Lebensdaten
1860 bis 1944
Geburtsort
Bonn
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116570334 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ritschl, Otto

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Zitierweise

Ritschl, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116570334.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Albrecht (s. 2), S d. Carl (s. 1);
    1889 Eveline (Eva) (1867–1943), T d. Georg Dieterichs ( 1903), Dr. iur., Geh. Reg.rat, 1865/66 letzter Finanzmin. d. Kgr. Hannover, später preuß. Landrat (s. BJ VIII, Tl.);
    2 S Hans (s. 4), Rudolf (s. 5).

  • Leben

    Nach Abitur und Militärdienst studierte R. seit Sommer 1879 in Bonn und Göttingen ev. Theologie. Im April 1882 bestand er das sog. Kulturexamen und setzte seine Studien in Gießen v. a. bei Adolf v. Harnack (1851–1930) fort. Mit Studien über „Cyprian von Karthago und die Verfassung der Kirche“ (1885) erwarb er 1884/85 in Gießen den Dr. theol. und habilitierte sich. Ursprünglich Kirchenhistoriker, wandte sich R. noch in Gießen der Systematischen Theologie zu. 1889 wurde er ao. Professor in Kiel, 1894 Extraordinarius für Dogmatik und Dogmengeschichte als Nachfolger Ernst Troeltschs (1865–1923) in Bonn (Ordinarius 1897). Im Herbst 1927 von seinen Amtspflichten entbunden, vertrat er sich bis zur Berufung (1930) seines Nachfolgers Karl Barth (1886–1968) selbst.

    Nach der Arbeit an der Biographie seines Vaters (Albrecht R.s Leben, 2 Bde., 1892/96), die auch als Akt der Befreiung gegenüber dessen theol. Gedankenwelt zu lesen ist, wandte sich R. phil. Studien (Nietzsches Welt- u. Lebensanschauung, 1897, 21899) und wissenschaftstheoretischen Fragen zu (Ueber Werthurteile, 1895; Die Causalbetrachtung in d. Geisteswissenschaften, 1901). Obwohl er intensiv über eine Neubegründung der theol. Ethik mit Hilfe psychologischer Erkenntnisse nachdachte, publizierte er zunächst eine „Dogmengeschichte des Protestantismus“ (4 Bde, 1908–27). Erst als Emeritus konnte er seine „Ethologie des sozialen und persönlichen Lebens“ (1939/40) vorlegen, in der er die Entstehung individueller Sittlichkeit als Wechselwirkung zwischen Naturanlage und komplexer menschlicher Gemeinschaft deutete.

    Für seine Fakultät wirkte R. als Historiograph (Gesch. d. ev.-theol. Fak. zu Bonn in d. ersten Jh. ihrer Gesch. 1819-1919, 1919) sowie als Vertreter auf der ao. Versammlung der Generalsynode in Berlin (1920) und auf der verfassunggebenden Kirchenversammlung in Berlin (1921 u. 1922). R.s politische Entwicklung führte von der freikonservativen Anhängerschaft Bismarcks über die aktive Mitarbeit in der Nationalliberalen Partei in Bonn zur annektionistischen Dt. Vaterlandspartei im 1. Weltkrieg und danach kurzfristig in die DNVP.|

  • Auszeichnungen

    Dr. theol. h. c. (Kiel 1897); Dr. phil. h. c. (Halle 1930); Geh. Konsistorialrat (1915).

  • Werke

    Weitere W Schleiermacher's Stellung z. Christentum in seinen Reden über d. Rel., 1888;
    Wiss. Ethik u. moral. Gesetzgebung, 1903;
    System u. systemat. Methode in d. Gesch. d. wiss. Sprachgebrauchs u. d. phil. Methodol., 1906.

  • Literatur

    E. Bizer, in: Bonner Gel., Btrr. z. Gesch. d. Wiss. in Bonn. Ev. Theol., 1968, S. 143 ff.;
    H. Faulenbach (Hg), Das Album Professorum d. Ev.-Theol. Fak. d. Rhein. Friedrich-Wilhelms-Univ. Bonn, 1818–1933, 1995, S. 208-11 (P);
    Wi 1935;
    Ziegenfuß;
    Kosch. Lit.-Lex;
    BBKL.

  • Autor/in

    Friedrich Wilhelm Graf
  • Empfohlene Zitierweise

    Graf, Friedrich Wilhelm, "Ritschl, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 650 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116570334.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA