• Genealogie

    V Michael (1865–1926), Steuersekr., S d. Bauers David in Linx u. d. Elisabeth Stahl;
    M Friederike (1867–1925), T d. Bahnbeamten Streib u. d. Maria Kamp;
    Karlsruhe 1924 Else (* 1896), T d. Hermann Flügel (1866–1944), Sortiments- u. Verlagsbuchhändler, u. d. Helene Canzler;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    Nachdem G. während der Schulzeit das Munzsche Konservatorium in Karlsruhe besucht hatte, studierte er Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie in Halle und Leipzig, war 1923-28 Assistent am Musikhistorischen Seminar der Universität Berlin und habilitierte sich 1928 in Gießen, wo er bereits 1929 die Leitung des musikwissenschaftlichen Seminars übernahm. 1932 zum außerplanmäßigen Professor, 1937 zum außerordentlichen Professor ernannt, vertrat er 1933-35 zugleich sein Fach an der Universität Frankfurt/Main und hatte dort 1938-43 einen Lehrauftrag für Geschichte der Kirchenmusik an|der Staatlichen Hochschule für Musik. 1943 wurde er als ordentlicher Professor an die Universität Göttingen berufen, wo er bis zu seinem Tode gelehrt hat. - G.s Entwicklung und Anschauungen wurden entscheidend geprägt durch den Einfluß seines Lehrers Hermann Abert, der philologische Methoden mit musikalischem Einfühlungsvermögen zu verbinden verstand. Dies zeigt sich bereits in seiner Dissertation von 1922 „Die Arie in den Opern J. A. Hasses“, die erweitert 1925 als „Der Operntypus J. A. Hasses und seine textlichen Grundlagen“ erschienen ist. Das Problem der wechselseitigen Beziehung zwischen Wort und Ton wird auch in den folgenden Arbeiten „Wort und Ton in den Cantiones Sacrae von Heinrich Schütz“ (in: Gedenkschrift für H. Abert, 1928) und „Das Passionsrezitativ bei H. Schütz und seine stilgeschichtlichen Grundlagen“ (1929) bevorzugt behandelt. Besondere Bedeutung kommt G. als Herausgeber zahlreicher Werke deutscher Musik aus dem Zeitalter der Renaissance und des Barock zu. Neben gründlichen Einzeluntersuchungen auf dem noch kaum erforschten Gebiet der frühen mehrstimmigen Hymnenkompositionen fühlte er sich vor allem Ch. W. Gluck verpflichtet, dessen Werke er seit 1951 mit Mitarbeitern herausgab, und J. Brahms, dessen richtungweisende Bedeutung er in einem ausgeprägten Zug ins „Allgemeingültige“ und als „Hüter der Tradition“ sah|.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Göttingen (1952).

  • Werke

    Weitere W u. a. Johs. Brahms, 1938;
    dass., in: Die Gr. Deutschen IV, 1957, S. 71-81;
    Christoph Willibald Gluck, 1941, 21950;
    Zur Gesch. d. ital. Hymnenkompositionen im 15. Jh., in: Acta Musicologica 28, 1956;
    Die Hymnen d. Hs. Monte Cassino, in: Anuario Musical 11, Barcelona 1956.

  • Literatur

    W. Boetticher, in: Die Musikforschung 10, 1957 (P);
    A. Abert, in: Acta musicologica 29, 1957, S. 51-53;
    L. Finscher, in: Musica 11, 1957, S. 582 f.;
    Rud. Gerber, in: MGG IV, Sp. 1782 f. (W).

  • Autor/in

    Imogen Fellinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Fellinger, Imogen, "Gerber, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 255 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116565292.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA