Lebensdaten
1745 bis 1812
Geburtsort
Graz
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Schauspieler ; Dramatiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116553456 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Brockmann, Johann Franz Hieronymus

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Brockmann, Johann Franz Hieronymus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116553456.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    ⚭ Theresia Maria Bodenburg (1740–93), Schauspielerin.

  • Leben

    B. schloß sich frühzeitig Wandertruppen durch Deutschland an, besonders jener von F. Kurz, bis er 1771 in Hamburg ein festes Engagement und künstlerische Ausbildung durch F. L. Schröder fand. Seine Auffassung des Hamlet - 1776 unter Schröder in Hamburg - machte ihn berühmt und führte ihn 1778 in das Wiener Burgtheater, dessen Mitglied er bis zu seinem Tode blieb und wo er später zur Darstellung von Vätern überging. Durch die 15 verschiedenen und sehr lebendigen Darstellungen, die Daniel Chodowiecki unmittelbar bei B.s Aufsehen erregendem Berliner Gastspiel bei C. Th. Döbbelin 1777 bis 1778 im Kupferstich festgehalten hat, sind wir über seine Hamletdarstellung in Ausdruck, Bewegung und Kleidung gut unterrichtet. Die von ihm herausgegebenen Theaterstücke sind meist Bearbeitungen fremder Originale (R. Cumberland, C. Goldoni usw.). Seine wenigen eigenen Stücke sind literarisch wertlos.

  • Werke

    Hattya Ilona od. Die Wittwe v. Ketskemet, Wien 1788;
    Das Familiensouper, 1802.

  • Literatur

    ADB III;
    (J. F. Schink,) Über B.s Hamlet, 1778;
    F. X. Sannens, Den Manen B.s, 1812;
    K. M. Kertbeny, Silhouetten u. Reliquien II, 1863, S. 243 ff.;
    B. Voelcker, Die Hamlet-Darst. D. Chodowieckis u. ihr Quellenwert f. d. dt. Theatergesch. d. 18. Jh., 1916, = Theatergesch. F, Bd. 29 (P);
    E. L. Stahl, Shakespeare u. d. dt. Theater, 1947, S. 90 f., 95 f. u. ö. (P);
    Goedeke V, 1893, S. 336 f. (W, L), XI/1, 1951, S. 97 (L).

  • Portraits

    Schauspieler-Galerie d. Burgtheaters, Wien, Histor. Mus. d. Stadt Wien; Silbermedaille v. A. Abramson, Mus. f. Hamburg. Gesch., Hamburg; s. a. Singer I, Nr. 4200/1.

  • Autor/in

    Gustav Gugitz
  • Empfohlene Zitierweise

    Gugitz, Gustav, "Brockmann, Johann Franz Hieronymus" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 628 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116553456.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Brockmann: Johann Franz Hieronymus B., geb. zu Graz in Steiermark 30. Sept. 1745, 12. April 1812. Er entlief der Barbierstube und leitete die Bühne bei einer in den deutsch-ungarischen Städten spielenden wandernden Gesellschaft unter der Principalin Bodenburg, mit der er nach Varasdin, Essek, Temesvar reiste. 1765 heirathete er die Tochter seiner Principalin, Therese Bodenburg, geb. 1738 in Oedenburg. 1766 spielte er zum ersten Male in Wien, gefiel aber nicht. Er fand darauf Engagement bei der Truppe des bekannten Bernardon Kurz, welche die Städte Würzburg, Frankfurt, Mainz, Köln und Düsseldorf besuchte. Seine Frau wurde 1769 nach Wien berufen. B. blieb jedoch in dem Kurz'schen Engagement bis 1771. Schröder, damals Director der Ackermann'schen Gesellschaft, berief ihn nach Hamburg, wo er am 3. April 1771 debutirte. Anfänglich wollte er dem Publicum nicht gefallen, sein steierischer Dialekt fiel unangenehm auf und seine etwas gezierte Spielweise stach unvortheilhaft von dem Darstellungsstile der Hamburgischen Schule ab. Auch seine Collegen Reinecke, Möller und Borchers hatten nur Augen für Brockmann's Unvollkommenheiten. Schröder's Scharfblick erkannte aber sogleich das schlummernde Talent und fertigte die Tadler mit der Prophezeiung ab: „Er wird euch allen noch Sand in die Augen streuen“. An keiner Persönlichkeit hat sich Schröder's Genialität im Erkennen und Erziehen schauspielerischer Talente glänzender erwiesen, als an B. und diesem muß nachgerühmt werden, daß er auf die Intentionen seines Meisters mit vollem Verständniß und einer nie wankenden Treue und Anhänglichkeit einging. Schröder pflegte Brockmann's Talent in sorglicher Weise und so gelang denn endlich dem bis dahin in Liebhaberrollen nur tolerirten Schauspieler, der nach der Sitte der Zeit auch in Balleten tanzen mußte, am 28. Juli 1773 zum ersten Male die Darstellung einer bedeutenden tragischen Rolle vollständig: Er spielte den Essex in der „Gunst der Fürsten“ mit glänzendem Erfolg. Jetzt wurden die Kunstkenner auf den Schauspieler aufmerksam, dem eine auffallende Aehnlichkeit mit Lessing auch äußerlich zu Statten kam. B. arbeitete rüstig an seiner Ausbildung weiter, stets an Schröder's Beispiel und Lehre sich lehnend. Er war der einzige von allen Schauspielern der Hamburger Bühne, welcher 1774 einer von Schröder gegründeten Gesellschaft beitrat, in welcher Schröder die Stücke Shakespeare's und der großen griechischen Tragiker vorlas. Noch war er aber vom großen Publicum nicht seinem Werthe entsprechend anerkannt. Der 9. Septbr. 1776 erwarb ihm endlich den allgemeinen Ruf eines großen tragischen Schauspielers. Shakespeare's Hamlet wurde zum ersten Male von der Ackermann'schen Gesellschaft aufgeführt, und die Darstellung machte eine beispiellose Sensation. B. errang als Hamlet einen großen Triumph und sein Name war mit einem Male in ganz Deutschland gefeiert. Am 24. Sept. sah ihn der vom Kaiser Joseph entsendete Wiener Schauspieler Müller in dieser Rolle, und der Bericht desselben wurde Ursache zu Brockmann's Berufung nach Wien. Am 5. März 1778 spielte er seine Abschiedsrolle in Hamburg, den Grafen Essex. Ehe er sein neues Engagement antrat, gab er in Berlin eine Reihe von Gastrollen, darunter zwölf Mal den Hamlet. Er machte auch hier ein beispielloses Furore. Das Publicum rief ihn hervor — der erste Fall im Berliner Schauspielhause —, Chodowiecki stach sein Bild in Kupfer und der Medailleur Abramson verewigte sein Andenken durch eine silberne Denkmünze, die erste, die zu Ehren eines deutschen Schauspielers geschlagen wurde. Sie zeigt auf dem Avers das Bildniß des Künstlers mit der Umschrift: „Brockmann actor utriusque scenae potens“, auf dem Revers steht die Inschrift: „Peragit tranquilla potestas quod violenta nequit“. Im Abschnitte: „Berolini die I Januarii 1778“. In Wien debutirte B. 30. April 1778 als Essex. Er war der erste bedeutende Schauspieler, welcher auf dem Burgtheater die einfache, wahre Spielweise der Hamburger Schule vertrat, welche, gestärkt durch neue Personal-Erwerbungen und für alle Zeit fest gegründet durch des großen Schröder Eintritt (1781—85), in den Traditionen des Wiener Burgtheaters bis heute lebendig geblieben ist. B. verblieb dem Burgtheater bis zu seinem Tode. Im J. 1789 wurde er, nachdem Kaiser Joseph den dirigirenden Ausschuß aufgelöst hatte, vom Personal zum Director gewählt. Unter Kaiser Leopold wurde 1792 der alte Ausschuß wieder hergestellt, da sich B. durch sein durchfahrendes Wesen vielfache Feinde gemacht hatte. Als 1807 die Direction des Burgtheaters in die Hände einer Gesellschaft von Cavalieren kam, wurde B. Regisseur. Seine Glanzperiode ist jedenfalls die Zeit seines Hamburger Engagements und die vier Jahre, welche er neben Schröder in Wien spielte, dessen überlegene Persönlichkeit einen festigenden Einfluß auf ihn übte. Später warf man ihm nicht mit Unrecht Manierirtheit vor. Er spielte bis gegen das Ende der achtziger Jahre das Fach der Helden und gesetzten Liebhaber, später ging er zu Väterrollen über, unter denen sein Oberförster in Iffland's Jägern vornehmlich gerühmt wird. In der Galerie der k. k. Hofschauspieler hängt sein Bild als Montalban in Lanassa. Frau B., welche namentlich in Rollen älterer Koketten großen Beifall fand, starb am 20. Sept. 1793.

  • Autor/in

    Förster.
  • Empfohlene Zitierweise

    Förster, "Brockmann, Johann Franz Hieronymus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 342-343 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116553456.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA