Lebensdaten
1833 bis 1889
Geburtsort
Neustadt bei Coburg
Sterbeort
Jena
Beruf/Funktion
Chemiker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116601841 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Geuther, Johann Georg Anton
  • Geuther, Anton
  • Geuther, Johann Georg Anton

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Geuther, Anton, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116601841.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Chrstn. Frdr., Webermeister, Bierbrauer u. Landwirt, Stadtkassierer;
    M Anna Cordula Eichhorn in N.;
    1863 Amalie Agnes (* 1839), T d. Hospitalverwalters Wilh. Sindram in Göttingen u. d. Johanne Redecker;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    Für das Weberhandwerk bestimmt, besuchte G. zunächst die Gemeindeschule in Neustadt und nach beendeter Lehre die Realschulen in Coburg und Saalfeld, wandte sich aber nach der Reifeprüfung 1852 in Jena dem Studium der Naturwissenschaften zu. Seit 1853 studierte er – bis auf ein Berliner Semester 1853/54 – in Göttingen, wo die Chemiker F. Wöhler und H. Limpricht neben W. Weber (Physik), J. F. L. Hausmann (Mineralogie) und R. H. Lotze (Philosophie) seine Lehrer waren. Nach der Promotion (1855) wurde G. zunächst Assistent, 1857 Privatdozent und schließlich 1862 Extraordinarius in Wöhlers Laboratorium. Vorwiegend Anorganiker, machte er jedoch bereits wichtige Beobachtungen in der organischen Chemie, wie die Reduktion von Nitrobenzol zu Anilin, die später technisch ausgewertet wurde. Bekannt wurde G. besonders durch seine Arbeiten über die Konstitution verschiedener Doppelverbindungen, einen frühen Beitrag zu der späteren Koordinationslehre A. Werners. 1863 wurde er als Ordinarius nach Jena berufen, wo er sich mehr der organischen Chemie zuwandte. Im gleichen Jahre gelang ihm die Darstellung des Nitrosamins (beschrieben als Nitro-diäthylin) und des Acetessigesters (beschrieben als Dimethylencarbon-äthylenäther). Letzteren formulierte er 1865 als schwache Säure, das heißt als Enol, während E. Frankland (1865) und 1877 J. Wislicenus diesen als Keton auffaßten. Erst L. Knorr in Jena konnte 1911 zeigen, daß im flüssigen Acetessigester beide Formen gleichzeitig vorhanden sind. Die sich aus dem Ester durch Ringschluß zwischen je einem Mol der Keto- und der Enolform bildende Dehydracetsäure fand G. 1866. Mit seinen Arbeiten über den Acetessigester, an denen auch seine Schüler, unter anderem C. Duisberg, beteiligt waren, nahm G. durch die Erschließung neuer Synthesemethoden und die Erforschung des Chemismus dieser Verbindungen großen Einfluß auf die Entwicklung der präparativen und theoretischen organischen Chemie. G.s 1870 erschienenes „Lehrbuch der Chemie, gegründet auf die Wertigkeit der Elemente“ war die erste derartiger Zusammenstellungen und behandelte, in einigen Fällen mit einer gewissen Willkür in der Formelgebung, vorwiegend anorganische Verbindungen. Von Anbeginn hatte sich G. mit guten Erfolgen der dualistisch-elektrochemischen Auffassung von Berzelius angeschlossen und beharrte darauf, obgleich seine Zeitgenossen der unitarischen Auffassung der Materie huldigten. Seine Anschauungen verteidigte G. stets energisch. Auch im politischen Leben der Stadt Jena war er tätig.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenmitgl. d. Chemical Society London.

  • Werke

    Weitere W u. a. Über d. Natur u. Destillationsprodukte d. Torbanehill-Minerals, Diss. Göttingen 1855;
    Über d. Verhalten einiger organ. Chlor- u. Nitroverbindungen zu Wasserstoff aus Zink u. verdünnter Säure, in: Ann. d. Chemie 107, 1858, S. 212;
    Über d. Einwirkung v. salpetrigsaurem Kali auf salzsaures Diäthylamin, ebd. 128, 1863, S. 151;
    Über d. Verhalten d. Kobaltsesquioxyds zu neutralem schweflig-saurem Ammoniak, ebd., S. 157;
    Unterss. üb. d. einbasischen Säuren, in: Nachrr. d. Kgl. Ges. d. Wiss. zu Göttingen, 1863, S. 281;
    Unterss. üb. einbas. Kohlenstoffsäuren, Über d. Essigsäure, in: Jenaische Zs. f. Med. u. Naturwiss., 1866, S. 387-420.

  • Literatur

    C. Liebermann, in: Berr. d. Dt. Chem. Ges. 22, 1889, S. 2388 f.;
    C. Duisberg u. K. Hess, ebd. 63 (A), 1930, S. 145-57 (W, P);
    F. Chemnitius, Die Chemie in Jena v. Roifink bis Knorr (1629–1921), 1929;
    C. Duisberg, Meine Lebenserinnerungen, 1933 (P);
    Pogg. III, IV, VI.

  • Autor/in

    Berend Strahlmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Strahlmann, Berend, "Geuther, Anton" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 353-354 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116601841.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA