Lebensdaten
1833 bis 1919
Geburtsort
Kassel
Beruf/Funktion
Geograph ; Geophysiker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116587938 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gerland, Georg Cornelius Karl
  • Fr. Walter (Pseudonym)
  • Walter, Fr. (Pseudonym)
  • mehr

Porträt(nachweise)

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Gerland, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116587938.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Ernst (s. 1);
    Marburg 1864 Wilhelmine (1836–85), T d. Ernst Henke (1804–72), Prof. d. Theol. (s. ADB 50; RGG), u. d. Betty Fries;
    1 S, 4 T, u. a. Heinrich (s. 4);
    N Ernst (s. 2).

  • Leben

    G. war eine vielseitig begabte Persönlichkeit: er betätigte sich als Komponist, Sprachforscher, Ethnologe, Geograph und Geophysiker. Der Elfjährige komponierte bereits, der 18jährige veröffentlichte Klaviersonaten; Lieder gingen ins „Deutsche Kommersbuch“ ein; andere (mit Klavierbegleitung) wurden später in Heften gedruckt. Nach Berichten hat G. im hohen Alter in freien Phantasien auf dem Klavier eigene Schöpfungen gespielt. Ein historisches Drama „Konrad I.“ veröffentlichte er 1892 unter dem Pseudonym Fr. Walter. – Seine Studienjahre verbrachte G. in Berlin und Marburg. Er beschäftigte sich mit Altphilologie, Germanistik und Anthropologie (Promotion Marburg 1859). 1856-75 war er Gymnasiallehrer, zunächst in Kassel, dann in Hanau, in Magdeburg und in Halle. In Berlin hatte er den Brüdern Grimm nahegestanden; in Marburg hatte er sich an den Psychologen und Anthropologen Th. Waitz angeschlossen. Nach dessen Tode (1864) vollendete G. den 5. Band des großen Werkes von Weitz über die Anthropologie der Naturvölker und schrieb selber den 6. Band „Die Völker der Südsee“ (1872). Andere Arbeiten aus dem Gebiet der Ethnologie folgten. – Auf dem Weg über die Völkerkunde befaßte sich G. mit der Umwelt, in die der Mensch hineingestellt ist, und wandte sich immer mehr der Geographie zu. 1875 folgte er dem Ruf auf den neugeschaffenen Lehrstuhl für Geographie in Straßburg. Innerhalb seiner 35jährigen Lehrtätigkeit in Straßburg hielt er Vorlesungen über Themen der Religionswissenschaften, Ethnologie, mathematischen Geographie, Kartographie, Geographie der Organismen, der beschreibenden Geographie und der Geophysik. Weit bekannt waren die von ihm geführten Seminare, Kolloquien und Exkursionen, an denen sich Studenten verschiedener Fachrichtungen beteiligten. – 1887 erschien der 1. Band seiner Zeitschrift „Beiträge zur Geophysik“ – eine der ältesten Zeitschriften dieses Faches, heute „Gerlands Beiträge zur Geophysik“ genannt. Das Vorwort G.s zum 1. Band seiner „Beiträge“ hat bei den damaligen Fachkreisen der Geographie großes Aufsehen und stärkste Kritik erregt. G. war nämlich im Laufe seiner Entwicklung zu der Auffassung gekommen, daß das Studium des Menschen aus der Geographie auszuschließen sei. Nach eigener Aussage war es G.s Ziel, „die Erde in ihrer Ganzheit, in ihrer planetarischen Eigenart, in der Wechselwirkung der an ihre Materie gebundenen physikalischen (und chemischen) Kräfte zu studieren“. Damit hatte er sich der damals ganz jungen Geophysik zugewendet, die ihre Wurzeln in der Mathematik, Physik, Astronomie und Geographie hat und als deren Mitbegründer er zu bezeichnen ist. An der Schaffung der Meteorologischen Anstalt von Elsaß-Lothringen hat er entscheidend mitgewirkt. Auf seine Veranlassung wurde die Internationale Seismologische Gesellschaft ins Leben gerufen. Am 1.4.1899 wurde die von ihm verlangte Hauptstation für Erdbebenforschung in Straßburg gegründet, die heute noch nach über 60 Jahren zu den bedeutendsten seismologischen Stationen der Erde gehört. – Alle Biographen, die G. persönlich gekannt haben, stellen sich am Ende ihrer Betrachtungen die Frage, ob G. nicht noch Bedeutenderes geleistet haben würde, wenn er sein Leben nicht den Wissenschaften, sondern der Musik verschrieben hätte.

  • Werke

    Weitere W u. a. Der altgriech. dativ, Diss. Marburg 1859;
    Altgriech. Märchen in d. Odyssee, 1869;
    - Über d. Aussterben d. Naturvölker, 1868;
    Atlas d. Ethnol. im Brockhaus'schen Bilderatlas, 1876;
    Berr. üb. d. anthropol.-ethnogr. Forschung, 1876-1900 (alle 2 J. ersch.);
    Aussterben d. Eingeborenen Australiens, in: 3. J.ber. d. Ver. f. Erdkde, z. Metz, 1880;
    Atlas d. Völkerkde., 1892;
    Merkwürdige Vogesenberge, Schwarzwald u. Vogesen, Talbildung d. nördl. Vogesen, Der Hoheneck, in: Gemeindeztg. f. Elsaß-Lothringen, 1880/81;
    Geograph. Abhh. aus d. Reichslande Elsaß-Lothringen, 1892;
    Das Reichsland Elsaß-Lothringen, T. 1, 1898-1901;
    - Ber.erstattung üb. vulkanist, u. seismische Arbb. b. z. J. 1903;
    Das seismische Verhalten d. atlant. u. d. pazif. Ozeans, Vortrag auf d. 9. internat. Geographenkongreß 1908 in Genf;
    - Briefwechsel Hans Thoma u. G. G., 1938 (P).

  • Literatur

    L. Neumann, in: Petermanns Mitt. 65, 1919, S. 22 f.;
    K. Sapper, in: Geograph. Zs. 25, 1919, S. 329-40;
    ders., in: Lb. aus Kurhessen u. Waldeck II, 1940, S. 150-62 (W, L, P);
    DBJ I (Tl. 1919, L);
    Pogg. V, VI;
    Kosch, Lit.-Lex.

  • Autor/in

    Gustav Angenheister
  • Empfohlene Zitierweise

    Angenheister, Gustav, "Gerland, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 305 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116587938.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA