freie Kirche und Gewissensfreiheit“ (1876) ist M.s Bekenntnisschrift, die u. a. seine Bedenken gegen die Dogmatisierung der päpstl. Unfehlbarkeit – er neigte zeitweilig zum Altkatholizismus – wie sein verdammendes Urteil über den preuß. Kulturkampf enthält. Bei der Ausgabe der „Concilia aevi Merovingici“ (1893) für die Monumenta Germaniae Historica (MGH) wurde er von Berthold Bretholz unterstützt. Durch hingebungsvolle Lehrtätigkeit gewann er der historischen Kanonistik mehrere bedeutende Schüler: in Graz Rudolf R. v. Scherer, in Wien Heinrich Singer, Ludwig Wahrmund und Alfred v. Wretschko. M. wurde so der Begründer einer österreichischen Kanonistenschule mit Schwerpunkt auf quellengeschichtlicher Forschung und Quellenedition, neben dem darstellende Werke nicht vernachlässigt wurden.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Wien (1872) u. München (1882); k. k. Hofrat (1880); ständiges Mitgl. d. österr. Reichsgerichts (1881); lebenslängl. Mitgl. d. Herrenhauses (1885); Dr. h. c. (Bologna 1888); Mitgl. d. Zentraldirektion d. MGH.

  • Werke

    Weitere W Btrr. z. Gesch. d. jur. Lit. d. MA, insbes. d. Decretisten-Lit. d. XII. Jh., in: SB d. Ak. d. Wiss. (Wien), phil.-hist. Kl., 24, 1857;
    Paucapalea, Ein Btr. z. Lit.gesch. d. Canon. Rechts im MA, ebd. 31, 1859, S. 449-516;
    Bibl. Latina juris canonici manuscripta, 3 Hh., ebd. 53, 1866, S. 373-427, 54, 1867, S. 157-288, 56, 1867, S. 157-212;
    Glossen d. Canon. Rechts aus d. caroling. Za., ebd. 84, 1876, S. 235-98;
    Pseudoisidor-Stud., 2 T., ebd. 108, 1885, S. 1061-1104 u. 109, 1885, S. 801-60;
    Über d. Gründe d. Kampfes zw. d. heidn.-röm. Staat u. d. Christentum (Rektoratsrede), in: Die feierl. Inauguration d. Rectors d. Wiener Universität 1882/83, S. 17-52;
    Gedächtnisrede … z. Säcularfeier d. Geburt Friedrich Carl v. Savigny's, 1879.

  • Literatur

    R. v. Scherer, in: HJb. 21, 1900, S. 640-43;
    C. Groß, in: Alm. d. Ak. d. Wiss. Wien 50, 1900, S. 365-71 (P);
    Revue Historique 73, 1900, S. 459 ff. - Würdigungen:
    Joh. Fr. v. Schulte, Qu. u. Lit. III/1, S. 427 f.;
    N. Grass, Österr. Kanonistenschulen, in: ZSRG 41, 1955, S. 290-411, bes. S. 300-45;
    ders., in: Studia Gratiana VIII, 1962, S. 228-33;
    St. Kuttner, in: ZSRG 69, 1983, S. 4;
    R. Puza, ebd. 70, 1984, S. 238, 249-58;
    LThK;
    Dict. d'archéologie chrêtienne et de liturgie 10, 1, Sp. 415-22;
    BJ V;
    ÖBL.

  • Portraits

    Stich v. A. Steininger, Abb. in: Almanach, s. L, u. Veröff. d. Mus. Ferdinandeum 31, 1951, Tafel XXVI.

  • Autor/in

    Nikolaus Grass
  • Empfohlene Zitierweise

    Grass, Nikolaus, "Maaßen, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 603-604 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116620056.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA